Riesenmaschine

10.10.2005 | 00:19 | Alles wird besser | Fakten und Figuren | Zeichen und Wunder

Krass – Fahrrad fährt 1/4 Lichtgeschwindigkeit!


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Gäbe es bei der Riesenmaschine einen internen Wettbewerb um die reisserischste wahre Überschrift – ich hätte ihn wohl soeben gewonnen. Dabei habe ich noch untertrieben, denn mit dem Fahrrad wurde mehr als ein Viertel Lichtgeschwindigkeit erreicht: Es ist nun genau zehn Jahre her, als Fred Rompelberg 268,831 km/h im Windschatten eines Autos fuhr. Bis vor kurzem hätte das nicht für die Überschrift gereicht – jetzt aber ist es Forschern in Berkeley gelungen, mit einem Laser sowie einem komplizierten Verfahren Licht bei Zimmertemperatur auf eine Geschwindigkeit von 245 Metern pro Sekunde zu entschleunigen, was etwa 880 Stundenkilometern entspricht (gefunden bei digg). Man kann nun argumentieren, dass unter Lichtgeschwindigkeit gemeinhin diejenige im Vakuum verstanden wird, also eine Milliarde Stundenkilometer. Aber mit der Überschrift "Krass – Fahrrad fährt ein dreikommasiebenmillionstel Lichtgeschwindigkeit" hätte ich vermutlich keinen Blumentopf geschossen. Wie es sich für einen topreisserischen Artikel gehört, hat das Bild weder mit dem '95 aufgestellten Rekord noch mit den kalifornischen Forschern zu tun, sondern ist die Photoshop-Schimäre des Designers Scott Robertson (hier die komplette, sehr schmucke Serie "Venom").


08.10.2005 | 15:11 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Du bist Scheisse


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Seit vor ein paar Wochen die zurecht viel belachte Kampagne »Du bist Deutschland« startete, ist endlich die Frage beantwortet, was eigentlich dabei rauskommt, wenn man retrosozialistische Anfeuerungsdoktrinen (»Du bist die Hand!«) mit Stammtischchaostheorie (»Ein Schmetterling kann einen Taifun auslösen.«), wirrer Metaphorik aus einem drittklassigen Managementratgeber (»Es gibt keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Deutschlandbahn.«) und Vulgärkennedyanismus (»Behandle Dein Land doch einfach wie einen guten Freund. Meckere nicht über ihn, sondern biete ihm Deine Hilfe an.«) vermengt und kurz aufkocht.
Es soll hier nicht die Rede sein von dem provinziellen Mief dieses staatstragenden Unfugs, aber es soll ein Lob ausgesprochen werden für den Graphiker, der das Logo für die Kampagne entwickelte und der aus dem Hause Jung von Matt stammt. Seine grosse Leistung liegt darin, es geschafft zu haben, dieses Logo vor vermutlich Dutzenden von Gremien zu vertreten und es ebenso vermutlich als »dynamisch«, »sympathisch« und »unique« zu verkaufen, obwohl es doch ganz offenkundig nichts anderes darstellt als einen dicken Haufen Scheisse. Das ist nicht sehr subtil, aber recht subversiv und nachdrücklich zu belobigen.


05.10.2005 | 15:34 | Was fehlt | Zeichen und Wunder

Wurst Käse Szenarien


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Völlig unfassbare Objekte gibt es bei www.lahaii.ch zu kaufen. Leider nur als gerahmte 3D-Grafiken, dies jedoch in formell und ästhetischer Hinsicht schwer toppbar. Es gibt da beispielsweise runde Heizkörper, aus Wurst bestehende Radioapparate, Armaturen und Schalter und vieles, vieles mehr. Allen Grafiken gemein ist eine unheimliche, geradezu obszöne Ausstrahlung, die durch steriles, klinisches Licht und ungewöhnliche Materialen und Texturen erreicht wird. Archaische, funktionslose Geräte, die in einem Vivisektionsraum ebenso gut aufgehoben sind wie im modernen, aufgeschlossenen Living Room. Manche Objekte scheinen direkt aus dem Hirn von Wilhelm Reich zu stammen. Gesehen hier.


05.10.2005 | 03:02 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Was nun, Rael?


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Gute Nachrichten: Man hat schon seit langem nichts mehr von den Raelianern gehört. Dabei hat es so schön angefangen. Zuerst begegnet Rael diesen Ausserirdischen, die uns damals alle in irgendeinem Labor zusammengebraut haben. Dann versteht er endlich die ganze Welt und alles, und erklärt sich bereit, nur ein bisschen Geld einzutreiben, um, klar, ein futuristisches Botschaftsgebäude für die freundlichen Aliens zu bauen, und zwar, natürlich, in Israel. Dann, fast genau vor dreissig Jahren, darf Rael den Planeten unserer Schöpfer besuchen, und die Beschreibung klingt nur ein klein wenig nach fast ganz normalen, präpubertären Phantasien: Es gibt nackte, wunderschöne Sklavinnen, die maschinell hergestellt werden und daher sowohl dumm als auch gefühllos sind. Es gibt "rosarote und blaue Eichhörnchen mit Teddybärkopf" und außerdem Automobil- und Motorradsport. Mit anderen Worten: Ein echtes Paradies für alle, die, naja, die sich kein besseres Paradies vorstellen können. Vor knapp zwei Jahren dann wurden die Raelianer auch uns Nicht-Spinnern bekannt, denn ihre Tochterfirma Clonaid verkündete die Herstellung von ein oder zwei Klonbabies. (Leider teilte die wie üblich überkritische Öffentlichkeit nicht einfach die Begeisterung, sondern verlangte Beweise und ähnliches uncooles Zeug.)

Nun aber ist es ruhig geworden um die sympathisch durchsichtige Sekte. Keine weiteren Klonkinder, seit fast einem Jahr keine News bei Clonaid, die Botschaft der Aliens weiterhin nur ein Wunschtraum, und Raels Bart sah auch schon mal besser aus. Wir beenden hiermit das Schweigen und weisen darauf hin, dass schon morgen die Feierlichkeiten zum 30sten Jubiläum des Besuches Raels bei den Ausserirdischen beginnen, und zwar weder in Israel noch sonstwo im All, sondern in Salgesch in der Schweiz, Centre de loisirs, SPORTFIT, Littenstrasse (Abbildung oben). Massenlager mit 20 Betten, grosszügige Sportanlagen.

Aleks Scholz | Dauerhafter Link


04.10.2005 | 15:34 | Sachen kaufen | Zeichen und Wunder

How to rock the cradle


(Aus historischen Rechteklärungsgründen ist hier kein Bild. Aber im 20 Jahre Riesenmaschine-PDF gibt es entweder ein Bild oder eine Bildbeschreibung.)
Kleine Kinder, so geht die Mär, schlafen besser ein, wenn ihre Schlafstatt sanft hin- und hergewiegt wird. Unerfahrene Eltern veranstalten diesbezüglich gern bizarre Dinge, wenn der Fant nicht schnell genug einschläft, so fahren sie ihre Brut des Abends im Kinderwagen durch die Wohnung oder drehen in schweren Fällen auch mal eine Runde im Automobil, um das endlich eingeschlafene Wesen dann wieder vorsichtig in die Wohnung zurückzuportieren. Einfacher soll es mit dem Lullabub Cot Rocker gehen (gesehen bei Flabber). Die vier Füsse sind mit einer einlullenden Pneumatik versehen, werden jeweils unter die Füsse des Kinderbetts gestellt und schaukeln durch computerkoordinierte Bewegungen das Kind langsam in den Schlaf. All dies ist drahtlos fernbedienbar. Der Cot Rocker soll sogar Koliken heilen. Wir hingegen können uns durchaus vorstellen, dass er auch Koliken auslöst.


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