Riesenmaschine

09.11.2005 | 16:10 | Anderswo | Zeichen und Wunder | Vermutungen über die Welt

Begrabt mein Herz an der Biegung der Autobahn

Noch mehr Seltsamkeiten aus dem seltsamen Land Südkorea. So stirbt der Koreaner beispielsweise gleich zwei Mal. Zurückzuführen ist das auf die ganz spezielle Art der hiesigen Bestattung. Die Koreaner lassen sich nämlich nicht einfach so in einem Grab verscharren, sondern ziehen es vor, unter einem rund einsfuffzich Meter hohen, kreisrunden Hügel zu verwesen. Erst wenn dieser Hügel nach rund 100 Jahren in sich zusammengesunken ist und das Grab damit nicht mehr erkennbar, sei der koreanische Mensch, so heisst es, auch wirklich ganz hinüber. Früher liess man sich in Korea vorzugsweise auf einem Berg im Wald begraben. Heute wird, wie dieses Bild von der Autobahn Jinju – Kwangju zeigt, eine erhöhte Position am Rand der Autobahn bevorzugt. Warum, das ist bis heute nicht geklärt. Eventuell lieben es die koreanischen Zombies, sich in den hundert Jahren ihres zweiten Sterbens an den Verkehrstoten zu delektieren, die auf den Schnellstrassen anfallen.

Fest steht jedenfalls, dass man in dem kleinen, beinstumpfförmigen Land ein eher relaxtes Verhältnis zum Tod hat, selbst wenn er unerwartet und massenweise eintritt. Nicht zuletzt beweist das dieser Klopapierspender, den die Riesenmaschine in einer Toilettenkabine auf einer Raststätte vorfand, die ebenfalls an genannter Autobahn liegt. Was das nun wieder bedeuten soll? Die allzu nahe liegende Antwort geben sie sich bitte selber. Minder assoziationsbegabte Zeitgenossen klicken hier.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Asien Spezial: Korea & Vietnam

Christian Y. Schmidt | Dauerhafter Link | Kommentare (1)


Kommentar #1 von orkus:

Ist doch cool, 100 Jahre Autobahn gucken, da ist jede Wiedergeburt doch nur Verschlechterung.
Und dass NY für`n Arsch ist, hat mit der jeweils aktuellen Skyline nix zu tun. Für die Toten: Blick auf die Autobahn, für die Lebenden: auf einen Ort viel schlimmer als der momentane!

10.11.2010 | 02:36

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