Riesenmaschine

28.02.2006 | 17:49 | Anderswo | Alles wird schlechter

Schwerter zu Flugscharen

Seit der Teppichmesseraffäre im September 2001 werden Flugzeugentführer weltweit immer erfinderischer. Wie nebenstehendes Beweisfoto beweist, konnten tapfere Sicherheitskräfte am Terrorknotenpunkt Zürich sorgfältig geplante Attentate durch Plastikschwerter, Spielzeugpistolen und dreitausend Papierscheren verhindern, in dem sie, ein ausgereifter Trick, die Waffen konfiszierten und in einen Plexiglasbehälter sperrten. Denn: Nur eingesperrte Papierscheren sind gute Papierscheren. Aber wie besorgniserregend sind diese Zeiten? In denen gewissenlose Menschen mit Papierscheren verreisen? Was werden sie als nächstes illegal im Handgepäck verstecken? Muss man den Verbrechern demnächst Fingernägel und Zähne entreissen, nur damit sie den Piloten nicht zerkratzen und aufessen? Leider kann man solche Fragen oft gar nicht beantworten.

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


24.02.2006 | 16:03 | Anderswo | Alles wird besser | Papierrascheln

Vogelgrippen verboten

Ziemlich künstlich regt man sich gerade bei
Spiegel online auf. Weil Deutschlands Panikmagazin Nummer 1 offenbar beschlossen hat, dass einmal mehr die Apokalypse droht, wird dort mit harten Worten ("wenn es wirklich einmal losgeht, dürfte dem Verfasser dieser Alberei das Lachen vergehen") auf ein paar Spass-Spatzen geschossen, die bei eBay mit über Nacht bedruckten Vogelgrippe-T-Shirts einen schnellen Euro machen wollen. Zwar sind die Aufdrucke der Shirts nur bedingt bis gar nicht lustig ("Vogelgrippe herzlich willkommen!"), doch ist das gewiss kein Grund, eBay indirekt aufzufordern, das "Schlagwort auf den Index" zu setzen sowie Abmahnanwälte zu animieren, sich mal mit ein paar kleinen T-Shirt-Heinis zu beschäftigen. Denn, so SPON: "Über 140 Millionen tote Vögel und fast 100 menschliche Seuchenopfer sind schon jetzt kein Gag mehr."

Wesentlich entspannter geht man da in Vietnam mit dem Thema um. Zur Erinnerung: Das ist das Land, in dem im Jahr 2003 die Vogelgrippe ihr Revival erlebte, und das die Weltvogelgrippen-Charts mit 93 von der WHO bestätigten Avian-Influenza-Fällen und 42 Toten anführt (Stand 20. Februar). Zwar wurde in Vietnam auch massenhaft (aber keineswegs flächendeckend) allerlei Federvieh gekeult. Ansonsten hängen die Vietnamesen einfach nur überall im Land Plakate auf, auf denen man die blöden Hühner und Enten durchstreicht. Auch für einen kleinen Vogelgrippespass ist man im Vogelgrippeparadies immer zu haben, wie nebenstehendes Foto eines Kinderkarussells im Stadtpark von Hoian zeigt. Damit die böse Ente keinem Kind schaden kann, haben – wie wir fest glauben – Vogelgrippeschützer ihren Kopf mit brauner Farbe übermalt. Dass diese entspannte Haltung dennoch Früchte trägt, beweist die Statistik. In diesem Jahr gab es in ganz Vietnam noch keinen einzigen Vogelgrippefall.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Asien Spezial: Korea & Vietnam

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link


22.02.2006 | 12:04 | Anderswo | Alles wird besser

Kanada hat Bälle


Attraktive Kreuzung
Kanada als Land muss regelmässig und ausgiebig gerühmt werden, weil es in vielerlei Hinsicht an der Spitze steht: Es hat den welthöchsten Turm, die weltbesten Eishockeyspielerinnen, die weltschönsten Ortsnamen, die weltmeisten Kabel über den Strassen und 150 Fernsehprogramme, wobei auf mindestens einem immer die Simpsons laufen. Und obwohl es schon so ein grossartiges Land ist, denkt es ständig über Verbesserungsmöglichkeiten nach. Neulich erst wurde in Kanada das Verbot von Gruppensex aufgehoben, und wäre es nicht so kalt, hätten sich Millionen Menschen auf den Strassen zum fröhlichen Treiben zusammengefunden.

Stattdessen nutzen die Kanadier die kalte Jahreszeit, um eine brandneue, spektakuläre Sportart aus dem, ähm, gefrorenen Wasser zu heben: die Schneeballschlacht. Leider sind die Pläne des kanadischen Teams ungoogelbar und die dazugehörige Webseite zeigt keinen einzigen Schneeball. Aber wie immer erfährt man in DOSE alles Wesentliche: Nachdem die Schneeballschlachtdemonstration von Craig Bridgman und Co. in der Drittelpause des Eishockeyspiels Schweiz-Kanada von den Olympiazuschauern in Turin begeistert aufgenommen wurde, will man 2010 in Vancouver offiziell um olympische Medaillen kämpfen. Und, so Bridgman, die Welt sollte gewarnt sein: "Niemand wirft einen Schneeball wie ein Kanadier."

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


21.02.2006 | 17:57 | Anderswo | Supertiere

Evropského šampionátu v roce 2012


Ungarokroate (Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Während Neve und Gliz (Schneeball und Eiswürfel) langsam aber sicher als olympische Maskottchen in Turin ihrem Ende entgegenschmelzen und Aster, der Schneeflocke, offizielles Symbol der Paralympics, das erst zwischen 10.-19.3. bevorsteht, wird es nicht mehr lange dauern, bis in Deutschland zwei Tiere um Aufmerksamkeit buhlen. Paule, das DFB Maskottchen (konnte sich kürzlich bei einer Wahl durchsetzen gegen Knipsi, Butzi und Horst) und Goleo, der sattsam bekannte Löwe ohne Hose.
Und dann wird es auch schon bald Zeit, sich schon mal geistig und körperlich auf die Fussballeuropameisterschaft 2012 vorzubereiten, für die sich interessanterweise auch das bis jetzt noch nicht so bekannte europäische Land Aserbaidschan, das Land mit den letzten Pistazienwäldern der Erde, bewarb, aber bedauerlicherweise unlängst ausschied.

Pistazien knabbernde Hooligans, die sich am Nationalgetränk Schärbät, Milch mit Basilikum, laben, hätten sicher nicht nur kerneuropäische Sicherheitskräfte nicht ungern gesehen. Neben Italien und Polen/Ukraine sind jetzt noch Ungarn und Kroatien als Doppelpack im Rennen, und wie unsere Kollegen der ungarischen Riesenmaschine recherchiert haben, soll deren Maskottchen dann dieser struppige Puli sein, entworfen von einem 56 jährigen Strassenmaler namens Fábián István. Erregende Vorstellung, wie ihn dann im Rahmen der k.u.k. (kroatisch-ungarisch-koreanischen) Freundschaft Hwang Jung-moak ins Googlelogo fummeln wird.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (1)


21.02.2006 | 14:49 | Anderswo | Alles wird besser

Von Pretzel-Syndrom und Ahornsirupkrankheit

Auch wenn unter anderem die Schweiz die Deutsche Mannschaft aus dem olympischen Eishockeyturnier geworfen hat, sollten nicht immer nur die Unterschiede, sondern auch einmal die Gemeinsamkeiten zwischen dem kleinen Land im Süden und seinem dicken Nachbarn betont werden. Ein gemeinsames Projekt der beiden Ländern ist etwa die Glaubensgemeinschaft der Amischen, der religiösen Antipode der Riesenmaschine. (Die Amischen lehnen jeglichen Fortschritt ab.) Gegründet vom Schweizer Bischof Jakob Ammann, stammen die meisten Amischen von Schweizern oder Deutschen ab. Und zwar alle 180.000 von nur einigen hundert, denn die Amisch müssen untereinander heiraten. Darum sind die Amisch überdurchschnittlich häufig träger von Erbkrankheiten, unter anderem so seltener (und noch nicht publizierter) wie dem Pretzel-Syndrom (überbewegliche Gelenke, Sprachlosigkeit, epileptische Anfälle) oder auch der Ahornsirupkrankheit (ein genetischer Mangel der verzweigtkettigen 2-Oxosäuren-Dehydrogenase, die den Abbau der 2-Oxosäuren-Analoga der verzweigtkettigen Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin katalysiert).

Die Häufung dieser genetischen Defekte hat aber auch etwas Gutes. Aus der Klinik, die die Old Order Amish, eine etwas rückständige Gruppe innerhalb der Amisch, für die Behandlung ihrer Kinder gebaut haben, kommt nun ein radikal neuer Therapieansatz zur Behandlung genetischer Defekte. Glaubten Mediziner bis anhin, mittels Gentherapie den eine Krankheit auslösenden Gendefekt beheben zu müssen, versucht man hier lediglich die Symptome zu bekämpfen und so den Defekt ins Leere laufen zu lassen. Anstelle einer Gentherapie werden nun Diäten verschrieben, die Kindersterblichkeit wurde massiv gesenkt und der Therapieansatz verbreitet sich auf der ganzen Welt. Und das Ganze tönt auch nicht so penetrant nach Fortschritt wie etwa 'Gentherapie', sodass es sogar die Amisch akzeptieren können. Und wer hats erfunden? Letzlich doch irgendwie die Schweizer und die Deutschen zusammen. Über sowas sollte man mal berichten, nicht nur immer über das Ausscheiden der Deutschen im Eishockey.

via SonntagsZeitung


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