Riesenmaschine

23.11.2008 | 17:34 | Fakten und Figuren | Papierrascheln

Wissenschaftsfeuilleton und Notwendigkeit


Wenn Saul A. Kripke David Lewis wäre, hätte dieses niedliche Katzenbild wenigstens etwas mit ihm zu tun (tommyhj, Lizenz)
In den Säulenhallen der Philosophie ist die Aufregung gross, alle hibbeln mit den Beinen, kippeln mit den Stühlen und tuscheln: Der grosse, wenn nicht grösste Logiker und Sprachphilosoph Saul A. Kripke hat ein neues Paper veröffentlicht, das zweite in den letzten zwanzig Jahren.

Über Saul A. Kripke liessen sich nun die üblichen wissenschaftsfeuilletonistischen Anekdoten erzählen: hat im Alter von zwei Jahren die Grundlagen der Arithmetik bewiesen, war mit drei Jahren der erste Princeton-Professor, der noch Windeln trug, usw. usf. Aber wen interessiert schon Wissenschaftsfeuilleton, wenn er das neue Kripke-Paper lesen kann?

Unter dem bescheidenen Titel "Frege's Theory of Sense and Reference: Some Exegetical Notes" wird dort die Frage behandelt, wie die Hierarchie indirekter Sinne, doppelt-indirekter Sinne und mehr als doppelt-indirekter Sinne bei Frege zu verstehen ist. Kripke macht einige hellsichtige Bemerkungen dazu, dass Referenz ... also ... Referenz impliziert, dass ein Sinn gegeben ist, der ... äh. Nun ja, so genau können wir das jetzt auch nicht erklären und selbst wenn, würde es ja eh wieder keiner verstehen. Aber wussten Sie, dass Kripke gläubiger Jude ist? Nicht? Spannend, oder?


Kommentar #1 von Frau Grasdackel:

Und Wittgenstein war trotz jüdischer Grosseltern katholisch und -der Spannungsbogen steigt- auch noch homosexuell.

24.11.2008 | 03:32

Kommentar #2 von Inspector:

Solches Papier gibt es nur auf Papier.
Siehe auch:
"Solche Berge gibt es nur in den Bergen." (Gunther Emmerlich in "Zauberhafte Heimat", ARD)

24.11.2008 | 10:52

Kommentar #3 von Araukarier:

Hmm, und ich bin unglaeubiger Protestant, habe schon deutlich mehr als 2 paper veroeffentlicht, darunter viele mit eher unbescheidenen Titeln (unter wiederholter Verwendung des Wortes "novel) – Wo bleibt der Riesenmaschinen-Beitrag ueber mich ?

24.11.2008 | 11:02

Kommentar #4 von Humanist:

Das Problem von der realen auf eine rein diskursive Ebene zu verschieben ist ein so billiges wie amüsantes Witzchen, mehr nicht.

24.11.2008 | 12:09

Kommentar #5 von RKS:

Nach der Maxime: sapere aude wolte ich eben ganz impulsiv und ungeschützt etwas zum ehrwürdigen Saul Kripke sagen, aber: Nachdem ich den für mich vollkommenen überraschenden zweiten Punkt der vorgefertigten Kommentare gelesen habe, ist meine Riesenmaschinenfrustration hyperbolisch – gegen Unendlich tendierend – im aufgedrängten Schweigen untergegangen. (Das Bild ist schief, ich sehe es; aber gegen die Saugkraft dieser riesigen Fernsteuerungskraft komme ich gedanklich nicht mehr an). Ich gebe es auf, diesen Orts mit Euch zu diskutieren. Solche Überironie ist nicht einmal mehr Postmodern.

24.11.2008 | 13:32

Kommentar #6 von Uberego:

hier lernt man ja noch was ich wusste doch dass das Internet für irgendwas gut sein musste

24.11.2008 | 13:52

Kommentar #7 von Template-Ritter:

Ich weiss gar nicht, was alle immer haben. Wenn man ins Archiv sieht, merkt man, dass die Riesenmaschine früher gar nicht viel besser, sondern im Gegenteil schlechter war. Bitte so weitermachen!

24.11.2008 | 17:24

Kommentar #8 von Dmitri:

Bis einer heult!

24.11.2008 | 22:53

Kommentar #9 von M:

Vielleicht sollte man RKS (übrigens schön mal wieder von ihm zu lesen) darauf hinweisen, dass die vorgeschlagenen vorgefertigten Meinungsangebote ständig wechseln – der Kommentar hat also für andere Leser weniger Aussagekraft, als dem Autor vielleicht bewusst war.

25.11.2008 | 19:52

Kommentar #10 von irgendwem:

Bloggen und kommentieren für den Tag X. So schnell ist die Zeit, dass ich schon jetzt vier Pfosten durch rote Samtschnüre verbunden um den Kommentarteil der RM stellen möchte. Hier laufen doch auch nur Wiederholungen wie auf Kabel 1. Übrigens: Hat jemand gestern "Die Glücksritter" gesehen? Fabelhaft! Jedenfalls immer einen Museumsbesuch wert.

26.11.2008 | 14:55

Kommentar #11 von irgendwem:

Ich gucke im Museum am liebsten aus dem Fenster. Sie auch?
Und mich würde auch brennend interessieren, durch welchen vorgefertigten Kommentar sich RKS so brüskiert gefühlt hat!

26.11.2008 | 16:40

Kommentar #12 von irgendwem:

Bah diese schlimmen Logiker, wenn ich könnte würde ich das Fach abwählen. Für mich sind das grösstenteils Hobbyphilosophen die mit nichts neuem auffwarten können...
lg Chan von TheJunction(.de)

26.11.2008 | 20:14

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