Riesenmaschine

28.12.2005 | 13:20 | Alles wird besser | Was fehlt

Wunschzettel 06: Nosepad

Die Welt möge sich umgestalten und ihre Sorgen dabei für sich behalten, wünschte sich bereits die Knef, die heute 80 geworden wäre, und mal abgesehen davon, dass das ganze auf ein Bad in Rosengewittern hinausläuft, ist diesem Wunsch prinzipiell beizupflichten. Allerdings muss hier bereits eingeschränkt werden, denn Umgestaltung per se bedeutet noch keinen Wandel zum Besseren, wie sich unschwer am Beispiel der Emser-Nasendusche, dem Klassiker unter hiesigen Nasenspülprodukten, belegen lässt.
Nasenduschendesign alt (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Seit Jahrzehnten wird dieses ebenso traditionsreiche wie praktische Produkt von der SIEMENS & CO Heilwasser und Quellenprodukte des Staatsbades Bad Ems GmbH & Co. KG vertrieben, und bald ebenso lang orientierte sich das Design in bester Kur- und Sanitätshaustradition umstandslos an der Funktion, Flüssigkeit in Körperöffnungen zu applizieren, vulgo am Klistier. Beworben wurde es allenfalls in der RTV-Beilage der Tageszeitungen, vermarktet wurde nach dem Rockefellerprinzip vor allem das überteuerte Salz in Portionspackungen, während das eigentliche Produkt ein stiefkindliches Schattendasein fristete. Vermutlich hatte man in Bad Ems keinen blassen Schimmer davon, dass die Nasendusche in bester Gonzo-Marketing-Manier längst zum Lifestyle-Accessoir nicht nur unter Koksern avanciert war, so dass selbst Christian Ulmen bei Harlad Schmidt dafür Werbung machte.
Nasenduschendesign neu (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Irgendwie muss die Information dann aber doch durchgesickert sein, weshalb man sich ca. Anfang 2005 zum Redesign entschloss, dessen Resultat ein unförmig-klobiger Nasenduschknochen im selben milchig-blauen Plastik ist, dem unten ein obszöner Siphon entwächst. Das "optimierte Design" ist an Hässlichkeit kaum zu überbieten. So geht es leider gar nicht. Gewünscht hätte man sich statt dessen vielleicht ein Design, dass sich noch stärker am ersten iPod orientiert, der, wir erinnern uns, seinerseits am anachronistischen pharmarzeutischem Gerät orientiert war – der erste Hirnschrittmacher, sozusagen: jene Verbindung aus Pop und Klinik, die schon Damian Hirst für seine Pharmacy fruchtbar gemacht hatte, und die die Erotik der professionellen Sterilität hervorkehrt.
Nasenduschendesign in spe (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Eine Verbindung aus aseptischem Chrom und einem Weiss, das an "gestärktes Linnen" (Douglas Adams) privater Luxuskrankenhäuser erinnert, hätte es sein müssen, verpackt in einem kompakten Gerät, das neben Mobiltelefon und Digitalkamera zum ständigen Begleiter durch die Nacht werden kann. So ein "Nosepad", das meinetwegen auch anders heissen darf, würde ich mir für 2006 wünschen, und ich bin sicher, dass es dafür einen Markt gibt, mehr noch: Dass sich unsere Enkel dermaleinst fragen werden, wie jemals jemand ohne dieses Ding das Haus verlassen konnte. Falls irgendein Verantwortlicher der obengenannten Firma durch Zufall über diesen Eintrag stolpern sollte: Gern wäre die Riesenmaschine bei der Entwicklung behilflich und würde dafür sogar auf Honorar verzichten, sofern eine Erfolgsbeteiligung rausspringt.


Das beste Duschgel der Welt (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Desweiteren wünsche ich mir, dass das hervorragende thailändische Duschgel Shokubutsu Monogatari in der Geschmacksrichtung "Orange Peel Oil" auch hierzulande verfügbar wird, denn meine Vorräte gehen lansam zur Neige, und dass die Berliner Taxifahrer nicht immer murren und mäkeln, wenn man den formidablen 3-Euro-Tarif verlangt, der durchaus zur Lebensqualität dieser Stadt beiträgt und den wir uns ja nun mal nicht ausgedacht haben.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Dahin führt unser Weg


Kommentar #1 von Klaus Cäsar:

Nicht dass das etwa interessant wäre, aber als ich anno 2003 die Anschaffung einer Emser Nasendusche tätigte, händigte mir der Apotheker bereits ein redesigntes Exemplar aus.

29.12.2005 | 23:14

Kommentar #2 von pascal:

irgendwas ist an dem 3-€-Tariflink faul.

30.12.2005 | 20:34

Kommentar #3 von Till:

Shokubutsu ist, mit Verlaub, scheisse.
Jedenfalls wenn man es fuer ein Shampoo haelt – was ich tat. Verdammt nochmal, das ist es nicht.!
Ich wuensche mir mein Haar zurueck.

31.12.2005 | 12:39

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