Riesenmaschine

30.11.2008 | 04:50 | Alles wird besser | Sachen kaufen | Papierrascheln | In eigener Sache

Riesenmisthaufen Riesenmaschine


Titel einscannen, damit man auch was erkennen kann? Zu mühsam, das winzige Amazon-Vorschaubild tut's doch auch.
Man kann an der Riesenmaschine vieles kritisieren: Überstrapazur sinnloser Mouseoverscherze, selbstgerechter Umgang mit Kommentatoren bis hin zum eigenmächtigen Umschreiben von Kommentaren, selbstreferenzielle Selbstreferenzialität, Vernachlässigung von Weltverbesserungsreportagen zugunsten von Werbung und albernem Tand, die groteske Recherche- und Schreibfaulheit aller Autoren, hier noch mehr Beispiele hin. Aber am unverzeihlichsten ist, dass die Riesenmaschine nur sehr wenige Texte von Lars Weisbrod enthält.

Natürlich hat ein gesunder junger Mensch Besseres zu tun, als für 3,50 pro Beitrag in den von Narrenhand programmierten, ungeheizten Hinterzimmern der Riesenmaschine wochenlang abzuwarten, bis die Redaktion sich basisdemokratisch über die Freischaltbarkeit eines Beitrags verständigt hat (nach Einbau abgestandener Nagetierscherze). Zum Beispiel Bücher schreiben. "Oh, wie schön ist Parkhaus 4" ist bereits Weisbrods zweites Buch, es enthält zweiunddreissig Reisereportagen aus Baumärkten, Aufzügen und Waschanlagen sowie ein Vorwort und keinen einzigen Nagetierscherz. Darin stehen so lustige Dinge wie: "Dass der Baumarkt ein Ort des Schöpferischen ist, mag wie die hinterletzte kulturwissenschaftliche Feuilletonthese klingen, aber man weiss ja: Was wie die hinterletzte kulturwissenschaftliche Feuilletonthese klingt, muss deshalb noch lange nicht falsch sein (auch wenn es meistens falsch ist)." Es handelt sich also um eine Art bessere Riesenmaschine in Buchform. Die schon vor mehreren Monaten erschienen ist. Nee, schon klar, dass sich bisher niemand zu einer Rezension aufraffen konnte.


Kommentar #1 von irgendwem:

Göttinnengleiche Frau Passig! Ich bin so froh, mal wieder etwas von Ihnen zu lesen, dass ich die fehlende gedankliche Tiefe der Rezension gern verzeihe.

30.11.2008 | 13:48

Kommentar #2 von irgendeinem anderen fan:

Allerverehrteste Frau Passig! Wie habe ich mich gefreut, hier endlich mal wieder etwas von Ihnen zu lesen, da kann man über das ein oder andere Mouseover ruhig mal hinwegscrollen.

30.11.2008 | 21:36

Kommentar #3 von clay:

habe es bei mehreren deutschen onlinebuchverkäufern bestellt um das schnellsteintreffende exemplar für mich zu haben und alle anderen zu verschenken. it's that time of year again!

30.11.2008 | 23:29

Kommentar #4 von jke:

War der LW nicht irgendwann einmal Praktikant bei Neon?

01.12.2008 | 00:06

Kommentar #5 von sorry, vertipt:

Nun, zumindest Seite 12. Engagiert rezensiert bzw. eingeschnappt. Aber ein Buch ohne Schagetiernerz? Ist nicht gerade Parkhaus 4 für seine Biberplage berüchtigt?

01.12.2008 | 10:25

Kommentar #6 von irgendwem:

Ist Aleks Scholz jetzt endgültig aus der Maschine ausgestiegen?

01.12.2008 | 12:52

Kommentar #7 von Sabine Nicole:

Gleich bestellt.
Schön, nebenbei zu lesen, dass auch die bessere Riesenmaschine über eine breitgefächert interessierte Leserschaft verfügt – vom Leitfaden, wie Schriftsteller zu werden, über Übergewicht und dessen Seelische Ursachen bis hin zum Wundertagebuch – alles mögliche aus dem brandneuen Universum wird mitbestellt.

01.12.2008 | 20:45

Kommentar #8 von amze:

strapazur ist auch nur eine handtasche. aber nicht irgendeine.

01.12.2008 | 22:21

Kommentar #9 von irgendwem:

Mutig stösst ein junger Mann die Tür auf, die aus der Schülerzeitungsredaktion in die Welt führt, und beschreibt, was er da so sieht. Im Gepäck ist sein geliebtes "Deutsches Sprachbuch für das Mädchen-Lyzeum".
Wie für sein Alter üblich, ist alles von ihm Gesehene überhaupt zum ersten Mal gesehen. Und beschrieben. In Dreiwortsätzen nämlich, seitenlang. Da kann man sich dann auch mal zum Thema Konsum äussern. Muss man schon fast. Oder über die vielen Wörter im Baumarkt.
Wichtig: Die goldenen Regeln aus dem GK Deutsch nicht vergessen!
Gab es da, wo Lars geboren wurde, eine Treppe am Bahnhof?
Klar, sogar mehr als das! "Der Hintereingang des Bahnhofs meiner Heimatstadt verfügt über eine Treppe ..." Hilfsverben machen gelbe Finger.
Aber jetzt mal zum Thema Spielautomat in der Raststätte. Wie lässt sich denn so ein Spielautomat mal beschreiben? Klar: Er blinkt! Und zwar aufdringlich und bunt.
Und wie ist das sonst so in der Raststätte? Ist es hell? "Ein paar schummrige Lampen spenden Licht."
Was macht Lars jetzt? Liest er was? Mehr als das! Er hält einen Roman in den Händen. Denn dafür ist man ja schon ein Twen.
Wenn sich Menschen "zu Hause am wohlsten" fühlen, dann dürfen Sie in der nächsten Zeile aus synonymtechnischen Gründen nur noch "in den eigenen vier Wänden sein". Wenn in Zeile 8 der Regen fällt, dann muss er sich in Zeile 9 natürlich als Niederschlag bezeichnen lassen, das kalte Nass. Vorsicht bei diesem Wetter, da sitzt eine "gebrechliche alte Frau im Rollstuhl". ... die Frau im Rollstuhl, Dame im Rollstuhl, alte Frau im Rollstuhl, ältere Dame (nickt erfreut)
Wertvoller Take-Home-Point: Vierzigjährige haben Ledersofas und trinken Wein aus Weingläsern. Machen aber nicht irgendwas mit Medien, sondern mit Investments.
Ausserdem nicht verpassen: Auf Seite 32 wird das Thema "Minibar im Hotel" mit ganz anderen Augen gesehen.
"Ich trinke einen Schluck Eistee."
Da wurde mir dann doch übel. Riecht sehr nach dem Fussschweiss in der Umkleide vor der grossen Aula. Nicht schmackhaft.
Ich glaube fast, ich bringe das Buch der "niedlichen Auszubildenden" in der Buchhandlung zurück.

04.12.2008 | 08:11

Kommentar #10 von irgendwem:

Addendum zu Nr. 9:
Die ganze Schreiberei hätte ich mir sparen können, denn die 4-Sterne-Rezension von "Aquarienfisch" sagt es viel treffender:
(Mitsamt dem Grinsgesicht, das jetzt gleich automatisch bemängelt werden wird)
Bekam das Buch eines Tages von einer Freundin in die Hand gedrückt. Da, das gefällt dir bestimmt. Und sie hatte recht An dieser Stelle habe ich einen überflüssigen Smiley hingemacht, wofür ich mich dereinst schämen werde.
Ja, ich weiss.

04.12.2008 | 08:22

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