Riesenmaschine

13.12.2007 | 21:00 | Berlin | Nachtleuchtendes | In eigener Sache

Die ZIA und der Tannenbaum


Schlecht gecastete Doppelgänger bei den Proben für die ZIA-Weihnachtsfeier,
von links: Jörn Morisse, Holm Friebe, Moritz Metz, Nordmanntanne
(Foto: pixie_bebe) (Lizenz)
Das Geschäftsjahr 2006/2007 war das erfolgreichste in der jahrzehntelangen ruhmreichen Geschichte der Zentralen Intelligenz Agentur. Neben vielen anderen Dingen wurden ein Kongress veranstaltet, ein Kind geboren, diverse Bücher geschrieben und veröffentlicht, neue Visitenkarten gedruckt und ein rheinland-pfälzischer Literaturpreis gewonnen. Ausserdem feierten die Bunnys ihr Bühnencomeback. Auf all das soll bei der ZIA-Weihnachtsfeier, die am 18. Dezember im nbi stattfindet, zurückgeblickt werden. Das öffentliche Programm beginnt um 21 Uhr mit einer Lesung von Kurzgeschichten aus dem Buch The Gold Collection, das von Agent Morisse herausgegeben wurde. Danach folgt allgemeines Biertrinken und Rumstehen zu Indie-Musik von DJ Mittanzzentrale. Und dann ist das Jahr auch schon wieder zu Ende.


09.12.2007 | 18:35 | Nachtleuchtendes | Fakten und Figuren

Die nackte Eichel von Kecksburg


Quelle
Der Dezember 1965 war ein seltsamer Monat. Erst veröffentlichten die Beatles We can work it out mit der B-Seite Day Tripper (warum?), dann kam plötzlich Weihnachten, und dazwischen, am 9. Dezember, heute vor exakt 42 Jahren, wurde auch noch ein UFO gesichtet. Es tarnte sich als Meteorit, flog irgendwie über die Wälder von Pennsylvania, um dann über den Erie-See hinweg nach Kanada zu verschwinden. So jedenfalls die wissenschaftliche Erklärung, die sich knapp vierzig Jahre lang einigermassen hielt.

Fairerweise muss man sagen, dass das nicht alle glaubten, speziell nicht die Menschen in Kecksburg/PA, das gern so wie Roswell sein würde, nämlich berühmt. Deshalb stürzte das UFO bei ihnen in ein paar Bäume und wurde von NASA bzw. Militär bzw. bösen Mächten so irre konspirativ weggeschafft, dass es dabei gründlich beobachtet werden konnte. Das UFO sieht natürlich aus, man ahnt es, wie eine sehr sehr grosse Eichel. Die Konsequenz: Die Journalistin Leslie Kean und ihre Coalition for Freedom of Information verklagen im Jahr 2003 die NASA: Sie soll endlich die Eichel herausrücken.

Fuck it, sagt sich die NASA, und wirft einfach noch eine dritte Theorie unters Volk: Das UFO könnte doch auch einwandfrei Teil eines Satelliten sein, und zwar der russischen Sonde Cosmos 96, die vorher tragisch explodiert war. Dies allerdings ist unmöglich, wie NASA-Verantwortliche bereits zwei Jahre früher bekanntgaben. Verwirrend? Vielleicht! Folgerichtig verkündete Kean unter Berufung auf dieses Statement: The Cosmos 96 question is settled once and for all. Wenn aber die Cosmos-96-Frage erledigt ist, und die UFO-Antwort Quatsch ist, wohingegen die Meteorit-Sache komplett plausibel ist, welche Frage ist genau noch offen? Genau das ist jetzt nicht mehr Keans Problem, sondern das der NASA, die nach vier Jahren Gerichtsverfahren jetzt verdonnert wurde, alle Akten herauszurücken. Aber, hey, die NASA hat Menschen zum Mond gebracht, sie wird es also wohl auch schaffen, ein schon lange gelöstes Geheimnis aufzuklären.


08.12.2007 | 07:13 | Nachtleuchtendes

Schutzverdunkelung


Sehr sympathisch: Florian Silbereisen für ein besseres Klima im Dunkeln verschwunden.
Der Klimaschutz trägt nachweislich religiöse Züge: es gibt Klimapäpste (Al Gore), es gibt ein Weltuntergangs- und Höllenszenario (die Klimakatastrophe), eine Erbsündenlehre ("die Menschheit ist schuld") und eine Erlösungslehre: Wenn sich alle nur schön brav bekehren und ihre Umweltsünden abbüssen und ein nunmehr sündenfreies Leben leben, werden wir noch gerettet. Es fehlen auch nicht die gutmenschlichen Gesichter dazu, die klimafrommes Überzeugtsein dokumentieren und Pilgerpfade zum Ziele säumen, wie jetzt die neue Büsseraktion "Licht aus! Für unser Klima." Überzeugt am Ausschaltknopf und auf der Seite der Guten: Jeanette Biedermann, Frank Elstner, Marie-Luise Marjan, die Pfarrerin des Berliner Doms, das Brandenburger Tor, (wo ist Oberausschalter Peter Lustig?). Und dazu Google, das mit einer nun verfinsterten Startseite schon vorsorglich unsere Bildschirme ausgeknipst und sich unsichtbar gemacht hat. Alle Lampadinen und Stromverbraucher aus, bis auf den Fernsehbildschirm als Notbeleuchtung natürlich, denn Pro 7 wird das Licht der Rechtschaffenheit in unser Dunkel bringen und live berichten von der luziden Verfinsterungsaktion. Wenn auf den Flughäfen auch noch die Positionslichter ausgelöscht werden, dann sind wir obendrein auch noch errettet von den klimazerstörenden Kerosinbombern in der Luft. Klimakatastrophe, geh weg, es ist niemand zu Hause.

Ruben Schneider | Dauerhafter Link | Kommentare (17)


03.12.2007 | 18:38 | Nachtleuchtendes | Alles wird besser

Lob der Aussichtslosigkeit

Wenn man wie die meisten Menschen seine Vorhänge nie öffnet, weil man wie die meisten Menschen den Fehler gemacht hat, den IKEA-Vorhang Bomull zu kaufen, der bei jedem Auf- oder Zuziehversuch die Gardinenstange in den Abgrund reisst, dann braucht man, so haben Forscher jetzt erkannt, eigentlich gar kein Fenster. Fenster haben so viele Nachteile: Nur zu wenigen und schlecht gewählten Tageszeiten fällt tatsächlich Licht durchs sie ins Zimmer, und auch das nur, wenn man sie alle paar Jahre mühsam reinigt. Andere Menschen können in die Wohnung hineinsehen, kleine Kinder fallen heraus. Fenster entlassen die teure Wärme hinaus in die Natur und inspirieren GUI-Designer zu ganzen Betriebssystemen, die viel Leid über die Menschheit bringen. Gut, dass endlich jemand das fensterlose Leuchtfenster erfunden hat, das man überall hinhängen kann, wo man es braucht. Jetzt noch eine türlose Tür zur Abwehr von Zeugen Jehovas und GEZ, dann steht der Entwicklung des Wohnens zum Grosstrend des 21. Jahrhunderts nichts mehr im Wege.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Es geht voran


23.11.2007 | 02:19 | Nachtleuchtendes

Wenn Jesus ein Planet gewesen wäre


Planemo mit Scheibe (Credit: Jon Lomberg)
Aleks Scholz: Frau Passig, der schottische Lokalsender Kingdom FM hat überall im County Fife berichtet, es gäbe jetzt auch so eine Art Mini-Planetensysteme im All. Sie befinden sich gerade vor Ort und haben sich erkundigt. Wie muss man sich das vorstellen, wie ein Mobile aus Planeten?
Kathrin Passig: Ja. So stelle ich mir das jedenfalls vor. Man hört, in der Mitte sei auch vielleicht gar keine Sonne angebracht (schwer am Mobile zu befestigen), sondern nur so eine Art Stein.

AS: Das sind sicher aufregende Zeiten, gerade jetzt in Schottland zu sein.
KP: Ach, es geht so. Die beiden Hälften von Schottland schieben sich entlang des Great Glen aneinander vorbei, die eine nach Südwesten, die andere nach Nordosten. Das geht aber so langsam, dass man es kaum mitbekommt. Gestern kam ausserdem der 95er Bus etwas zu spät. Davon abgesehen ist es hier eigentlich nicht aufregender als anderswo.

AS: Gerade kommt eine Meldung rein, der ich entnehme, dass es sich gar nicht wirklich um Miniaturplaneten handelt, sondern nur um den Anschein der Möglichkeit ihrer mutmasslichen Entstehung. Sind die Leute bei Ihnen immer so voll mit Zweifeln?
KP: Man muss das verstehen, es geht schliesslich um sehr weit entfernte Ereignisse. Wir wissen hier ja schon kaum, was z.B. in Berlin passiert. Da möchte man sich nicht allzuweit aus dem Fenster lehnen, figuratively speaking, ha ha.

AS: Letzte Frage: Was hat das alles mit dem runden Hund zu tun, von dem man neulich hörte?
KP: Nichts eigentlich, neuerdings geht man ja wieder davon aus, dass gar nicht alles im Universum mit runden Hunden zu tun hat, jedenfalls stand das hier in der Zeitung.
AS: Vielen Dank für dieses Gespräch.

Kathrin Passig und Aleks Scholz | Dauerhafter Link


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