Riesenmaschine

12.03.2010 | 19:27 | Zeichen und Wunder

Überschrift mit billigem Wortspiel


Abb. ähnlich (Quelle)
Man fragt sich manchmal, was einen Riesenmaschinenbeitrag von einem x-beliebigen Blindtext unterscheidet. Die Antwort ist vermutlich trivial, unterbleibt hier aber zunächst zugunsten der Erwähnung einer grossangelegten wissenschaftlichen Theorie, deren Relevanz für das Thema leichthin behauptet wird. Jedenfalls wird weitschweifig die Plattentektonik und der Hase Gottes mit einer hanebüchenen Interpretation des Urknalls in Verbindung gebracht, und zwar unter Zuhilfenahme der üblichen Tools der Branche (krude Logik, Wischiwaschi, metaphorisches Aufstampfen). Soziokulturelle Implikationen des Ganzen wurden von Holm Friebe notdürftig eingepflegt. Die fürs Verständnis wesentlichen Links zum eigentlichen Thema des Beitrags verbergen sich hinter einem Satz, der von etwas ganz anderem handelt. Dieser jetzt schon haltlose Scheiss wird natürlich zusätzlich untergraben mit Hilfe eines Stahlgewitters aus billigem Scherzgut, es kommt einem manchmal so vor, als hätte jedes Wort eine rote Nase. Der Beitrag endet mit noch einer total überraschenden Wendung, irgendwas Selbstreferentielles zum Beispiel.


Kommentar #1 von erstem Kommentator:

Begeistert, mit leicht ironischem Augenzwinkern, zustimmend, in der aussichtslosen Hoffnung durch diese alberne Anbiederei von seinen Idolen und Cokommmentatoren nicht länger verlacht zu werden, tragisch an hilfloser Wortwahl und ennervierender Bandwurmsatzbildung scheiternd.

12.03.2010 | 19:54

Kommentar #2 von ihr wisst schon wem:

irgendwo zwischen verdutzt und empört, weil, das ist doch alles nur, weil ich vor 3 Tagen ihrwisstschonwo ihrwisstschonwas verlinkt habe

13.03.2010 | 01:51

Kommentar #3 von noch ein Name:

Kurze Wortmeldung, in der Kommentar 2 widersprochen wird, unter Verweis auf Emergenzeffekte und Crowd Engineering.

13.03.2010 | 02:00

Kommentar #4 von Kein Kommentar:

Ich kann dem weder zustimmen noch es ablehnen. Und das heimliche Thema dieses aufbrillantinierten Artikels, dem die Unmengen an wohlig warmer, ja heisser Luft in die Enge sechser Sätze gepresst eine schier unglaubliche Brisanz verleihen, geht mir aller Gravitation zum Trotz am wie auch immer gearteten Sitzfleisch vorbei. Aber – und zwar grosses Aber – die unterschätzten virtuellen sozialen Zwänge, unsichtbare und beinahe hinterhältige Fangfäden, die das Web 2.0 gestrickt (oder gehäkelt) hat, entreissen mir genau an dieser Stelle – mit Gewalt! – meinen eigenen roten oder rotartigen (so genau kann man das in der Düsternis der Blogosphäre nicht erkennen) Faden, und ich weiss nicht mehr, worauf ich hinaus wollte.
Das müsst Ihr euch schon mal sagen lassen.

13.03.2010 | 08:54

Kommentar #5 von Fast vergessen:

Ach ja: Auch die Kommentatoren, die wie Fliegen um den riesigen, rostigen Fast-Kadaver dieser einst so grossen, jetzt aber offensichtlich sterbenden Maschine schwirren und sich – so sie's noch nicht getan haben – über kurz oder lang in den dran klebenden Weben verfangen und sozial, intellektuell und virtuell verhungern werden, so sehr sie auch Ihre Rüssel strecken – Hier werden sie keine Bröckchen mehr vom Tisch des Fortschritts finden (oder jedenfalls nur noch ganz selten ganz kleine), weil der Fortschritt eben nicht mehr fette Stahlträger krachend zerkaut, erdölige Chemiecocktails schlürft und DNA zerbröselt und durch die Nase zieht, sondern längst am Tropf des DSL-Kabels zwangsernährt wird, und doch am Verenden ist, weil Thromben á la Facebook, Google Dings und IPTV seine Lebensadern zu verstopfen drohen, so wie's der Riesnmaschine ergangen sein muss. –, sollten mal drüber nachdenken und sich das hinter die Antennen schreiben, um mal im Bild zu bleiben.

13.03.2010 | 09:36

Kommentar #6 von Einwort zur Güte:

Wie wäre es, Kommentare auf 160 Zeichen zu begrenzen und Meinungsäusserungen von grösserer Länge automatisch als eigenständige, selbst wieder kommentierbare, Artikel zu veröffentlichen. Diese Artikel könnten dann vielleicht 24 Stunden oder so als "hot or not" gevotet werden, bevor sie wieder gelöscht werden. Hülfe Platz sparen und es wäre auch wieder ein bisschen mehr los hier.

13.03.2010 | 11:02

Kommentar #7 von Till:

Es folgen in diesem Kommentar mehrere längliche und durchaus auch mit Wiederholungen – und Einschüben – durchsetzte, ja regelrecht durchmischte Bemerkungen, die marginal etwas mit dem Text oben zu tun haben. Wichtig ist jedenfalls, dass doch der Ausbreitung von Gedanken ein – gewisser – Raum zukommt. Dabei wird auch rege von Zitaten Gebrauch gemacht:
"Man fragt sich manchmal, was einen Riesenmaschinenbeitrag von einem x-beliebigen Blindtext unterscheidet."
Abschliessend wird der eigentliche dissonante Kern relativiert. Der Kommentar schliesst mit einer augenzwinkernd-versöhnlichen Note.

13.03.2010 | 22:26

Kommentar #8 von ß-Scherge:

Das ist ja ein fieser Trick, dass sich bei euch, wenn man auf Abschicken klickt, ein ss in ein ss verwandelt. Damit habt Ihr das ss getötet!

14.03.2010 | 04:48

Kommentar #9 von b onclick=\\\\\\\\:

Das ist doch von Krautchan geklaut.

14.03.2010 | 04:50

Kommentar #10 von Dr. Bierkrug:

Original hier: http://www.zefrank.com/zesblog/archives/2010/03/academy_award_w.html#more

14.03.2010 | 09:36

Kommentar #11 von Loriot:

DIE BUNDESTAGSREDE – LORIOT
MODERATOR
Guten Abend, meine Damen und Herren, seit kurzem hat sich die Szene in Bonn verändert. Der zur Zeit parteilose Abgeordnete Werner Bornheim hielt eine Rede, die für einen neuen politischen Stil richtungweisend sein könnte. Werner Bornheim gehörte in der Weimarer Republik der Deutschen Volkspartei an, wurde nach dem Kriege Mitglied der L.A.P., wechselte 1952 aus Gewissensgründen zur CDU und stiess 1957 zur FDP 1961 legte er jedoch sein Mandat nieder und wurde Landtagsabgeordneter der SPD. 1964 überwarf er sich mit dieser Partei und zog als CSU- Abgeordneter in den Bundestag ein. Danach war er noch je zweimal Abgeordneter der SPD und der CDU, bevor er aus Gewissensgründen vorerst die Parteilosigkeit wählte. Die Rede, die Werner Bornheim am vergangenen Montag im Bundestag hielt, stellt durch ihre Unbestechlichkeit und ihre politische Linie, so meine ich, alles in den Schatten, was man an Äusserungen von seiten der Regierung gehört hat.
WERNER BORNHEIM
Meine Damen und Herren, Politik bedeutet, und davon sollte man ausgehen, das ist doch – ohne darumherumzureden – in Anbetracht der Situation, in der wir uns befinden. Ich kann meinen politischen Standpunkt in wenige Worte zusammenfassen: Erstens das Selbstverständnis unter der Voraussetzung, zweitens und das ist es, was wir unseren Wählern schuldig sind, drittens, die konzentrierte Beinhaltung als Kernstück eines zukunftsweisenden Parteiprogramms.
Wer hat denn, und das muss vor diesem hohen Hause einmal unmissverständlich ausgesprochen werden. Auch die wirtschaftliche Entwicklung hat sich in keiner Weise ... Das kann auch von meinen Gegnern nicht bestritten werden, ohne zu verkennen, dass in Brüssel, in London die Absicht herrscht, die Regierung der Bundesrepublik habe da – und, meine Damen und Herren ...warum auch nicht? Aber wo haben wir denn letzten Endes, ohne die Lage unnötig zuzuspitzen? Da, meine Damen und Herren, liegt doch das Hauptproblem. – Bitte denken Sie doch einmal an die Altersversorgung. Wer war es denn, der seit 15 Jahren, und wir wollen einmal davon absehen, dass niemand behaupten kann, als hätte sich damals – so geht es doch nun wirklich nicht!
Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass die Fragen des Umweltschutzes, und ich bleibe dabei, wo kämen wir sonst hin, wo bleibe unsere Glaubwürdigkeit? Eins steht doch fest und darüber gibt es keinen Zweifel. Wer das vergisst, hat den Auftrag des Wählers nicht verstanden. Die Lohn- und Preispolitik geht von der Voraussetzung aus, dass die mittelfristige Finanzplanung und im Bereich der Steuerreform ist das schon immer von ausschlaggebender Bedeutung gewesen ....
Meine Damen und Herren, wir wollen nicht vergessen, draussen im Lande und damit möchte ich schliessen. Hier und heute stellen sich die Fragen, und ich glaube, Sie stimmen mit mir überein, wenn ich sage...Letzten Endes, wer wollte das bestreiten! Ich danke Ihnen .....

15.03.2010 | 00:20

Kommentar #12 von irgendwem:

Witzig sein wollen != witzig sein.

15.03.2010 | 09:57

Kommentar #13 von nochirgendwem:

Nichtwitzigsein != Witzigseinwollen

15.03.2010 | 14:02

Kommentar #14 von jemand ganz bestimmtem:

witzig sein != witzig sein != witzig sein

16.03.2010 | 14:03

Kommentar #15 von irgendwem:

Die Kommentatoren der Riesenmaschine waren früher auch mal besser (als sie noch nicht so kommerziell waren).

16.03.2010 | 14:45

Kommentar #16 von Bounty:

Ich habe schon Riesenmaschine gelesen, bevor es sie überhaupt gab.

17.03.2010 | 10:33

Kommentar #17 von 17:

Das Problem von der realen auf eine rein diskursive Ebene zu verschieben ist ein so billiges wie amüsantes Witzchen, mehr nicht.

17.03.2010 | 13:14

Kommentar #18 von 19:

Die Riesenmaschine hat nicht nur das scharfe s bei sich abgeschafft, etliche andere Artikulationsformen erliegen einer gnadenlosen zensiert und die liebevoll-menschlich gestalteten Kommentare verflüchtigen sich ins Niedagewesene. Will sich die Riesenmaschine, zumindest partiell, konformgehende Kommentatoren erziehen?

17.03.2010 | 13:17

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