Riesenmaschine

25.11.2005 | 14:17 | Berlin | Zeichen und Wunder | Vermutungen über die Welt

Baumbeschilderungsreformen

Reformstau, was ist das? Eine sympathische Einstellung, die die Abteilung Grünflächeninspektion von Friedrichshain-Kreuzberg in Berlin offenbar an den Tag legt. Und so wird dort munter vor sich hinreformiert, und zwar im unfassbar wichtigen Bereich Baumnummerierung, Unterabteilung Beschilderung. Wie man dem nebenstehenden Bild – entstanden Paul-Lincke-Ufer Ecke Forster Strasse – entnehmen kann, scheint man bei der Verwaltungsbehörde zur Baumbeschilderung irgendwann eingesehen zu haben, dass die in weisser Farbe aufgetragenen Baumnummernschilder doch nicht ideal sind. Wind und Wetter, Wuchsschäden, Borkenkäfer – Farbe auf der Rinde hat viele Feinde. Wahrscheinlich kam man zum Schluss, dass angenagelte Schilder besser sind. Und wo man schon mal dabei war, nummerierte man die Bäume um. Aus Baum 59/13 wurde Baum xxx, die Nummer auf dem schwarzen Schild liess sich nicht mehr eruieren, sie muss jedoch drei- statt vierstellig gewesen sein.

Einige Zeit später wird ein junger Baum- und Forsthilfsassessor mit Karrieredrang ein flammendes Pamphlet gegen schwarze Baumschilder bei der Grünflächeninspektion in Umlauf gebracht haben. Er sah in einer vollständigen, 100%igen Totalreform seine Chance, schrieb ein vermutlich dutzendseitiges Konzept namens "Baumbeschriftungsreform des Bezirkes Friedrichshain Kreuzberg unter Berücksichtigung der grosspolitischen und weltwirtschaftlichen Veränderungen des 21. Jahrhunderts". Er stiess beim Oberbaumbeschilderungswart des Überbezirklichen Hauptgrünflächenamtes auf offene Ohren: Das weisse Baumschild wurde eingeführt, inklusive einer anderen Nummerierung, bei diesem Baum nämlich die Nummer 124. Doch auch dieser Vorgang mag länger her sein, die Nägel der weissen Schilder sind zum grossen Teil verrostet. Die Riesenmaschine wird daher die Baumbeschilderungsszene weiter intensiv beobachten – eine neue Reform kann nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wir hoffen auf eine Lösung, die mindestens Bluetooth, hoffentlich aber auch GPS und ein Autotagging-Webcam-Vlog (Web 2.0!) enthält und antizipieren die entsprechende Schlagzeile des Berliner Baumboten: "Grünflächeninspektion überspringt das 21. Jahrhundert!"


Kommentar #1 von pascal:

und ganz wichtig: das ganze finanzieren wir dadurch, dass wir es zum exportschlager machen... die chinesen nehmen doch alles...

25.11.2005 | 17:37

Kommentar #2 von HCL:

neenee.
als nächstes passiert dies:
"Während die Kinder forschen, werden von den Erwachsenen die Nummernschilder ausgetauscht gegen Schilder mit Nummer UND Baumart"
(siehe dort: http://www.baumschlau.de/ >> GALERIE)

25.11.2005 | 17:45

Kommentar #3 von Hansen:

Die Vorfinanzierung läuft über Kredite der Landesbank Berlin. Die kriegt ihr Geld natürlich nur dann zurück, wenn die Han, Zhuang, Manju, Hui, Miao, Uiguren, Tujia, Lolo (veraltet), Mongolen etc. tatsächlich arabische Ziffern nutzen?
Irgendein sinologisch Bewanderter hier zugegen?

25.11.2005 | 17:47

Kommentar #4 von asleif:

gps ist natürlich _die_ killerapplikation für bäume! man denke nur, wieviele bäume sich jedes jahr einfach aus dem staub machen (und als bauholz oder dergleichen enden...).
grossartig auch für baumkuschler, die vergessen haben, wo ihr lieblingsbaum steht!
gruss,
asleif
(http://www.midvinterland.de)

25.11.2005 | 18:48

Kommentar #5 von irgendwem:

und wo bleiben Geo-Tagging und RFID? Baum 2.0?

15.08.2008 | 18:28

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