Riesenmaschine

20.05.2007 | 02:25 | Supertiere | Zeichen und Wunder

Käferkuchenschlacht

Dass Insekten zu den finstersten Hervorbringungen der natürlichen Weltprozesse gehören, ist der Standpunkt dessen, der innerlich selbst hart ist wie ein Chitinpanzer, und fortwährend mit tausend Beinchen und Fühlern nach Dingen sucht, die er besudeln und in den Schmutz ziehen kann, kurz, der selbst ein niederes und verdammenswertes Seelenungeziefer und inneres Insekt vorstellt. Trotzdem aber der fühlende Mensch also seinem krabbelnden Bruder freundlich und interessiert gegenübertreten sollte, wenn er zum Beispiel als Lebensmittelmotte aus dem halb gegessenen Müsli aufsteigt, fällt ihm das nicht immer leicht. Hat man indes gesehen, wie Wespe und Konsorten auch mal mit kleinen Kuchensachen beworfen und beschämt werden, statt dieselben uns aus eigenem Antrieb vom Teller wegzulüpfen, und uns womöglich auch noch zu stechen dabei, fallen einem Grundhöflichkeit und Gleichmut dem Reich der Insekten gegenüber wieder so leicht, wie es die gute Sitte erfordert.

Man muss den Film allerdings abschalten, ehe ganz am Ende die Kleintierschinderei als Werbevehikel für kleine Telefone erkennbar wird. Man übertrüge sonst noch den Krabbeltierekel auf diejenigen, die einem klebrige Werbebotschaften ins Gesicht schleudern wo man nur einen kleinen Rundflug machen wollte, und der schöne Höflichkeitszugewinn welkte wieder dahin.


Kommentar #1 von Kommentator #1, #4 und einem verwegenen Haufen weiterer Stadt... äh... Internetguerilleros:

Putsch versucht, Putsch geglückt. Das waren sie, die zwei Tage der neuen Militärregierung der Riesenmaschine.

20.05.2007 | 10:28

Kommentar #2 von Rudi K. Sander; www.Differenztheorie.de:

Ein Geständnis: Jetzt habe ich meinen Ekel von heute Morgen überwunden: Mein Verhältnis zur Welt des schwirrenden Lebendigen ist doch arg ambivalent. Einerseits bin ich zutiefst gerührt (und mein Entzücken vor dem Wunder des Lebendigen ist grenzenlos), wenn ich nachts, lesend, unter der grellen Leselanpe hocke, und urplötzlich krabbelt auf meiner Resopaltischplatte eine winzige "Eintagsfliege", so nenne ich sie mal vorab. Ob es sich dabei um Melanogaster handelt, kann ich leider wegen nur rudimentärer Biologiekenntnisse nicht beurteilen. Ich greife aber sofort zur stets bereit liegenden Zehnfachlupe und richte meinen bewundernden Blick auf dieses Wesen, dem alles gegeben ist von der undurchschaubaren Evolution, was eine Massenindividualität braucht, um sich durchzusetzen gegen alle erdenklichen Widrigkeiten, jedenfalls immer so lange, wie es eben geht. Das ist die eine Seite.
Andererseits erfüllt mich eine tiefgehende Aversion gegen alles, was schnell krabbelt und noch schneller durch die Lüfte schwirrt. Bei solchen, alle Aufmerksamkeit und Konzentration vernichtenden Miniangriffen hätte ich gerne eine so exelent zu treffen wissende moderne Römerschleuder, wie sie im Laborklip zu sehen war. Ich schösse im Erregungsaugenblick auch gnadenlos auf alles, was mich stechen oder beissen will, was in mein Ohr krabbeln, was danach strebt, sich in meinen ureigendsten Körperfalten zu verbergen.
Dennoch: Ich halte mich für einen Typen, der keiner von diesen oft apostrophierten Fliegen etwas zuleide tun könnte.
Husch!, mach dich fort du flatterndes Ungeheuer.
Adrenalisiert: Rudi Sander

20.05.2007 | 11:31

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