Riesenmaschine

24.10.2008 | 11:23 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Mobilität, quo vadis

Besserung ist in Sicht, denn die Visionäre von N55 haben soeben das Walking House erfunden (via Technovelgy). Eine hexagonisch geformte Wohnzelle mit sechs Beinen, die eine Fortbewegung in angenehm langsamem Tempo erlaubt. Aber dafür hat es viel Zeit, das Haus: Lässt man sich nur ein Jahr lang stetig herumlaufen, so hat man die Erde einmal umrundet; in nicht mal einem Jahrzehnt ist man bis zum Mond gelaufen – ohne ein einziges Mal vor die Tür gegangen zu sein. Und wer an dieser Stelle fragt, warum man nicht gleich Räder verwendet, der soll bitte noch mal angestrengt nachdenken. Räder, die Perversion des Sinnlosen, lachhaft.

Wir sind an einem kritischen Punkt angekommen. Einerseits erfordert das wirtschaftliche und gesellschaftliche Umfeld zunehmend ein extremes Mass an Mobilität – kaum noch jemand findet seine spezifischen Vorlieben für Job oder Sexualpartner an einem einzigen Ort befriedigt. Andererseits aber ist Mobilität immer noch dermassen unpraktisch, dass viele sich seufzend ins Kompromissdorf zurückziehen, irgendjemanden heiraten und nur noch mit dem Hund rausgehen. Das Grundproblem: Die Lebensqualität im Unterwegszustand ist unerträglich niedrig. (Wer das bestreitet, soll mal versuchen, auf Flughafensitzen zu schlafen, egal mit wem.)

Für diesen Beitrag wurde die klassische Riesenmaschinen-Struktur AB (Problemstellung – Lösung) kurzerhand umgedreht. Because we can!


Kommentar #1 von Lars:

Die beeindruckende Langsamkeit des Gebäudes erinnert mich an das beliebte Computerspiel Starcraft. Dort hat die Rasse "Terraner" (also wir) das Feature inne, besonders anpassungsfähig und mobil zu sein, was sich unter anderem darin äussert, dass alle ihre Gebäude vom Boden abheben und wegfliegen können, allerdings mit einer derart langsamen Geschwindigkeit, dass sie unterwegs selbst von der albernsten Einheit des Gegners mühelos zerstört werden können. Welch Metapher auf das Leben!

24.10.2008 | 11:29

Kommentar #2 von irgendwem:

Zumal das Haus aussieht wie der Torso eines Tie-Fighters. Wahnsinn!

24.10.2008 | 11:45

Kommentar #3 von Laika:

ich hab geschlafen, im manchester airport, ganze 6 h oder so, allerdings homo-faber-maessig von cia-lautsprechernachrichten an MICH PERSOENLICH albgetraeumt – spaeter ein glueck noch im traum MIT jemandem geschlafen.

24.10.2008 | 13:35

Kommentar #4 von B. Netza:

Die Bundesnetzagentur hat eine Festlegung zur Beschaffung von Verlustenergie getroffen. Darüber könnte man doch hier auch mal was lesen. Aber nee.

24.10.2008 | 14:12

Kommentar #5 von gnaddrig:

Haus auf Rädern gibt's doch schon, das konnten die nicht mehr erfinden. Also musste was anderes her. Schleimspurkriechen wie Schnecken wäre technisch vielleicht schwierig zu realisieren gewesen und wäre entlang der zurückbleibenden Schleimspur sicher auf wenig Gegenliebe gestossen. Ein sich wie eine Raupe fortbewegendes Haus wäre ebenfalls sehr aufwändig und bestimmt eher unbequem weil schaukelig gewesen (da könnte man sich auch eine Hütte auf einem Kamel bauen). Bleiben Beine. Ehwoala, das haben sie gebaut.

24.10.2008 | 21:32

Kommentar #6 von irgendwem:

Und zum Schlafen egal mit wem auf Flughafensitzen, da kommt es tatsächlich drauf an, mit wem. Mit meinem Teddy kann ich überall schlafen.

24.10.2008 | 21:33

Kommentar #7 von gnaddrig:

Und was ist, wenn das Haus wem auf die Füsse steigt? Ich könnte da nicht ruhig drin schlafen wenn ich immer damit rechnen müsste, dass mir irgendwer die Scheibe einschlägt, weil mein Haus beim Schlafwandeln ein Stück Strasse mit seinem Dackel beschichtet hat.

24.10.2008 | 21:37

Kommentar #8 von Kathrin:

Herumlaufendes Haus schön und gut, aber eigentlich wird das Ganze erst mit einem hinterherlaufenden Garten attraktiv. Bis dahin bleibt mein Portemonnaie in der Hosentasche.

25.10.2008 | 00:10

Kommentar #9 von Blumenizer:

jeder sollte eins kaufen und es unbewohnt in die Freiheit entlassen. Wann kann man sonst Häuser mal ganz Haus sein lassen?

25.10.2008 | 02:00

Kommentar #10 von Frau Grasdackel:

Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 60 m/h kann man die Erde in einem Jahr einmal umrunden? Ist die Erde kleiner geworden oder hat das Ding doch noch heimliche Räder?

25.10.2008 | 04:05

Kommentar #11 von Quaktischgut:

Passt auf alle Fälle prima ins von der Riesenmaschine fleissig propagierte Prokrastinationskonzept – kann man sich mal wieder nicht aufraffen zu Aldi zu gehen, bleibt man einfach liegen und wartet bis das Haus da ist. (Und weil der Laden dann inzwischen zu hat, kann man sogar noch ne Nacht drüber schlafen, egal mit wem.)

25.10.2008 | 08:45

Kommentar #12 von Hausfreund:

Toll! Ein leicht mulmiges Gefühl stellt sich bei mir lediglich bei der Assoziationskette "mit Toilette" – "entfernt sich von natural disasters" ein, bin schliesslich Fussgänger.

25.10.2008 | 08:51

Kommentar #13 von gnaddrig:

Der zur CO2-neutralen Beheizung vorgeschlagene Holzofen ist natürlich eine Feinstaubschleuder ersten Ranges. Ist das noch zeitgemäss?

25.10.2008 | 11:13

Kommentar #14 von nachgerechnet:

Stimmt Frau Grasdackel, unseren Berechnungen nach legt das Haus im Jahr 525,6 Kilometer zurück, wenn man von ununterbrochener Fortbewegung mit Höchstgeschwindigkeit ausgeht (wäre die Erde so klein, dass das zu einer Umrundung langt, würde ein Schritt des Häuschens sie schon aus der Umlaufbahn katapultieren).
Da aber davon auszugehen ist, dass die Steuerung gelegentliche Denkpausen braucht, etwa wenn das Haus wegen einer Wand nicht mehr vorwärtskommt, der Bewohner vielleicht doch gelegentlich wo anhalten und einkaufen will, dürfte die tatsächliche durchschnittliche Geschwindigkeit deutlich niedriger liegen. Pannen, Wartung und Pflege sind da noch gar nicht eingerechnet.
Völlig unberücktsichtigt bleibt in der bisherigen Diskussion auch, wie das Haus gesteuert wird. Eine Zulassung nach StVO braucht es bei der Höchstgeschwindigkeit wohl nicht, aber irgendwer muss ja auch das langsamste Fortbewegungsmittel steuern. Welcher Bewohner will das ständig tun? Oder anders gefragt, wer will schon die meiste Zeit in der Wildnis umherwohnen, wo niemand das tolle wandelnde Haus sieht?
Ich unterstelle mal, dass das Ding im Jahresdurchschnitt vielleicht 100 km schafft, höchstens. Das würde meine Waschmaschine auch schaffen, wenn ich sie nicht am Boden festgeschraubt hätte.

25.10.2008 | 11:22

Kommentar #15 von irgendwem:

darf ich das haus auch betrunken fahren, besser, laufen lassen?

25.10.2008 | 11:27

Kommentar #16 von irgendwem:

Darf das Haus Bundesstrassen benutzen, oder muss es auf den Gehweg?

25.10.2008 | 12:08

Kommentar #17 von torsten:

Beeindruckend – diese Langsamkeit! Ich fürchte allerdings, dass das Problem der Energieversorgung noch nicht geklärt ist. Und ausserdem sieht mir die Grösse der Behausung nicht gerade familienfreundlich aus.

25.10.2008 | 15:12

Kommentar #18 von gnaddrig:

Naja, Familien könnten das unter "Extensions" aufgeführte "Walking Collective" nutzen, da werden ein paar dieser Häuser zusammengestöpselt.

25.10.2008 | 20:56

Kommentar #19 von Maden:

#10 & #14: Wenn das Ding nur ca. 4,5 Km/h macht, schafft es eine Erdumrundung im Jahr (40.000km:356Tage:24Stunden), zumindest wenn es auch so schnell schwimmen kann. Fragt sich, wie es das anstellt (Brustschwimmen, Kraulen, Schmetterling?).

26.10.2008 | 02:51

Kommentar #20 von Daisy Cern:

Ist die weltmaschine.de eigentlich ein Ableger der Riesenmaschine?

26.10.2008 | 03:03

Kommentar #21 von gnaddrig:

#19, das ist wohl richtig, aber die Höchstgeschwindigkeit von dem Häuschen ist nunmal nicht 4,5 km/h sondern 60 m/h. Demzufolge wären für eine Erdumrundung mit Höchstgeschwindigkeit ca. 75 Jahre zu veranschlagen.
Die Meere muss das Häuschen dabei gar nicht überqueren, es läuft einfach am Meeresgrund lang. Das ist sicher auch am einfachsten und billigsten.

26.10.2008 | 06:23

Kommentar #22 von Hexaped:

...und verursacht auch nicht so eine hohe "Bug"welle, hihi.

26.10.2008 | 09:36

Kommentar #23 von Hinrich Heiteitei:

Moment, da steht nichts von "die Erde am Aequator umrunden". Denkt doch mal nach. Man kann die Erde naemlich auch in einer Sekunde umrunden, wenn man nur die richtige Stelle erwischt, habe ich mal gelesen.

26.10.2008 | 13:39

Kommentar #24 von gnaddrig:

#23, schon richtig, aber um von Dänemark aus an die richtige Stelle zu kommen muss man sicher auch noch ein paar Tausend Kilometer (bin jetzt zu faul, die genaue Zahl zu recherchieren, aber 4000 dürften da schon zusammenkommen) nach Norden. Das würde bei Höchstgeschwindigkeit immer noch gut siebeneinhalb Jahre dauern.

26.10.2008 | 14:59

Kommentar #25 von Heini Lewen:

Das hättense damals bei Neinilewen brauchen können, um um die ganzen Flugzeuge herumzuhüpfen. Typisch Wissenschaft, "wieder mal" Jahre zu spät (siehe auch: Dodoscheuche, Zeitmaschine etc.).

28.10.2008 | 08:15

Kommentar #26 von Chan TheJunction:

Hi,
fast hätte ich eines der vorgefertigten Meinungsangebote genommen, aber dann wäre ich nicht in der lage gewesen von unserem blog zu erzählen, der auch mal darüber geschrieben hat An dieser Stelle habe ich einen überflüssigen Smiley hingemacht, wofür ich mich dereinst schämen werde.
lg Chan von <a href:="http://www.thejunction.de">TheJunction</a>

31.10.2008 | 12:07

Kommentar #27 von irgendwem:

was für ein brillianter erster absatz! grossartiger artikel! glückwunsch!

31.10.2008 | 16:56

Kommentar #28 von Merzmensch:

Eine Frage: ist es eigentlich noch Immobilien?

16.11.2008 | 13:47

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