Riesenmaschine

16.11.2005 | 16:36 | Alles wird besser | Sachen kaufen

Mein Dank an die Firma Henkel


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Seit geraumer Zeit komme ich – aus nicht restlos geklärten Gründen – in den Genuss, mit den jeweils jüngsten Produkten der Firma Henkel versorgt zu werden. Offenbar bin ich in den Entscheidungsträgeradresssatz der Marketingabteilung gerutscht, und am liebsten stelle ich mir vor, dass es die Adresssatzverwaltungsbeauftragte selbst war, die mich bei einem der halbjährlich erfolgenden Adresssatzerweiterungsmeetings für Osteuropa in einem gediegenen, aber nicht übermässig schicken Hotel in Wien, Prag oder Budapest auf die Liste reklamiert hat – offiziell, weil ich als stellvertretender Chefredakteur einer polit-hedonistischen Stadtpostille eine zielgruppenrelevante Position einnehmen, in Wahrheit aber, weil sie meine Kolumnen so gern liest. Es vergehen keine zwei Wochen, in denen nicht eines der sofort identifizierbaren Henkel-Pakete eintrifft, denen ich dann unter unterschiedlich dichten Begleitgestöbern von Verpackungsmaterial die neuesten Hervorbringungen dieses Konzerns entberge. Während ich die Körperpflegeprodukte sofort der freien Entnahme der Kollegenschaft anheim stelle (Metrosexuelle zeichnen sich durch eine leicht affige Abneigung gegenüber kommunen Drogeriemarktartikel aus), trage ich die Dingreinigungsmittelchen sofort freudig nach Hause, selbst wenn ich mich persönlich vom Silan Weichspüler mit Wild-Rosen-Essenz jetzt genderdesignmässig nicht restlos abgeholt fühle. Umso entzückter war ich, als Opti mit pflegendem Bienenwachs und Opti Holz-Reiniger mit Leinöl just zu der Zeit auf den Markt kamen, als ich meine neue Wohnung mit Tischen und Einbaukästen versorgen liess. Auch mit dem Sil Oxijet perfect Fleckengel habe ich schon manch schönen Erfolg erzielt, und Fewa Black Magic mit Schwarzfixierer ist ohnedies im Dauereinsatz – ein Produkt, auf das Heavy Metal Fans, geistliche Würdenträger, Architekten, Ausstellungskuratoren und Kunstkatalogvorwortschreiber schon seit Jahrzehnten bzw. -tausenden gewartet haben. Bevor ich das nächste Mal dann auch die ein oder andere kritische Anmerkung machen möchte, wollte ich mich doch zunächst einmal bei der Firma Henkel und ihrer Adresssatzverwaltungsbeauftragten freundlich bedanken.

Klaus Nüchtern | Dauerhafter Link | Kommentare (8)


Kommentar #1 von flix:

auch theatertechniker und roadies freuen sich darüber, das ihre geliebten schwarzen klamotten jetzt länger schwarz bleiben und sie selbst somit im halbdunkel der hinterbühne länger unsichtbar.

16.11.2005 | 20:04

Kommentar #2 von Markus Apogäum:

Der erste Riesenmaschinebeitrag, der beruhigend ohne Links auskommt, ich warte auf eine Fortsetzung, weil der Putzmittelsektor keineswegs frei von bescheuerten Innovationen gefeit ist, was sah ich unlängst: Pril mit Vanilleessenzen, wenn das Wendedikt Jerowejew noch miterlebt hätte.
Spannend, wann sich die Limonadenen- mit ihren Geschmäckern mit denen der Putzmittelentwicklern andocken bzw decken, Ayurvedapril mit Wellnesscola mit Aloe Vera.
Und wenn dann auch noch das Hundefutter mitziehen könnte, wären die eine der 3 flexibelsten Innovationsschulen vereint

16.11.2005 | 20:26

Kommentar #3 von Holm:

vgl. dazu auch hier

16.11.2005 | 21:24

Kommentar #4 von Korrekturwin:

Wo sehen Sie, Frau oder Herr Holm, Putzmittel in Ihrem Eigenlink?

16.11.2005 | 23:25

Kommentar #5 von Abstraktionsvermögen:

Man ruft mich?

16.11.2005 | 23:27

Kommentar #6 von Marcus:

Ach, wenn doch Henkel auch mich zum Waschmitteltester erkiese! Regelmässig ärgere ich mich darüber, dass der Hersteller stillschweigend die Düfte seiner Reinigungserzeugnisse verändert: Immer wenn man mal glaubt, ein Mittel gefunden zu haben, dessen Geruch einem angenehm ist, wird ein halbes Jahr später die Rezeptur verändert. Verärgert schrub ich an die Kundenberatung, weshalb die Firma annehme, der Verbraucher liebe an seiner frisch gewaschenen Kleidung Gerüche zwischen Oma-Parfum und Klostein, und bekam zur Antwort, die Duftnoten seien das Ergebnis zahlreicher Produkttests.

18.11.2005 | 14:27

Kommentar #7 von Routinekontrolle:

Es muss natürlich "erköre" heissen oder wenigstens "erkieste", aber was soll man schon von Leuten erwarten, die schruben.

18.11.2005 | 15:37

Kommentar #8 von Marcus:

Da haben Sie zwar Recht (alte RS: recht), aber schade ist's. Den schönen Infinitivstamm erkies- liest man viel zu selten.
Ist 'schrub' jetzt Nineties und démodé?
Die Funktion, die in Kommentaren das Eszet durch Doppel-s ersetzt, ist auch nicht soo lustig.

18.11.2005 | 17:58

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