Riesenmaschine

11.11.2005 | 14:09 | Listen | Vermutungen über die Welt

Von Crunk bis Turntablism


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Nein, diese Dee-Jays! Stehen stumm und mösenbärtig hinter ihren Technics-Ungetümen und mixen bald dies, bald jenes ineinander. Von Progressive Hop über Nu Soul bis hin zu Speed Garage und dann – zack! – gleich wieder zurück zu Dirty South und Ghetto Tech. Wer jetzt nur Rautatieasema (finn.: Bahnhof) versteht, ist nicht allein. Kein Wunder, dass kein Schwein mehr die Nomenklatur diversester Musikstyles versteht, die Zeiten in denen es "beide" Musikstile (Country UND Western) gab, sind seit Ewigkeiten vorbei. Wer auf der Höhe der Zeit sein möchte, studiere bitte Ishkur's Guide to Electronic Music. Es ist dies ein kleines, böses Flash-Monstrum, das jede Subsubsubsubgruppe elektronischer Musik anhand von drei bis zehn Songbeispielen illustriert und zusätzlich die Verästelungen und Verbindungen zwischen jenen Subsubsubsubgruppen aufzeigt. Das Ding ist reichlich kundig aufgestellt, kennt im Bereich Goth sogar die inzwischen leider völlig vergessene Band "Danse Society". Alles in allem eine beeindruckend hässlich und doch gut zu bedienende und geradezu enzykloplädisch wertvolle Website. Ganz old school (Mund zu Ohr) empfohlen von Holger Schulze.


11.11.2005 | 12:20 | Anderswo | Was fehlt

Amerika von oben


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"Window Seat" von Gregory Dicum erklärt anhand von Satellitenfotos die Landschaft Nordamerikas, die man theoretisch vom Flugzeug aus sehen könnte, wenn man einen Fensterplatz hätte, schönes Wetter herrschte und es draussen nicht dunkel wäre. Kleinliche Amazon-Rezensenten bemängeln, dass Satellitenfotos ja wohl nicht aus Flugzeughöhe aufgenommen werden, aber wir haben ein ganz anderes Geflügel, wenn schon nicht mit Gregory Dicum, so doch mit der deutschen Verlagslandschaft zu enthaaren: Warum wurde diese Buchidee seit Erscheinen des Buchs Anfang 2004 nicht schon längst schamlos geklaut als Inspirationsquelle für ein ganz anderes, eigenständiges Buchkonzept zum Thema "Europa von oben" genutzt? Und das in Zeiten, wo man sich überlegen muss, ob man zu Fuss zum Supermarkt an der Ecke geht oder doch lieber fliegt, weil das billiger ist? Müssen wir denn alles selber machen?


10.11.2005 | 23:18 | Anderswo

Umlaut-a-thon


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Normalerweise lassen wir uns ja keine Charity-Veranstaltung entgehen; wir klettern für Pandabären auf den CN Tower, wandern für Amyotrophe Lateralsklerose, ziehen uns für die Krebsforschung aus, laufen rückwärts gegen Brustkrebs oder denken uns was ganz anderes Bescheuertes aus. Es gibt einfach sonst kaum Events, die soviel Freundlichkeit und Gemeinsinn ausstrahlen, dass man fast kostenlos den Welthass in neue, bizarre, nie für möglich gehaltene Bahnen lenken kann. Plötzlich hasst man auch Behinderte und kleine niedliche Felltiere, bestimmt irgendein wichtiges soziologisches Phänomen, das für die Weiterentwicklung der Menschheit von grosser Bedeutung ist. Aber gestern ist uns dann doch eine neue Dimension in der Charity-Saga entgangen, denn im Boat-Club in Toronto wurde, um Geld für das Rote Kreuz zu sammeln, sechs Stunden lang "Ace of Spades" von Motörhead gespielt, ohne Pause, keine Coverversionen, 768mal "Ace of Spades" in Folge. Wir vermuten, dass man hinterher zum erbitterten Heavy-Metal-Kritiker wird, vielleicht wird man endlich mal die alten Black-Sabbath-Platten rückwärts abspielen, und "Headless Cross" für das halten, was es ist, nämlich ein zutiefst unchristliches, seelenfeindliches Werk, aber belegen können wir das leider nicht.


10.11.2005 | 16:38 | Alles wird besser | Sachen kaufen

Mietsachen


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Es sollte viel mehr Dinge zum Mieten geben. Das gilt sowohl für Gegenstände, die man so selten braucht, dass sich ein Kauf wirklich nicht lohnt (Kochtopf, Spiegel, zweiter Stuhl) als auch für Sachen, die man sich unter normalen Umständen allenfalls im Traum zulegen würde, zum Beispiel Hubschrauber, Panzerfaust oder einen echten Hauselch. Aus Prinzip sollte man aber auch Dinge mieten können, die man eigentlich nie braucht, zum Beispiel ein Dorf. Und weil zumindest das Letztgenannte seltsamerweise schon funktioniert, aber noch viel zu wenig populär ist, weisen wir hiermit einigermassen begeistert auf Rent-a-Village hin, das nicht nur Mondsee, Trittenheim und Pertisau, somit Dörfer in zwei verschiedenen Ländern vermietet, sondern auch schon den nächsten Schritt vollzogen hat und ein komplettes Land anbietet. Ok, es handelt sich nur um Liechtenstein (siehe Bild), aber dafür kostet es auch nur eine Viertelmillion (pro Tag natürlich). Man würde annehmen, dass man sich mit einem so hervorragenden Schachzug vor Kunden nicht retten kann, aber erst 2006 wird Liechtenstein das erste Mal komplett vermietet werden (übrigens anlässlich der 750-Jahr-Feier der Riesenmaschine, was aber niemand wissen darf). Als nächstes würden wir gern die Bahamas mieten (schön warm da), dann vielleicht Litauen oder das Mekong-Delta, die Internationale Raumstation, Area 51, das Great Barrier Reef, oder halt einfach einen Flugzeugträger im Persischen Golf. Übrigens: Wir vermieten neuerdings die komplette Riesenmaschine; 400 Dollar pro Person und Tag, mindestens 150 Personen, halber Preis für Kinder und Informatikstudenten.


10.11.2005 | 13:09 | Anderswo

Zu Besuch beim Geschreiadler

Für Menschen, die statt Kirchen oder Landschaften lieber schöne Wörter besichtigen, kann es derzeit kaum ein besseres Urlaubsland geben als Tschechien. Immerhin leben im Riesengebirge der Geschreiadler und 120 aderige Pflanzen, das Wetter ist nur selten bewölklich, alle Zimmer haben perfekte Sozialausstattung, eigenen Sanitärhintergrund oder doch wenigstens Zusammensanitäreinrichtung und im "Gasthof zum gebackenen Entlein" wartet auf den Gast vor dem Essen ein Tontopf voll mit der Gebrodelsuppe. Auch kann man die Erfrischung haben, z.B. im interessanten gesamthölzernen Objekt des Waldcaffes. Die Preiswürdigkeit können Sie in dem Hoteltresor verstecken. Und mit all dem zögert man besser nicht zu lange, denn die unberührte Schönheit der tschechischen Wörter wird vermutlich durch die Gestaltung der Konzeption des Fremdenverkehrs zügig dem Deutschen gleichgemacht.


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"Crawl", Paul China (2011)

Plus: 22, 37, 55, 80, 119, 135, 141, 151
Minus: 43, 61, 118, 191, 205
Gesamt: 3 Punkte


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