Riesenmaschine

05.02.2007 | 00:23 | Anderswo | Sachen anziehen

Des Letzten Hemd


Das, naja: ein Hemd des Ersten aus dem letzten Jahr
(Foto: pleeker / Lizenz)
Dass sich Müll studieren lässt, ist zum einen akademische Realität, zum anderen seit geraumer Zeit ein Erkenntnisversprechen der Moderne. Im Wegwerfen, so sagt das zumindest Erika Porath, drückt sich unser "paranoischer Zwang aus, durch souveräne Abfallverfügung und Müllloswerden sich seiner selbst als nicht-verworfener Teil innezuwerden. Je hemmungsloser die Müllproduktion läuft, desto mehr Gelegenheiten, sich als Souverän vom Müll abzusondern, indem man ihn beseitigt."

Eine identitätstechnisch ausgesprochen gespenstische Fuhre Müll verlässt jedes Jahr nach dem Endspiel um den Super Bowl ein Lagerhaus in Pittsburgh. Bei Spielende stehen Vertreter der Firma Reebok mit 288 Kappen und T-Shirts bereit, auf denen das siegreiche Team als Champion ausgewiesen wird und die zu Werbezwecken sofort der Mannschaft und dem gesamten Stab übergestülpt werden. Die nutzlose Siegerausrüstung für die unterlegene Mannschaft muss auf Anordnung der NFL sofort am nächsten Morgen das Land Richtung Afrika verlassen, um in entlegenen Dörfern an Bedürftige ausgeteilt zu werden. "This way, the N.F.L. can help one of its charities and avoid traumatizing one of its teams" schreibt die New York Times. Pech nur, wenn man als nicht-verworfenes Subjekt dann Sendungen über Arme in der Dritten Welt schaut, und dabei dem Gespenst eines Siegers begegnet, der man nie war.


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"Der rote Kakadu", Dominik Graf (2006)

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