Riesenmaschine

04.03.2007 | 23:00 | Alles wird besser | Papierrascheln

Technologisches SprechaSprech


Das optomechatronische Auge von der Teekanone
(Foto: Kai Schreiber)
In der lustigen Online-Adventure-Parodie Kingdom of Loathing gibt es ein Monster, den "MagiMechTech MechaMech", in dessen Beschreibung es heisst, es sei "ein grosser Roboter, angetrieben von einer finsteren Mischung aus Magie und Technologie, aber weil hinreichend fortgeschrittene Technologie von Magie nicht unterscheidbar ist, ist das Mischungsverhältnis nicht zu erkennen." Die Beschreibung basiert auf Clarkes drittem Gesetz, das nicht nur für Technologien, sondern auch für die Beschreibung dieser Technologien gilt. War der "MagiMechTech MechaMech" noch eine Parodie eines der Science Fiction nahestehenden Unterhaltungsgenres, gilt für das grade neu gegründete International Journal of Optomechatronics vermutlich das genaue Gegenteil. Aber weil eben jede hinreichend fortgeschrittene Technologiebeschreibung nicht von Technobabbel unterscheidbar ist, werden wir es so bald nicht erfahren.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Vom mechanischen Verhalten biomedizinischer Substanzen


26.01.2007 | 12:10 | Alles wird besser | Papierrascheln

Vom mechanischen Verhalten biomedizinischer Substanzen


Biomedizinische Substanz mit spitzen Noppen und Sexualorganen.
Es ist ja immer ein bisschen aufregend, wenn etwas Neues in die Welt kommt. Ob dem bebenden Berg eine Maus entkraucht oder dem Schaum oder dem Gotteskopf ein nacktes Weib, ob das Chaos einen tanzenden Stern oder der Autor eine kitschige Metapher gebiert, immer guckt man sich das neue Gebilde ein bisschen neugierig und interessiert an und sagt herzlich Dutzidutzi, denn man kann einfach nicht anders. So geht es uns auch beim grade aus der Taufe gehobenen Journal of the Mechanical Behavior of Biomedical Materials, dessen Titel Hoffnung macht, hier werde endlich an einem ordentlichen Wissenschaftsporno gearbeitet, bei dem dem Zuschauer nicht der Kopf einschläft. Die Ankündigung, sich mit "deformation, damage and failure" der "biological materials" befassen zu wollen, klingt zwar ein bisschen nach einem Nischentitel, aber man ist auch offen für "emerging experimental and theoretical techniques". Dutzidutzi. Wir können es kaum erwarten.


22.01.2007 | 13:27 | Supertiere | Papierrascheln

Lachende Pentagondodekaeder


Ein Readymech namens Tentaklops
Sie sehen hübsch aus, sind komplett nutzlos, und man kann mit ihrer Anfertigung zehn bis fünfzehn Minuten totschlagen, die einem andernfalls lästig gefallen wären. Drogen nehmen sie keine, aber das ist dann wohl der einzige Nachteil der Readymechs des auch fürs iPhone-Faltmuster verantwortlichen Designkollektivs Fwis. Die Readymechs wickeln sich übrigens beim Anklicken auf ihrer Homepage hübsch selbst ab – ein Prinzip, das sich ruhig auf den Rest der Schöpfung ausweiten dürfte: bei fragendem Draufzeigen Nachbauanleitung.


10.01.2007 | 13:09 | Papierrascheln | Vermutungen über die Welt

Wie ticken Ethiker?


Alle, äh, gefunden
(Foto von ellen.w / Lizenz)
Feuerwehrleute neigen zur Brandstiftung, Metzger mästen sich selber dick und Päpste sind manchmal der Antichrist oder werden zumindest so genannt. In einer Welt, die derartig in semantischer und inhaltlicher Unordnung dahinrumpelt, kann es nicht überraschen, dass ausgerechnet Ethiker nachweislich mehr Bücher klauen als andere Philosophen. Ethiker klauen sogar mehr als Juristen, sagt Eric Schwitzgebel, der die Sache aufgedeckt hat, und spätestens hier wird der Laie natürlich misstrauisch die Brauen zusammenkneifen, denn da kann ja nun was nicht stimmen. Und richtig, Schwitzgebel ist Ethiker. Hätte man sich ja denken können.


05.01.2007 | 02:05 | Alles wird besser | Sachen kaufen | Papierrascheln

93 Minuten


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
In ihrem Essay "Against Interpretation" von 1966 unterstellt Susan Sontag der modernen Interpretation von Kunstwerken offene Aggressivität. "Der Interpret verachtet eingestandermassen die Erscheinung, die Oberfläche des Textes." Solche Interpreten sollen zur Strafe die Oberfläche schrubben und zwar gründlich. In der Zwischenzeit beschäftigen wir uns mit einem dieser Tage erschienenen Filmbuch.

Die Herausgeber Michael Baute und Volker Pantenburg setzen darin eine Idee um, die so simpel wie grössenwahnsinnig ist. Nicht ein Autor schreibt über 93 Filme, sondern 93 schreiben über einen – über Charles Laughtons Film-Noir-Märchen The Night of the Hunter (Die Nacht des Jägers, 1955), den Jacques Rivette "den verblüffendsten Meteor der Filmgeschichte" nannte. Die Minutentexte: The Night of the Hunter versammeln so viele Autoren wie der Film Minuten hat – und jeder befasst sich mit exakt einer Filmminute. Und auch wenn das Zerhacken von Filmen in Minuten willkürlich erscheint, so gingen die meisten Autoren mit einem Zartgefühl zu Werke, auch und vor allem der Oberfläche des Films gegenüber, das die Gründlichkeit der Form komplementiert.

Die Interpreten haben jetzt genug geschrubbt, die Oberfläche des Textes ist schon ganz blank. Vielen Dank.


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