Riesenmaschine

01.02.2010 | 09:56 | Anderswo | Alles wird besser | Was fehlt

Ironisch reisen


Da sage "einer", "die" Chinesen hätten keine "Ideen"
Ein ironischer Orgasmus, meinte Robert Gernhardt einst, sei kaum vorstellbar. Genauso wenig kann man wohl ironisch reisen, es sei denn, man heisst Hermann Hesse. Aber dessen Ironische Reise von 1927 wird wahrscheinlich nur ein ironischer Reisebericht sein, so wie alle anderen ironischen Reisen auch, wenn es sich nicht gar um Reisen im übertragenen Sinne handelt. Jetzt hat sich ein Pekinger Omnibusunternehmen offenbar dazu entschlossen, zu zeigen, dass man auch wirklich ironisch reisen kann. Und wer weiss: Wenn es über Stock und Stein geht, fühlen sich die Passagiere am Ende so "well", dass die eine oder der andere am Ende doch zu einem ironischen "Orgasmus" kommt.

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (12)


27.01.2010 | 22:32 | Anderswo | Sachen anziehen

Travelpussy-Party, demnächst


*Speak for yourself! Gemeint ist ausschliesslich der prüde Autor.
Wie Jens O. Brelle meldet, werden Betreiber von sog. Dildoparties derzeit vom Markeninhaber abgemahnt. Wie immer haben uns*, die wir nie über das Kekswichsen hinausgekommen sind, die Frauen da anscheinend was voraus. Das Format der Pussyparty müsste erst noch erfunden werden. Immerhin gibt es die Zutat TravelPussy für 4 € mittlerweile an gut sortierten Autobahnraststätten im Kondomautomaten, sodass wir nicht mehr auf die ungleich kostspieligere Fleshlight-Alternative angewiesen sind. Das Inspizieren des Inhaltes erinnert zunächst an die Ernüchterung beim Auspacken des YPS-Gimmicks "Solar-Ufo", bei dem es sich um letzlich auch um einen schwarzen Müllsack handelte. Immerhin ist unser Exemplar rosa und nicht hellblau, hält die Luft nach dem Aufpusten, und das mitgelieferte "Liquid Gel" verspricht: "Pflegt die Haut, macht sie erotisch, sensitiv, rutschig." Vielleicht sind wir ja auch einfach nur hoffnungslos hinten dran, schliesslich hat Deichkind dem Phänomen schon 2008 einen mitreissenden Song gewidmet. Insofern wir unsere Verklemmtheit überwinden können, wird unser abschliessendes Urteil nicht hier, sondern demnächst auf Amazon erscheinen, der Augenzeugenbericht von der ersten TravelPussyParty womöglich im Vice-Magazin. Jedenfalls haben wir uns die Marke schon mal gesichert.


20.01.2010 | 03:08 | Anderswo | Supertiere | Listen

Das ist doch kein Name für eine Katze!

Während europäische und südamerikanische Fussballnationalteams im Journalistenvolksmund fast immer mit landessprachlichen Versionen des Begriffs "Auswahlmannschaft" – Seleção, Selecção das Quinas, La Selección, Mannschaft, Sbornaja – oder mit Farbbezeichnungen – Charrúas, La albiceleste, La Roja, Azzurri, Les Bleus, The Boys In Green – oder mit beidem – Equipe Tricolore, Oranje Elftal – bedacht werden, haben afrikanische Teams Tier- und Dingnamen gepachtet. So treten bei der aktuellen Afrika-Meisterschaft nach Rückzug der Sperber an: Pharaonen, Wüstenfüchse, Hengste, Elefanten, Schwarze Sterne, Schwarze Panther, Schwarze Impalas, unzähmbare Löwen, Gewehrkugeln, Mambas, Bandas, Adler, Super-Adler und Adler von Karthargo. Die Riesenmaschine unterstützt im Zuge der etwas in Vergessenheit geratenen Nagetierverehrung allerdings vorbehaltlos das Team aus Benin: Die Hörnchen. Heute um 17 Uhr müssen die tapferen Nagetiere nicht nur gegen die Pharaonen gewinnen, sondern auch noch auf einen Sieg der Mambas gegen die Super-Adler hoffen, um ins Viertelfinale zu kommen – wir drücken die Daumen, überlegen uns allerdings im Falle eines Vorrundenaus', ob wir nicht nächstes Mal lieber die Skorpione supporten.


29.12.2009 | 15:12 | Anderswo | Alles wird schlechter | Essen und Essenzielles

Silver Prosumer

Die Angst vor einer Hungersnot ist eine Kollektiveigenschaft der Über-80-Jährigen. Die Ereignisse der Kriegs- und Nachkriegszeit haben ihnen eingeimpft, dass man niemals genug hamstern kann, und deswegen werden im Altenheim die überzähligen Butterpakete vom Frühstück auch nicht weggeschmissen, sondern zu Dutzenden im Kühlschrank gesammelt, und wird den Kindern und Enkeln bei der Abfahrt noch reichlich Essen mitgegeben, nur für den Fall, "du hast doch sicher wieder nichts im Haus". Wenn wir in 50 Jahren selbst im Altenheim sind, wird es sicher nicht anders sein: Aufgewachsen in Zeiten grösster Not, werden wir den Kindern stets ungefragt ein paar Exaabyte-USB-Sticks einpacken, falls sie zuhause nicht mehr genug Speicherplatz haben.

Das Osnabrücker Diakonie-Wohnstift am Westerberg, bekannt für seine kreative Kuchenwerbung, nutzt dieses Generationentrauma nun schamlos aus, um sich von seinen Insassen unbezahlt bei den Vorbereitungen zum Neujahrsempfang helfen zu lassen. Waffelbacken, klar, wer weiss, ob es 2010 noch genug zu essen geben wird. Und so wird ganz nebenbei das Prinzip des Prosumenten endlich auch im Altersheim eingeführt. Gearbeitet wird mit den üblichen Euphemismen der Branche, denn Ort des Waffelbackgeschehens ist der, schon klar, "Kreativraum". Wenn demnächst als Seniorengymnastik der Zimmernachbar umgebettet wird, sollten wir unsere Pflegeversicherungsbeiträge zurückverlangen.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Die Rache der Prosumenten


28.10.2009 | 15:55 | Anderswo | Supertiere | Alles wird schlechter

Warum Hummeln?


Hummelbestäubt aus Kassel
Selbst in der nordhessischen Provinz lassen sich neuerdings Tomaten kaufen, die mit einer exklusiven Bestäubung durch Hummeln für sich werben. Dies wäre nun per se nichts Schlechtes, würden die "gemütlichen Brummer im bunten Pelzrock" nicht wegen ihrer Dummheit ausgenutzt und vor den Karren profitgieriger Bioproduzenten gespannt: So hält die entsprechende Informationsseite zur Hummelbestäubung fest, es sei ein wichtiger "Vorteil der Hummel", dass sie im Vergleich zur Honigbiene kein Kommunikationssystem besitze, mit dem sie ihre Artgenossinnen über attraktivere Nahrungsquellen informieren könne. Im Klartext: Während Kollegin Biene ihren Co-Bienen vortanzt, dass jenseits der langweiligen Tomaten viel leckerere Blüten warten, ist die dicke Hummel so doof, nur dort bestäubend herumzubrummen, wo man sie ausgesetzt hat.

Für die Feldversuche, auf denen das hummelverachtende Profitsystem gründet, hat man eigens eine Hummelwerkstatt eingerichtet und den Hummeln dort sogar einen "Rotlichtraum" geschaffen.

Demnächst erwarten wir artenrein bestäubte Produkte, gibt es doch in Europa allein etwa 70 verschiedene Hummelarten, darunter z.B. die Dufthummel, die Veränderliche Hummel, die Unerwartete Hummel und die Trughummel. Die "exklusiv felsenkuckuckshummelbestäubten cuore di bue" im Feinkostregal sind dann nur noch einen kleinen Bienentanz entfernt.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Single Cola, Single Cask


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