Riesenmaschine

24.12.2006 | 15:39 | Supertiere

Der Mensch, das Pferd

Auffallend gleichen in letzter Zeit bestimmte Produkte der Firma Hasbro Figuren aus der griechischen Mythologie. Schon früh soll dem Kind offenbar das unbeherrschte und lüsterne Volk der Kentauren nahegebracht werden. Die Firma hat neuerdings auch einen Laufstall für die Rösser im Repertoir und wirbt: "Wenn Du mit Deinem Babypony sprichst, setzt es sich in Bewegung! Vergnügt tapst es bei seinen ersten Laufversuchen hin und her, kichert und macht Babygeräusche." Andererseits ist die Analogie zum Gehgestell der älteren Semester unverkennbar. Vom Laufstall zur Gehhilfe, selten ward ein Tier gesehen, das die Vergänglichkeit menschlichen Lebens besser symbolisiert. Und der Zwitter dazwischen, naja, vielleicht eine Metapher für ein Leben jenseits der Festanstellung?

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Fluchtträume

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (1)


16.12.2006 | 02:11 | Papierrascheln

Defrosting with Dynamite

Wenn man das erste Buch der Zeichner-Mini-Gruppe Rattelschneck "Ich hab keine Bremse, ich hab keine Bremse, ich hab keine Bremse, mir egal, mir egal, mir egal" besitzt, findet man dort ein kleines Selbstportrait auf dem Rücken, drei kläglich gemalte dürre Hechte, traurig verloren auf Schemeln kauernd. Nur die wenigsten wissen, dass das eine Hommage an die grösste lebende und lustigste Zeichnerin der Welt ist, Roz Chast, die sich genau so auf ihren Buchrücken zu portraitieren pflegt. Die Frau, die seit fast 30 Jahren für den New Yorker regelmässig armselige kleine Zeichnungen mit verschleppter Pointe liefert, ist jetzt schon ebenso ein Klassiker wie Saul Steinberg und William Steig. Ihr Hauptinteresse gilt der Verschwörung unbelebter Dinge, aber auch der Überforderung am Alltag, so stammelt in drei Bildern eine unperfekte Gastgeberin: "We´re having dirt for dinner / And you're not invited / I forgot your name anyway" und auf dem Cover der von ihr erfundenen Zeitung "Bad Housekeeping" sieht man eine faule Hausfrau ein Buch über Tibet lesen, daneben ein paar Überschriften wie "How To Ignore A 17-Inch Dustball" oder "Defrosting With Dynamite"; in einer anderen Zeichnung gibt sie Rezepte fürs "Radiator Cooking". Eine Flunder braucht demnach zwei Tage, bis sie durch ist. In diesen Tagen ist der Prachtband Theories of Everything von Roz Chast erschienen, fraglos das beste Weihnachtsgeschenk, was man sich selbst machen kann, findet Steve Martin übrigens auch.

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12.12.2006 | 03:06 | Anderswo | Supertiere

Spechte raus!

Wenn man in unseren Breiten gerade mal froh darüber ist, dass endlich ein einheitliches Rauchverbotsgesetz für öffentliche Verkehrsmittel durchgesetzt werden konnte, ist man in Taiwan bereits etwas weiter, seit November diesen Jahres gilt es nun endlich, das totale Vogelmitfahrverbot in allen Bussen Taipeis. Stellvertretend für alle Piepmatze, Rallen wie Schnäpperartige, Ruderfüsser wie Schwalme weist das Verbotsschild dezidiert auf zwei ganz besonders verhaltensauffällige Kollegen hin, die Ente und den Specht. Schluss mit uninteressantem Geschnatter, den bürzelbedingt eingefetteten Sitzen, Schluss auch mit dem nervtötenden Geklopfe und Gehacke in den Bussen. Denn das ist es doch letztlich, warum wir alle lieber im Taxi weinen als im Bus.

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28.11.2006 | 19:46 | Supertiere | Alles wird besser

Blaue Ersatzflüssigkeit ersetzen


Don't eat the blue snow either
Der Begriff Blaumachen geht bekanntermassen auf die Wollfärber im Mittelalter zurück, wollten sie Stoffe mit Indigo färben, mussten sie eine Farbstofflösung mit einem bestimmten pH-Wert anrühren. Dieser pH-Wert wurde durch Anreichern der Färbelauge mit alkoholgesättigtem Urin erreicht. Um die erforderlichen Mengen an diesem Cocktail zu erhalten, waren die armen Färber gezwungen grosse Mengen Alkohols zu vertilgen. Mit der Konsequenz, dass sie an diesen Tagen unbrauchbar waren. Es wurde eben "blau gemacht". Deshalb wohnt bis zum heutigen Tage dem Menschen der Drang inne, Körperflüssigkeiten, Inkontinenz hin oder her, beispielsweise in der Werbung, blau darzustellen, vom Katzenurin bis zum Kinderharn. Diese blau gefärbte Stellvertreterflüssigkeit, die bisher in unterirdischen Geheimlabors angerührt wurde, kann nun, wie cre.ations.net berichtete, auch im eigenen Körper produziert werden. Das Verfahren wurde bereits Anfang der 80er Jahre in der Weibliche-Ejakulations-Forschung dazu eingesetzt, herauszufinden, ob es sich beim Ejakulat um Urin handelt oder nicht. Wem das allerdings nicht ganz geheuer ist, wegen des darin enthaltenen Methylenblaus, halte sich an den blaupissenden Kaninchen schadlos, die werfen nur ein paar leckere Wegdornbeeren ein und erzielen genau das gleiche Resultat (Bild).

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27.11.2006 | 20:09 | Supertiere

Der Willibird hat die Fliege geklaut

Um vorweg mit einem hartnäckigen Irrglauben aufzuräumen: Namensgeber der Charterfluglinie Condor ist nicht die Legion Condor, auch wenn beider Mission eine ähnliche war und ist, nämlich Spanien zu verwüsten. Der Aasvogelname der Touristenbomber stammt vom Backpulverdynasten Dr. Oetker und feiert dieses Jahr sein fünfzigjähriges Bestehen; unter anderem mit einer Jubiläumssonderlackierung und einem neuen Maskottchen. Die Lackierung soll noch ca. zwei Jahre an der Boeing 757-300 mit dem Namen Willibird haften, dann wird sie wieder in den Urzustand zurück versetzt. Das Maskottchen ist eine Fliege. Und das ist das Problem, denn die Fluglinie des Exrennfahrers Niki Lauda, NIKI, hat bereits seit drei Jahren die Fliege als CI-Tier. Natürlich auch auf den bei dieser Linie so genannten Speibsackerln. Wenn jetzt im Willibird auf den Toilettentüren auch noch "Scheisshaus" stünde, wäre das zwar einerseits eine weitere vulgäre Laudaparallele, würde aber angesichts der Fliege nur eine zwingende Konsequenz bedeuten.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link


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