Riesenmaschine

12.05.2007 | 16:17 | Alles wird besser | Fakten und Figuren

Eddington-Finkelstein-Metrik


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
An mehreren ernstzunehmenden Stellen im Internet, zum Beispiel auf der Kosmologie-Halde von Berkeley, kann man nachlesen, dass es, sollte man in ein Schwarzes Loch fallen und den Ereignishorizont bereits überschritten haben, gar nichts bringt, seine letzten verbliebenen Raketen abzufeuern. Im Gegenteil, so steht dort, die Raketen würden einen wegen der seltsamen Umstände nur noch schneller der Singularität im Innern des Lochs entgegentreiben. Man kann seiner Zukunft, dem Zentrum des Lochs, nicht weglaufen, egal, in welche Richtung man rennt. Trying to avoid the center of a black hole once you've crossed the horizon is just like trying to avoid next Thursday.

Das Letzte stimmt zwar schon, das mit den Raketen jedoch gar nicht. Wie man jetzt nachlesen kann, verlängert der Einsatz von Raketen die Überlebensdauer im Innern des Schwarzen Lochs (Verlängert! Na also!). Unverantwortlich, dass jahrelang gegenteiliger Unsinn herumerzählt wurde, wievielen Menschen hätte geholfen werden können. Es wird also dringend geraten, nach dem Malheur, dem versehentlichen Fall ins Loch, alle Raketen zu feuern, die man noch hat, damit man mehr Zeit hat, Notrufe per SMS abzusenden, die natürlich erst in unendlich vielen Jahren jemand empfangen wird. Danach wird man dann durch gravitative Gezeitenkräfte in Stücke gerissen und schliesslich durch den Aufprall in seine Einzelatome zertrümmert.


Kommentar #1 von noe:

"to fire a rocket" mit "Rakete abfeuern" zu uebersetzen ist im besten Fall etwas ungelenk. Wie waere es mit "Raketentriebwerke zuenden".
Dieses Detail ist mindestens genauso wichtig, sonst fangen unwissende Betroffene am Ende noch an, an den Waffensystemen ihres Raumschiffes herumzuspielen und verschenken genau jene wertvollen Sekunden, die sie durch die im Artikel erfolgte Klarstellung haetten gewinnen koennen. Etwas mehr Sorgfalt, wenn ich bitten darf...

12.05.2007 | 19:10

Kommentar #2 von Nachtlicht:

Ruht man am Ereignishorizont und fällt dann frei, hat der Parameter "e" den Wert 0. Das Zünden des Antriebs kann die Eigenzeit bis zum Erreichen der Singularität dann nur noch verkürzen und sollte daher also wirklich unterbleiben.
Überquerte man den Ereignishorizont aber mit einer nichtverschwindenden Geschwindigkeit, ist es tatsächlich besser zu beschleunigen, jedoch nur solange, bis der Parameter "e" den Wert 0 hat.
So verstehe ich zumindest den Arxiv-Artikel.

12.05.2007 | 22:36

Kommentar #3 von spit_Z:

Ich bin zwar ein Laie, aber der letzte Satz macht mich stutzig. "Aufprall"? Hat es viel Sinn, bei einer Singularität von einem "Aufprall" zu sprechen? Es ist doch eben eher so eine Art Loch, in das man stürzt, dachte ich. Man "prallt" ja wohl nicht "auf" ein Loch!? – In jedem Fall ist es grober Unfug und eine gefährliche Verharmlosung der Risiken des Sturzes in ein Schwarzes Loch zu behaupten, man würde lediglich in seine "Einzelatome" zertrümmert! Schon ein ordinärer Neutronenstern zerlegt, wie der Name schon sagt, auch die Atome – was da erst ein Schwarzes Loch anrichten kann, ist kaum auszumalen!

12.05.2007 | 23:23

Kommentar #4 von @spit_Z:

Soweit ich das verstanden habe, ist es eher der Begriff "Loch" der irreführt. Ein "Schwarzes Loch" bezeichnet einen Stern dessen Fluchtgeschwindigkeit höher als die Lichtgeschwindigkeit ist, weshalb er von aussen schwarz erscheint (wenn ich Hawking richtig in Erinnerung habe), deshalb ist der "Aufprall" gar nicht so abwegig. Bitte um Korrektur falls ich mich irre.

13.05.2007 | 11:08

Kommentar #5 von Kai:

Der Stern ist natürlich, so das herrschende Modell, mangels der Gravitation widerstehender Charakterstärke längst in ein immer während schrumpfendes Nichts verwandelt, und es gibt also keine sternharte Oberfläche, auf der man in Scherben zerspränge. Aber ein Vorgang, bei dem man schnell in ein Gravitationsloch fällt, weil etwas sich in den Lebensweg stellte, und am Ende durch intensive Kräfte weitaus feiner zerpulvert wird als damals Max und Moritz in der Mehlmühle, hat durchaus Aufprallcharakter, würde ich sagen. Dass man dabei nicht komplett anhält, sondern als Energiewolke stetig weiter in die Singularität taumelt, ist der Grund dafür, dass das Ganze manchmal "paradoxer Aufprall" genannt wird. Grade eben zum Beispiel.

13.05.2007 | 17:29

Kommentar #6 von Herr:

Was ist übrigens mit der Zeitdilatation? Da die Materie auf dem Weg ins Zentrum des schwarzen Loches ohnehin auf relativistische Geschwindigkeiten beschleunigt wird, hat man doch eh ewig Zeit.
P.S.: Bitte über die Formulierung "SMS... die natürlich erst in unendlich vielen Jahren jemand empfangen werden" noch einmal nachsinnen und sich dann für "von jemand" oder "empfangen wird" entscheiden, dankeschön.

14.05.2007 | 13:23

Kommentar #7 von Herr:

Sorry, ziehe P.S. zurück – mit "Notrufe" stimmt´s.

14.05.2007 | 13:27

Kommentar #8 von be, www.spitzbouben.blogspot.com:

lieber herr schulz, sie können ruhig bei ihren 21 cm bleiben, ihr p.s. ist durchaus gültig, auch mit "notrufe". der numerus des verbs richtet sich auch im passiv nach dem subjekt. das subjekt ist "jemand", und "jemand" ist singular.

14.05.2007 | 22:41

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