Riesenmaschine

19.04.2010 | 16:48 | Zeichen und Wunder

Lieben nach Zahlen


Am Schnittpunkt von Gefühl hoch Herz und Anstrengung hoch Herz liegt das sentimentale Gleichgewicht.
Der menschliche Geist ist schon ein tolles Gerät. Schüttelt man ihn, fallen aus ihm Goldbach-Konjekturen, Goldberg-Variationen, und Goldstein-Schwartz-Rohre heraus, wie Geschenke aus dem Sack eines Weihnachtsmannes, der nicht ganz dicht ist. Ein funkelndes Juwel funkelnder Originalität ist unser Kopf. Und was tun wir damit? Wir sexen rum, den lieben langen Tag.

Zugegeben, auch das Rumsexen kann unterhaltsam sein, aber überwiegend sind all die Verirrungen und Verwirrungen, die das Geschlechtliche in die Welt trägt, von minderer Ästhetik und wenig produktiv. Das ist insofern erstaunlich, als die evolutionäre Psychologie uns unterjubeln will, dass wir all die tollen Sachen nur können, um beim Rumsexen abzuräumen – aber dass es in einer regelhaften Welt Widersprüchlichkeiten gibt, ist ja nun kein Widerspruch.

Und ohnehin gibts seit Mittwoch eine Synthese, eine Vermählung abstrakter Schönheit mit den Niederungen irdischer Liebe, eine chymische Hochzeit der Mathematik mit dem Gefühl zu vermelden: Im wundersamen Artikel "A Mathematical Model of Sentimental Dynamics Accounting for Marital Dissolution" nämlich, und seinen tausendschönen Abbildungen. Darin geht es um den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik der Ehe, um die globalen Differentialgleichungen der Sentimentaldynamik und einen ersten Ansatz zur Scheidungsmechanik. Scheidungs-Lagrangefunktionen und die Quantentheorie der menschlichen Bindungsorbitale stehen vor der Tür! Ein tolles Gerät, dieser Geist.


08.04.2010 | 23:07 | Anderswo | Supertiere | Effekte und Syndrome

Sushiwinde


Japanische Därme stellt man sich anders vor.
Viel wurde schon geforscht über die Unterschiede zwischen den Nationen. Wo die eine Nation aufhört und die nächste beginnt, oder wer in ihnen leben dürfe, waren in vergangenen Jahrhunderten wichtige Themen zahlreicher internationaler Kongresse. Auch Humorneigung der Bewohner, örtliche Toxoplasmose-Durchseuchung, sowie durchschnittliche Längen sämtlicher messbarer Körperteile wurden längst sorgfältig protokolliert. Vor diesem Hintergrund ist erstaunlich, dass erst zu dieser späten Stunde Licht auf den grossen weissen Fleck der internationalen Differenzenforschung fällt, oder vielmehr auf den grossen braunen Fleck, auf den Dünndarm der Völker.

In ihm leben bekanntlich Bakterien in solcherner Anzahl, dass das Gerücht die Runde macht, es seien mehr Bakterien als Körperzellen im Menschen drin, bislang ein verstörender Gedanke, wenn man gerne verstört ist, aber wie die robusteren Naturen wissen, sind diese Bakterien unsere Freunde. Wir füttern sie mit probiotischem Joghurt und sie erzeugen Darmwind – Symbiose nennt's die Biologie. Ein praktisches Nebenprodukt der Darmwindproduktion ist die Verdauung von für den Menschen sonst unverdaulichen Substanzen, von Eternit vielleicht, oder Lakritz oder tausendjährigen Eiern.

Oder zum Beispiel von Sushi. Japanische Dünndärme, das haben Forscher jetzt herausgefunden, enthalten Bakterien mit einem speziellen Gen, das ihnen die Verdauung von Algen erleichtert. Nordamerikanische Dünndarmbewohner haben dieses Gen nicht. Die japanischen Dünndarmbewohner werden sich das Gen wohl aus Bakterien im Essen geholt haben, folgern die Autoren, und dass vermutlich all die darmwindverursachenden Bakteriengene da her kommen. Esst also mehr Bakterien! Es ist gut für die Darmwinde.


13.01.2010 | 11:24 | Supertiere | Alles wird besser

Wald aufräumen, Fluss putzen


Räumpilz im Walwald
Das 20. Jahrhundert, weiss ja jeder, war die Zeit, in der alle überall Müll machten und hinwarfen. Öl wurde in Flüsse gegossen, Plastiktüten wurden ins Meer und Granaten in Gräben geworfen, bis alles vollgerümpelt war mit Kram von der Molekülgrösse an aufwärts. Im viel moderneren 21. Jahrhundert hingegen findet das Vollstellen der Welt bekanntlich online statt, und der Abfall wird zum Abholen ins Blog gestellt. Das funktioniert auch wunderbar, aber derweil liegen die Altlasten des letztes Jahrhunderts noch überall blöd in der Realität rum. Schlimmer noch, die Müllmänner, die zum Aufräumen eingesetzt werden, sehen oft schändlicher aus als das, was wegzuräumen sie anrückten. Da kommt eine Entwicklung wie die walförmige Garteninsel von Vincent Callebaut, die beim Rumschwimmen Flüsse entgiftet, natürlich grade recht, und ist hoffentlich nur die Vorhut einer ganzen Zukunftsarmee der schönen Nützlichkeit. Eisbärförmige Kühlschränke, die die Arktis wieder zufrieren, fliegende Pilze, die den Müll aus Wald und Flur saugen, und Riesenkalmar-U-Boote, die sich von Plastiktüteninseln ernähren. Darüber wird dann natürlich leider überall gebloggt, aber das soll sich dann das 22. Jahrhundert überlegen, wie es damit klar kommt.

(via Inhabitat)


25.09.2008 | 19:24 | Anderswo | Alles wird besser

Von den Blubbern


Maktuk: der lautlose Blubber, der nach Wal schmeckt.
(Foto: ZannaLyons/Lizenz
Blubber ist eine tolle Sache. Er hält Wale und Robben innendrin warm, wenn es aussenrum kalt ist, und wenn man der Robbe oder dem Wal vorher mit einem hinreichend grossen Hammer auf den Kopf haut, kann man der Leiche den Blubber ohne Protest seines Eigentümers entnehmen und ihn dann verzehren, im Licht einer Blubberkerze. Das hält die Arterien elastisch und ist romantisch. Ausserdem schmeckt Robbenblubber lecker nach Robbe.

Nicht nach Robbe sondern nach Kuhrülpsern schmeckt das Blubbern, das jetzt in Sibirien belauscht wurde. Schon seit Jahren sagen sogenannte "Wissenschaftler" voraus, dass es im Zuge der "globalen Erwärmung" zu einem Schmelzen der Methanlager in den Polarregionen kommen könnte. Das dabei freiblubbernde Methan ist angeblich ein "Treibhausgas" und führt zu einer Rückkopplung: Methan beschleunigt den "Treibhauseffekt", und wenn es dann wärmer wird, wird noch mehr Methan freigesetzt. Das ist natürlich alles Humbug, aber immerhin bringt uns die aktuelle Beobachtung grosser Mengen freiblubbernden Methans der Antwort auf die uralte Frage näher, ob Blubber eigentlich ein Geräusch macht, wenn keiner hinhört.


15.05.2008 | 12:48 | Sachen kaufen | Sachen anziehen

Eine Denkblase voll heisser Luft


Auf einem Klapprad sieht es gleich nochmal so doof aus.
Man hat es nicht leicht, wenn man auf moderne Weise doof aussehen will. Klassische Modezeitschriften helfen zwar, es fehlt ihnen aber in der Regel der letzte Tick Verfeinerung, die originelle Designvolte, die aus aus einem bloss missglückten Produkt einen echten Weggucker macht. Abhilfe verspricht der Nubrella ("The Ultimate Weather Protector"), den man sich trotz des Namens nicht aufs Brot schmieren, sondern auf die Schultern schrauben soll, und mit dem man definitiv bescheuerter aussieht als vor seiner Erfindung möglich. Leider ist der Nubrella aber möglicherweise auch zu was gut, was die ganze schöne Beklopptheitsdistinktion wieder zuschanden ritte, hätten die Erfinder nicht auch ein Modell mit undurchsichtiger Rückseite gemacht. Das kann man sich einfach falsch rum aufsetzen, und sieht dann trotz praktischen Regenschutzes komplett kopferweicht aus. Spätestens wenn man mangels Sicht in einen Tango reinrömert.


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