Riesenmaschine

19.11.2005 | 17:25 | Anderswo | Zeichen und Wunder

Ostmoderne.com

Wenn man in der Hohen Tatra durch den nadeligen Bergwald stolpert, kann man auf verschieden Merkwürdigkeiten stossen. Etwa auf Millionen zerstörter Bäume, denn auf den Tag genau vor einem Jahr fegte ein erbarmungsloser Orkan über das Gebirge und riss die Hälfte aller Bäume dort in den Tod. Man kann aber auch auf das abgebildete Gebäude stossen. Es handelt sich um das bemerkenswerte Hotel Panorama in Štrbské Pleso des slowakischen Architekten Zdenik Rihák, erbaut 1965 bis 1970. Das dicht an der schillernden Grenze zur nachgebauten Halluzination entlangtänzelnde Bauwerk ist Teil einer bisher aufmerksamkeitsvernachlässigten Architektur, der Ostmoderne. In die Öffentlichkeit getragen wurde dieser Wortspieltitel einer Bauära von den Machern einer höchst wunderbaren Website: Ostmoderne.com. Dort versammeln die Architekten Maik Novotny und Benjamin Konrad und die Fotografin Hertha Hurnaus die Bauten dieser Nachkriegsrichtung aus Osteuropa. Dass das nicht nur a) kulturell notwendig ist, solange die teilweise abrissgefährdeten Bauten noch stehen, sondern b) auch interessant und c) super fotografiert ist, ist inzwischen sogar in die Hochkultur hochgesickert: Das Louvre stellt einen Teil der auf der Website versammelten Fotos auf der morgen zu Ende gehenden Messeausstellung Paris Photo aus. Konzeptbauten mit dem spröden Charme zwischen subversivem Beton-Ostpop und sozialistischer Farbgestaltung sind aber nicht das einzig Abgebildete. Wie an den Fotografien unten zu erkennen, wurden auch innenarchitektonische Werke geschaffen, die die damaligen Architekten offenbar hemmungslos von vielen, vielen heutigen Clubdesignern kopiert haben.

(Lounge für Regierungsmitglieder, Flughafen Bratislava, J. Bahna, V. Vilhan, 1973)


Kommentar #1 von godany:

da können sie ja auf die frau hurnaus auch noch linken, meint man: http://www.hurnaus.com

19.11.2005 | 20:05

Kommentar #2 von Dmitri:

Vielen Dank fuer die korrekten Haekchen in den slowakischen Ortsnamen; das Wort Schtrbske erzeugt uebrigens nach mehrstuendigem Ueben eine nach unten gewoelbte Zunge, die dazu fuehrt, dass man wochenlang nur sch und ch Laute herausbringt. Dies ist zudem die Erklaerung, warum meine berufliche Laufbahn so unbefriedigend verlaeuft.

20.11.2005 | 00:39

Kommentar #3 von irgendwem:

nämlich wohin genau?
(Zungenbrecher, Folterknecht? autsch, ich meinte eigentlich Chiroplastriker)

20.11.2005 | 02:29

Kommentar #4 von irgendwem:

Chiroplastikrer ohne zweites r sowieso, "unkorrigierbares Tippen um 3 birgt Fallen" (Jean Luc Godard)

20.11.2005 | 02:34

Kommentar #5 von Daniel Erk:

Super! Ich fordere einen Riesenmaschinebetriebsausflug. Nachdem die gestrige Weihnachtsfeier schon so hübsch "feucht-fröhlich" war.

20.11.2005 | 21:49

Kommentar #6 von dr. no:

Der zentrale, in den siebzigern erbaute, Teil von Štrbské Pleso sieht aus wie von eboy geplant. Interessant anzusehen allerdings die klassisch modernen Sanatorien am Fusse der Hohen Tatra.
Der Profi rollt übrigens das R bei der Aussprache des Wintersportortes.

27.11.2005 | 20:14

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