Riesenmaschine

24.08.2006 | 15:35 | Anderswo | Alles wird besser | Zeichen und Wunder | In eigener Sache

Altar des Alltags


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Die meisten handelsüblichen Religionen sind entweder vor Jahrtausenden entstanden oder wurden kürzlich von geldgierigen Sektenführern gegründet. In beiden Fällen richten sich Heilsversprechen und Tagesgeschäfte nach vollkommen anderen Massstäben als der lebensnahen praktischen Alltagshilfe, sondern dienen anderen, merkwürdigen Zielen, die hier unbesprochen bleiben sollen. Ganz anders der Riesenmaschine Altar des Alltags, der zum Poetenfest in Erlangen (Donnerstag bis Sonntag) aufgebaut wurde. Auf ihm tummeln sich allerlei Götter, deren Wirken und Schaffen direkt auf die eigenen Alltagsprobleme Einfluss nimmt – wenn man mit der geeigneten Begründung betet. Zum Einsatz kommt dabei unter anderen der Gott der Kontrolle über die eigenen Haare, der Gott der einfachen Lösungen für komplexe Probleme, der Gott der vergessenen Passwörter und der gnädigen Amnesie und nicht zuletzt auch der Schutzpatron aller Blogger, der Gott der unterhaltsamen Ereignislosigkeit, der bei Anbetung dafür sorgt, dass man noch in einem schwarzen Raum ohne Fenster mit zuen Augen Bloggenswertes erlebt oder die Leere zumindest packend schildern kann. Nur durch Zufall sieht dieser Gott aus wie ein umgefallener und wieder aufgerichteter Sack Reis. All diese Götter lassen sich unter altar.riesenmaschine.de betrachten und aktiv anbeten. Vor dem jeweiligen Gott geht dann für eine Minute eine Lampe an, was wiederum auf der Altar-Webcam live beobachtet werden kann. Die – für die Besucher in Erlangen sichtbaren – Wünsche und Gebete werden in der Regel innerhalb kürzester Zeit erhört. Ausser man betet zum Gott der unterlassenen Hilfeleistung, dann nicht.


14.08.2006 | 10:51 | Alles wird schlechter

Google also doch keine ganz so gute Firma*


googeln, googeln, googeln, googlen (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Der Independent gilt als einigermassen okaye Zeitung, deshalb kann man auch eine bei Reddit gefundene Meldung glauben: Google lässt seine Rechtsabteilung Briefe an verschiedene Medien schicken, dass die Verwendung von 'to google' als Verb ein Verstoss gegen die Markenrechte sei. Eine interessante sprachfaschistoide Sichtweise, die sprachfaschistoider kaum sein könnte von diesen Kulturfaschisten. Abgesehen davon wird man, wenn Google seine derzeitige Geschäftsentwicklung vorantreibt, also alles zu vermarkten, was irgendwie mit irgendwas anderem zu tun hat, in arge Formulierungsschwierigkeiten kommen. An dieser Stelle sei der verehrungswürdige Satz eingepflegt, den Slashdot-Nutzer EnsilZah im Januar diesen Jahres von sich gab: "In a few years you'll be driving your google to the google to buy some google for your google." Immerhin: Google nur als Substantiv verwendet. Vorbildlich.

*auf Bitten von Holm Friebe geändert.


11.08.2006 | 17:40 | Fakten und Figuren | Zeichen und Wunder

Wortspiele


Wahr oder falsch ist eine Frage des Standpunkts (manchmal) (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Ein Kommentar im Weblog Designboom führt direkt auf die Seite des Ambigrammdesigners John Langdon. Ambigramme sind Worte, die zweideutig sind, aber nicht vom Inhalt, sondern von der Form her, je nach dem, wie man sie liest; manche sind auch eindeutig bzw. bedeuten dasselbe, nur von beiden Seiten. Auf dem Bild hierneben zum Beispiel steht "false" und "true", dreht man das Bild aber um, steht dort "false" und "true". Ambigramme sind Palindrome mit Gewalt. Es gibt verschieden angelegte Ambigramme, etwa unsymmetrische, punktsymmetrische, gespiegelte, kreisförmige und noch einige andere. Wer also noch ein verkrampft intelligent-geheimnisvolles Logo für sich selbst sucht, weil er sich vielleicht eine Existenz als Zauberer für Kindergeburtstage aufbauen möchte, der findet hier einen Ambigramm-Generator, der mit dem eigenen Namen gefüttert typografischen Wirrwarr ausspuckt, aber immerhin von beiden Seiten zu lesen. Übrigens tauchen Ambigramme auch im so mittleren Film Da Vinci Code auf; kurz gesagt, das alles könnte irrsinnig interessant sein, wenn es nicht schon nach zweieinhalb Minuten so sagenhaft langweilig wäre. Ambigramme, Traubenzucker des Wortstoffwechsels.


01.08.2006 | 19:30 | Anderswo | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Netz für alle


Ersatzbild für dieses nicht rechtefreie Bild
Mountain View ist eine schöne Stadt, vermutlich, die Leute scheinen einigermassen wohlhabend zu sein, das Wetter geht voll okay und auch die in den USA streng verbotene Kriminalität kann nicht vollkommen aus den Fugen geraten sein, wenn die Polizei von Mountain View auf ihrer Startseite einen grossen, alarmroten Button stehen hat, dass sie noch immer Hinweise für einen ungelösten Mordfall von 2004 sucht. Dieses beschauliche 70.000-Einwohner-Städtchen wird in diesen Minuten noch famoser, weil die ortsansässige Firma Google die komplette Stadtfläche verwlant, zugänglich für kein Geld. Da, wie Google selbst zugibt, das Signal in den Häusern etwas schwächeln kann, kann der geneigte Mountainviewtemalteke sich ein verstärkendes WiFi-Modem kaufen, es ans Fenster kleben und sich noch mehr freuen als bisher.

Diese Lösung könnte eine gute und richtige sein, nämlich, dass diejenigen, die mit dem Internet Geld verdienen, einen W-LAN-Groschen zahlen, damit alle Menschen kostenloses Funknetz haben. T-Online wird das am Anfang nicht ganz so toll finden, vielleicht, aber hey, wenn mehr Menschen im Netz sein können – vielleicht haben sie dann nicht mehr nur schmale 1,7 Milliarden Page Impressions im Monat.


31.07.2006 | 03:08 | Alles wird besser | Vermutungen über die Welt

Höher hören


Dieses der Vergangenheit angehörende Bild gehört nun noch mehr der Vergangenheit an. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Jugendbewegungen definieren sich über die Musik, die sie hören. Dieser Satz hat den Erkenntniswert einer Rede von Dr. Motte, der, wie in seinem Blog zu sehen, dieses Jahr zur Fuckparade eine ganz besonders dämliche Rede hielt. Interessant dagegen, wie Jugendbewegungen Musik hören, und vermutlich auch eine Spur aussagekräftiger. In demjenigen Früher, als noch kaum einer von uns geboren war, spielte die Jugend auf einer Maultrommel, leider gab es damals für Maultrommel nur Volksmusik, zum Glück ist dieses Früher schon länger vorbei. Kurz nach früher hörte die Jugend schliesslich zu Hause Platten, dann unterwegs Musikkassetten, dann überall CDs, dann zu Hause mp3s, dann kam der iPod.

Inzwischen sind Handys die neuen Ghettoblaster. Die Jugend rennt zwischen Schule und ihrem TGMP hin und her und hat begriffen, dass man die Kopfhörer sehr, sehr laut stellen muss, damit überhaupt irgendjemandem auffällt, dass man gerade rebelliert. Deshalb wird das Handtelefon lässig in der Hand getragen, dazu ertönt in der Regel zu zweifelhaften Bedingungen erworbenes Liedgut über einen Lautsprecher, auf dem sich Barry White anhört wie ein Kastrat auf Helium. Es ist zwar unfassbar spiessig, nicht auf die Jugend zu schimpfen, weil es so spiessig ist, auf die Jugend zu schimpfen, aber in diesem Fall wollen wir ein Auge zudrücken und das Positive an dieser musikverachtenden Entwicklung sehen: Nach den Gesetzen des Marktes und der Fixierung der Anbieter auf die junge Zielgruppe werden wir alle schon in kurzer Zeit mit echten Hochleistungs-Handyakkus versorgt werden.


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