Riesenmaschine

20.06.2007 | 10:28 | Berlin | Alles wird besser

Meistens in den seltensten Fällen nie


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Mit Logik kommt man im Marketing nicht weiter. Paradoxien wie "gleich ist das neue anders" ebnen den Weg ins Herz der Verbraucher (wir berichteten). Sony Ericsson und Nokia jedenfalls schenken sich nichts, wenn es um die Zurschaustellung ihrer offensichtlichen Ratlosigkeit in Bezug auf ihre Zielgruppen geht: "Du hast viele Seiten, welche lebst du heute?" fragt der finnische Marktführer per Plakat die unberechenbare Kundschaft. Der schwedisch-japanische Wettbewerber kontert mit Handys für "mein anderes ich".

Während man in den Marketingabteilungen also langsam einsieht, dass, wer in Zielgruppen denkt, die Kunden nie verstehen wird, ist die Berliner Sparkasse schon wieder weiter. Die Bank wirbt nämlich nun auf Plakaten mit einer Headline von stupender Logik: "In Berlin macht jeder seins, die meisten bei derselben Bank". Die meisten Kunden hat natürlich dieselbe Bank, wie sollte es – logisch betrachtet – auch anders sein?

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Universal Selling Proposition


Kommentar #1 von Peter:

Ich finde den Werbespruch bemerkenswert schlecht getextet. Oder bin ich der Einzige, der nach dem "In Berlin macht jeder seins" einen Reim erwartet? Etwa "und ich mach auch jetzt einfach meins." Oder "nur Günni, der zieht jetzt nach Mainz".

20.06.2007 | 11:34

Kommentar #2 von harry hirsch:

Als um Längen grässlicher empfand ich die parallel dazu laufende Kampagne selbigen Kreditinstitutes mit den Zielgruppen Fussballfans, Chirurgen und Pseudo-HipHoppern, an die sich das Bankpersonal durch Mimikry ranschmeisst. Hart an der Grenze zur totalen Debilmachung und für mich ein weiterer guter Grund jegliche Zusammenarbeit mit diesem Unternehmen endlich aufzukündigen.

20.06.2007 | 12:06

Kommentar #3 von Rainer Sommer:

Die Berliner Sparkasse ist schon toll. Hat ganz viele Filialen und Geldautomaten (fast) überall in der Stadt – sogar auf diversen Bahnhöfen. Und Lokalkolorit in Anzeigen der lokalen Sparkasse (das gross und deutlich sichtbare Schild "Schlesisches Tor") ist auch toll.
Und wo gibt es nun wirklich keinen einzigen direkt erreichbaren Geldautomaten der Sparkasse in Berlin? Genau. Am Schlesischen Tor. Damit wird auch klar, warum die Kunden der Sparkasse auf dem Foto alle auf die U-Bahn warten. Um zur nächsten Sparkasse zu fahren, nämlich.

20.06.2007 | 12:47

Kommentar #4 von Lars:

Das mag jetzt kleinlich sein, aber könnte man "die meisten" nicht auch im Sinne einer absoluten Mehrheit verstehen, also mehr als 50 Prozent? Oder gar im Sinne von "signifikant mehr als 50 Prozent"? Dann wäre es nicht tautologisch.

20.06.2007 | 13:44

Kommentar #5 von einem Lokalmatador:

Die Sparkasse kennt eben ihre Stadt.
Und die Tante mit dem Kinderwagen auf dem Bild hat das Teil auch selbst die Treppen raufgewuchtet (U-Bahnhof Schlesisches Tor: kein Aufzug).

20.06.2007 | 15:14

Kommentar #6 von einem Logiker und Besserwisser.:

"Die meisten Kunden hat natürlich dieselbe Bank, wie sollte es – logisch betrachtet – auch anders sein?"
müsste es dafür nicht heissen: In Berlin macht jeder UNSERER KUNDEN seins, die meisten bei derselben Bank.
so logisch ist das sonst gar nicht.
In Berlin macht JEDER EINWOHNER (UNGLEICH KUNDE...) seins (=SEIN DING),
die meisten DIESER EINWOHNER (DIE NICHT PER SE SCHON KUNDEN DER SPARKASSE SIND) MACHEN IHRES (DING) bei derselben Bank (NÄMLICH DER SPARKASSE). Aber nicht alle!

20.06.2007 | 20:57

Kommentar #7 von Heinz:

Lange vermutet, jetzt duch die Sparkasse bewiesen:
Der Raum der Menschen ist 6-dimensional und wird von den abgebildeten Stereotypen aufgespannt.
Danke, Sparkasse

20.06.2007 | 22:53

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