Riesenmaschine

30.01.2007 | 14:14 | Berlin | Supertiere

Gewappnet für den Winter

Von einem guten Wappentier erwartet man, dass es gewisse charakterliche Grundzüge seines Trägers widerspiegelt. Der doppelköpfige Adler im Wappen Österreich-Ungarns symbolisiert Weitsicht, Scharfsinn und allgemeine Planlosigkeit, der Löwe im Stadtwappen der kreisfreien Stadt Wuppertal verkörpert Virilität, Pioniergeist und eine Neigung zu Alkoholismus etc. Nur konsequent, dass auch die heutigen Grosskonzerne als moderne Staaten im Staat sich in dieser heraldischen Tradition Symboltiere zulegen, die wichtige Attribute ihrer inkorporierten Identität personifizieren. Die Gasag zum Beispiel hat sich mit dem glimmenden, von innen heraus illuminierten Eisbären ein aussagekräftiges Maskottchen gewählt, das auf den ersten Blick unmissverständlich klar macht, dass es hier um Winter und polare Kälte bzw. deren Abwesenheit und also genaues Gegenteil geht. Als grundsympathischer Zeitgenosse dürfte der Eisbär zudem einen Schlag bei grossen Teilen der Bevölkerung geniessen, ungeachtet seines in der Realität mitunter durchbrechenden raubtierhaften Rüpelverhaltens.

Rätselhaft bleibt allerdings die Botschaft der aktuellen Kampagnenmotivs, worin der vermeintlich familienkompatible Sympathieträger ganz augenscheinlich den Hund der Familie qua physischer Überlegenheit aus dessen Körbchen vertrieben hat, um sich selbst wonnig hineinzukuscheln, während jener auf das harte Parkett verwiesen ist, was ihm seinem bedröppelten Gesichtsausdruck nach alles andere als zusagt. Wir wissen nicht genau, was uns das sagen will, aber vielleicht hat es ja irgend etwas mit den in den vergangenen Jahren dramatisch angestiegenen Gaspreisen des Versorgers zu tun. Als Repräsentant der Endkonsumenten vermittelt der geprügelte Hund gleichsam die Botschaft "Du bist nicht allein" und stiftet somit zumindest Trost, wenn nicht gar so etwas wie Identifikation mit dem Angreifer.


Kommentar #1 von Erklärbär:

Aufgabe des Hundes ist es klarzustellen, dass es sich 1. um ein Hunde(nicht Brot- oder Wäsche-)körbchen handelt, 2. der dazugehörige Hund sich nicht unter dem oder im Eisbären befindet.

31.01.2007 | 21:42

Kommentar #2 von Naja Biglie:

Endlich wieder einer dieser Verleser: die dramatisch angestiegenen Gaspreise des Monopolversagers lassen mich glatt vergessen, dass ich bei meinem letzten Aufenthalt in dem Berlin ums Verrecken nicht erkannt habe, dass das ein Eisbär sein sollte.

02.02.2007 | 16:17

Kommentar #3 von Leonie Schulz:

Ist doch klar: der Eisbär glimmt von innen heraus, was aufgrund saunaartigen Zimmertemperaturen das warme Körbchen überflüssig macht.

02.02.2007 | 20:36

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