Riesenmaschine

11.12.2005 | 05:21 | Nachtleuchtendes | Fakten und Figuren

Die dunkle Seite


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
"Irgendwie dunkel" titelte die ZEIT cirka im Jahr 2001 zur Entdeckung der Dunklen Energie, bis heute eines der grössten Rätsel und damit eine der grössten Herausforderungen für die moderne Wissenschaft – gleichzeitig aber das Comeback des Jahrhunderts. Rückblende: Ein junger Mann namens Einstein war so cirka 1917 restlos davon überzeugt, dass das Universum statisch sein müsse, also weder expandiert noch kontrahiert, und baute daher kurzerhand ein grosses Lambda=-1 in die Gleichungen zur Entwicklung des Universums ein, die kosmologische Konstante. Lambda hielt das Weltall stabil, also theoretisch. Dies wiederum war nicht sehr lange haltbar: Edwin Hubble, Hobbyboxer und Rechtsanwalt, mass Geschwindigkeiten von Galaxien und fand Ende der 20er die Expansion des Universum. Einstein reagierte umgehend und nannte Lambda den grössten Fehler seines Lebens.

Kaum achtzig Jahre später, Einstein ist mittlerweile einfach so gestorben, geschieht folgendes: 1998 stellt sich heraus, dass das Weltall nicht nur expandiert, sondern dabei (grob gesagt) auch noch immer schneller wird, von irgendwas beschleunigt, das seitdem allgemein als "Dunkle Energie" bekannt ist. Normalerweise trägt man der Dunklen Energie Rechnung, in dem man einen Zusatzterm in die kosmologischen Formeln einbringt, im Prinzip dieselben Gleichungen, mit denen Einstein haderte. Was dieses dunkle Zusatzzeug genau sein soll, weiss niemand, aber zumindest kann man "Es" seit neuestem ziemlich akkurat ausmessen. Im Prinzip muss man nur dasselbe wie Hubble tun: Entfernungen und Geschwindigkeiten von möglichst vielen Galaxien bestimmen. Die Komplikation dabei: Es handelt sich um Objekte, die Gigalichtjahre entfernt sind. Erste Ergebnisse des grössten Projekts dieser Art, durchgeführt von einem vorwiegend kanadisch-französischen Team, zeigen leicht überraschend, dass sich dieses dunkle Etwas kaum in Zeit und Raum verändert, es ist offenbar, hm, konstant. Konstant! Eine Konstante praktisch also! Die neuen Messungen ergeben zudem, dass diese Konstante, nennen wir sie, nur aus Spass, "Lambda", praktisch gleich minus eins ist – und plötzlich erscheint der Blödsinn Einsteins in einem völlig anderen Licht. Er hat das alles schon gewusst, nur falsch ausgedrückt.

Die Lehre daraus: Nie Fehler zugeben, nie. Was hätte aus diesem Einstein werden können, er könnte heute richtig berühmt sein.


Kommentar #1 von CottonIJoe:

So ein Pech. Wieder ein Genie unbemerkt in der Versenkung verschwunden. Genau wie dieser eine Kerl der die allgemeine und spezielle Relativitätstheorie aufgestellt hat, dieser Dings... äh, Alfred...? Hm.

11.12.2005 | 11:32

Kommentar #2 von Joie:

Weiters stellt sich die Frage vom ein Bild von der dunklen Materie mit "/holm_friebe_nackt.jpg" betitelt ist?
Fragen über Fragen....

11.12.2005 | 15:56

Kommentar #3 von kleinstein:

Wie kann denn eine Konstante, die bei Einstein die Statik des Universum sichert, heute plötzlich die Expansion dieses Universums erklären?
Mussten die Gleichungen dafür umgebaut werden –
oder das Universum? Oder weiss man lediglich, dass die "dunkle" Konstante etwa der kosmologischen Konstante gleicht, und hat noch keine Ahnung, wie sie einzubauen ist?

11.12.2005 | 19:42

Kommentar #4 von Aleks Scholz:

Genau solche Fragen bereiten mir nachts Schlafstoerungen. Nur so ungefaehr: Die kosmologische Konstante ist eine Art Energie des leeren Raums. Einsteins (theoretisches) Universum unterscheidet sich vom aktuellen, und es wuerde ohne kosmologische Konstante kontrahieren. Durch Einfuehrung von Lambda haelt er das Weltall stabil. Lambda wirkt also, auch bei Einstein, in die Richtung der Expansion. Genau so ist das mit der Dunklen Energie auch, sie beschleunigt die Expansion. Lambda ist zudem nur eine Variante, die Dunkle Energie zu erklaeren, eine andere heisst Quintessenz, aber bitte quaelen Sie mich nicht weiter.

11.12.2005 | 20:16

Kommentar #5 von Aleks Scholz:

Ah, noch ein Punkt ist, glaube ich, wichtig: Einsteins Lambda ist nicht nur Bloedsinn, sondern auch noch Bloedsinn, denn es haelt das Universum gar nicht stabil. Eine winzige Stoerung koennte es z.B. zur Expansion bringen. Expansion aber hiesse mehr Raum, also mehr Energie des leeren Raums, also mehr Lambda, was wiederum die Expansion beschleunigt. So kann man vielleicht am ehesten verstehen, warum Einsteins Lambda in der Tat Dunkle Energie sein koennte.

11.12.2005 | 20:22

Kommentar #6 von Aleks Scholz:

Offen natuerlich noch die Frage, warum das Ding jetzt expandiert, und nicht etwa kontrahiert. Ich behaupte jetzt, und das ist das Letzte, was ich heute behaupte, es haengt von der Dichte des Universums ab, ob die Fluchtgeschwindigkeit durch Urknall irgendwann geringer wird und sich umkehrt oder halt nicht. "Halt nicht" ist in diesem Fall vermutlich die richtige Antwort.

11.12.2005 | 20:24

Kommentar #7 von Aleks:

Loser Blisset, was sagst Du eigentlich zu diesem Thema?

11.12.2005 | 20:25

Kommentar #8 von Loser Blissett:

Mein lieber Freund, Einstein ist mir unbekannt, genauso wie Per Olov Enquist. Ich habe mich deshalb erstmal über Enquist informiert, der mir heute im Rahmen des Standard-Nobelpreisdissings (Pinter, Jelinek) mit dem unvermeidlichen Philip Roth wieder als sehr viel besserer Kandidat empfohlen wurde. Nun halte ich Roth für okay, aber was das googlebare Feuilleton über den mir bis heute unbekannten Skandinavier meldet, klingt geradezu sensationell. Sein letztes Buch ist eine Liebesgeschichte o.s.ä. von Blanche Wittman und Marie Curie (über die Einstein schreibt, sie sei eine »Häringseele, das heisst arm an jeglicher Freude und Schmerz«), und dann lese ich eine Leseprobe, und nun frage ich mich seit Stunden, bin ich verrückt geworden oder der Rest der Welt? Ist irgendwo in diesem Text noch dunkle Materie versteckt, die zufällig an mir vorrüberrauschte? Oder haben Katharina Granzin, Rose-Marie Gropp, Andreas Breitenstein, Thomas Steinfeld, Verena Auffermann und Ina Hartwig nicht nur Cotton-Joe-mässig kleine Pimmel sondern auch himmelweit den Arsch offen? Und ich meine, es geht nicht um dieses Enquist-kann-nicht-schreiben. Viele grosse Schriftsteller konnten nicht schreiben und haben trotzdem hübsche Riemen rausgehauen und auch Nobelpreise gewonnen, aber diese Prosa ist undruckbar, unverlegbar und auch für Elke-Heidenreich-Leserinnen trotz sechsundzwanzigfacher Wiederholung des Wortes Liebe gewiss ungeniessbar. Also, was sagt das über meinen Geisteszustand? Ratlos, Ihr Blissett.

11.12.2005 | 22:02

Kommentar #9 von einer empörten Leserin:

Schön und gut, aber wo ist denn da die Leseprobe?

11.12.2005 | 22:07

Kommentar #10 von kleinstein:

Philip Roth ist sicher okay, würde aber von Joseph Roth sicher unter jeden Tisch gesoffen. Mit oder ohne Prozac.
Aber zurück zum Thema:"...und es wuerde ohne kosmologische Konstante kontrahieren. Lambda wirkt also, auch bei Einstein, in die Richtung der Expansion." ist doch genau das, was ich wissen wollte.
Jetzt noch zu expandierenden, kontrahierenden oder womöglich oszillierenden Universen. Wenn ich #6 richtig verstehe...
Aber dazu später. Schlafen Sie erstmal ungestört.
Oder doch. Eine Grundlageninfo brauche ich noch zum Weiterüberlegen: Nimmt die Gravitationswirkung zwischen zwei Masseobjekten mit zunehmender Entfernung eigentlich ab?

11.12.2005 | 22:20

Kommentar #11 von Aleks:

Lieber kleinstein, das ist zum Glueck so einfach, dass es mich sogar beruhigen wird, darauf zu antworten. Die Gravitationskraft ist proportional Entfernung hoch minus zwei, damit nimmt sie, wie Sie richtig schreiben, mit zunehmender Entfernung ab. Seltsam an der Dunklen Energie ist also, dass sie wie umgekehrte Gravitation wirkt, also umgekehrt im Sinne von andersrum, aber das kann man sich ja denken. Ich bin ploetzlich so muede.

11.12.2005 | 22:28

Kommentar #12 von einer beschwichtigten Leserin:

Ach so, jetzt ist da eine Leseprobe, wo vorher keine war.

11.12.2005 | 22:28

Kommentar #13 von von jemandem, der Frau Passig auch so erkennt:

Ja und, wie fanden Sie's?

11.12.2005 | 22:33

Kommentar #14 von jemand weiterhin total Anonymem:

Lieber Herr Blissett, "kleine Pimmel", "hübsche Riemen", "himmelweit den Arsch offen", man kann sich unschwer denken, was Ihnen an Poloch Enquists Prosa missfällt. Über Ihren Geisteszustand weiss ich zu wenig, aber entspannen Sie sich mal untenrum, dann flutscht es auch mit Enquist vielleicht doch noch.

11.12.2005 | 23:31

Kommentar #15 von nachhilfeschüler kleinstein:

Der Text ist was für Frauen, die sich auch selber T-Shirts batiken. Finde ich.
Aber bevor Sie hier einschlafen, Herr Dr. Scholz: Wenn ich #6 richtig verstehe, bremst die Gravitation die Fluchtgeschwindigkeit des Urknalls. Wenn jetzt gravitative Wirkung mit zunehmender Entfernung abnimmt, hiesse das: Expansion = mehr Raum = weniger Gravitation.
(Steckt ja eigentlich schon in "Dichte". Oder war das nicht Masse durch Volumen? Dumme Zwischenfragen müssen sie schon entschuldigen – Physik ist so lange her.)
Und das wiederum hiesse doch, das Universum müsste mit wachsender Beschleunigung expandieren? Weiss man da was drüber? Oder gibt es draussen irgendwelche "Massegeneratoren"?

11.12.2005 | 23:31

Kommentar #16 von Aleks:

Häh?

11.12.2005 | 23:37

Kommentar #17 von Hausaufgabenaufsicht:

reisst unvermutet die Tür auf
So. Kleinstein, Sie setzen sich mal von Scholz weg und machen Ihre Hausaufgaben alleine oder schlagen wenigstens in der Wikipedia nach. Blissett, Ihren Liebesroman konfisziere ich bis zu den Weihnachtsferien, lesen Sie mal ein gutes Buch. Bitte etwas leiser. Und kein Mobiliar aus den Fenstern werfen, wenn's geht.
schliesst die Tür extra behutsam hinter sich

11.12.2005 | 23:39

Kommentar #18 von kleinstein:

Bin gleich still. Sie sagen doch, es hängt von der Dichte des Universums ab, ob die Fluchtgeschwindigkeit durch Urknall irgendwann geringer wird und sich umkehrt oder halt nicht. Wenn das Universum expandiert, also mehr Raum (heisst mehr Volumen, mehr Abstand) zwischen der vorhandenen Masse entsteht, müsste die zusammenhaltende Gravitation geringer werden. Folglich müsste es mit zunehmender Expansion auch immer schneller expandieren.
Nur noch einen Buchtipp bitte zum Thema, möglichst für Laien und auf deutsch. Dann geh ich auch.

12.12.2005 | 00:05

Kommentar #19 von Hausaufgabenaufsicht:

reisst die Tür wieder auf
Kleinstein! Zum letzten Mal, Sie Laberkopp! Wenn ich noch ein Wort von Ihnen höre, war's das für heute!

12.12.2005 | 00:11

Kommentar #20 von Sitznachbar von kleinstein (flüsternd):

Gleiche Masse => Gleiche Gravitation, du Schnarchnase! Und gib mir endlich den Bleistift zurück!

12.12.2005 | 18:34

Kommentar #21 von kosmar:

"Gleiche Masse => Gleiche Gravitation"
da haben sie evtl die geschwindigkeit ausser 8 gelassen? die macht doch auch noch was, oder? nur so.

27.12.2005 | 00:26

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