Riesenmaschine

29.09.2005 | 17:36 | Alles wird schlechter | Sachen kaufen | Vermutungen über die Welt

Brainshrink to fit

In der verstorbenen Literaturzeitschrift "Der Rabe", genauer im maritimen Raben schreibt der sehr lustige Joseph von Westphalen im totkomischen Essay "Das Tretboot", dass man sich nicht über etwas lustig machen solle, über das jeder spotte, das sei keine Kunst. Im Prinzip hat er damit völlig recht, es gibt jedoch Grenzen, denn für gewisse Sportgeräte besteht gewissermassen Spottpflicht. Hier ist zunächst die Gazelle Silhouette zu nennen. Das im Schweizer TV vom bekannten Tony Little angepriesene Fitnessgerät lässt sich durch die Abbildung in seiner ganzen Erbärmlichkeit leider nur erahnen. Man muss gesehen haben, wie Arme und Beine in irrwitziger Geschwindkeit hin- und herzischen, um zu erahnen, dass wir hier vermutlich die technische Speerspitze einer Sekte vor uns haben, deren Ziel die Vernichtung der Menschheit durch eine letale Lächerlichkeitsdosis ist.
Nicht weit hinterher steht das Produkt Exycle, nur soll hier offenbar neben der Lächerlichkeit eine zweite Vernichtungsmethode angewandt werden: Die Unfallgarantie im Strassenverkehr. Den, das oder die Excyle hat Riesenmaschinen-Leser Toni entdeckt – dankeschön. Natürlich wissen wir zu würdigen, dass die Fitness-Industrie alle möglichen (und auch unmögliche) Anstrengungen unternimmt, um mit immer neuen wirren Produkten die immer gleichen verwirrten Zielgruppen zu erreichen. Trotzdem wagen wir an dieser Stelle, dem Leser explizit mitzuteilen, was er bereits ahnt: Ein halbes Jahr regelmässiges Joggen oder Radfahren verbraucht wesentlich mehr Kalorien als einmal auf der Strasse zu "excyclen", von Kindern ausgelacht zu werden, schamgerötet mit der absurden Lenkerkonstruktion gegen einen Baum zu fahren und dann monatelang im Krankenhaus zu liegen.


Kommentar #1 von Bernd:

Als Erfinder von Exycle stimmt es mich sehr optimistisch, dass sich Experten damit auseinandersetzen und zu qualifizierten Beurteilungen kommen, sogar vor Gesundheitsschäden warnen, wie es bei der Erfolgsgeschichte Eisenbahn auch folgendermassen geschehen ist:
Die zentrale Aussage des um das Jahr 1835 erstellten Gutachtens bestand darin,
Reisen mit der Eisenbahn sei gesundheitsschädlich und sollte verboten werden.
"Ortsveränderungen mittels irgend einer Art von Dampfmaschine
sollten im Interesse der öffentlichen Gesundheit verboten sein. Die
raschen Bewegungen können nicht verfehlen, bei den Passagieren die
geistige Unruhe, 'delirium furiosum' genannt, hervorzurufen. Selbst
zugegeben, dass Reisende sich freiwillig der Gefahr aussetzen, muss
der Staat wenigstens die Zuschauer beschützen, denn der Anblick ei-
ner Lokomotive, die in voller Schnelligkeit dahinrast, genügt, um die-
se schreckliche Krankheit zu erzeugen. Es ist daher unumgänglich nö-
tig, dass eine Schranke, wenigstens sechs Fuss hoch, auf beiden Seiten
der Bahn errichtet werde."
Es ist also kein Privileg der Politiker über Dinge Statements abzugeben, mit denen man sich praktisch nie auseinandergestzt hatte und von denen man garnichts versteht.
Auslachende Kinder gab es bisher jedenfalls noch nicht jedoch begeisterte Kinder. Warum soll man gegen einen Baum fahren?

26.10.2005 | 18:08

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