Riesenmaschine

02.03.2006 | 21:45 | Anderswo | Alles wird schlechter

Völkermord in der Schweiz!


Völkermord: so einfach gehts
(vorher – nachher) (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Das Böse schlägt ja oft dort zu, wo man es am wenigsten erwartet: zum Beispiel in der idyllischen Schweizer Bergwelt. Also dort, wo die vierte Schweizer Landessprache zuhause ist, das Rätoromanisch. Es handelt sich beim Rätoromanischen um eine eigenständige, lateinische Sprache, die gerade noch von rund 35.000 Berglern gesprochen wird. Erschwerend kommt dazu, dass das Rätoromanische wiederum in 5 sehr unterschiedliche Dialekte zerfällt, die langsam aussterben. Bereits 1938 wurde die Sprache als vierte Landessprache anerkannt, in den 1980er Jahren wurde mit dem Rumantsch Grischun eine gemeinsame Schriftsprache geschaffen und seit 1999 ist diese offizielle Amtssprache. Natürlich wird das Rätoromanische, wie alles was alt ist und ausstirbt, mit Bundesgeldern und per Gesetz gehätschelt und gepflegt. Wer also sein Manuskript oder sein Demotape immer wieder zurück geschickt bekommt oder schon immer eine eigene Zeitschrift herausgeben wollte: ist das Ganze in Rätoromanisch, ist ihm Unterstützung von ziemlich weit oben gewiss.

Doch kürzlich scheint es den Verantwortlichen im Bundesamt zu bunt oder einfach zu teuer geworden und man bat die Kollegen vom Bundesamt für Gesundheit um nichts Geringeres als um Behilfe zum Völkermord oder zumindest zur ethnischen Säuberung. Die rätoromanische Minderheit soll ausgerottet werden. Dazu hat man sich eine äusserst hinterhältige Methode ausgedacht: während man neuerdings alle anderen Sprachgruppen vor den tödlichen Folgen des Rauchens mit riesigen Hinweisen auf den Zigarettenpackungen warnt, lässt man die rätoromanischen Minderheit blauäugig und naiv in den Lungenkrebshammer laufen. Kein Wort über Gefahren und Risiken, sie werden alle sterben.

Das, liebe Verantwortliche im Bundesamt, wird euch in der Karma-Endabrechnung dereinst teuer zu stehen kommen. Die verlegen gemurmelte Ausrede, es wäre gar nicht ernsthaft um eine Warnung gegangen, sondern lediglich darum, die Zigarettenpackung hässlich und uncool zu machen, die wird euch dann nämlich nichts mehr nützen.


Kommentar #1 von Kelmo van Steverding:

Zweifellos einer der besten Beiträge der Welt.

03.03.2006 | 00:10

Kommentar #2 von Mondsplitter:

Das fängt doch sicherlich schon im Kindesalter an. Ich kann mir zumindest nicht vorstellen, dass McDonald's den Satz: "Von Kindern unter 3 Jahren fernhalten, da Kleinteile verschluckbar." ins Rätoromanische übersetzt.

03.03.2006 | 07:03

Kommentar #3 von Diki:

Vielleicht ist das ein hinterhältig darwinistischer Versuch, die 35.000 verbliebenen Rätorömer über den Umweg der Auslese aller Unbelehrbaren zum Erlernen von Fremdsprachen zu bewegen. Die harte Tour sozusagen, nachdem die Orangensaftpackung (deren gesundheitsförderliche Wirkung ebenfalls nur fremdsprachlich gekennzeichnet ist) das Pferd nicht aufgezäunt bekommen hat.

03.03.2006 | 23:23

Kommentar #4 von Frank:

...und Platz für den rätoromanischen Warnhinweis gäbe es doch durchaus noch ausreichend: Schliesslich steht die Vorderseite der Packung noch vollständig zur Verfügung!
(oh wir ehemaligen Raucher können ja so grausam sein...)

03.03.2006 | 23:58

Kommentar #5 von irgendwem:

frank, da steht 'vorher – nachher', nicht etwa 'vorne – hinten'. vorher meint so was wie früher, also die zeit, in der die packungen die warnhinweise noch nichtg tragen mussten. die rückseite von nacher, also jetzt, sind ähnlich beschriftet wie die vorderseite, die hier abgebildet ist.

04.03.2006 | 14:49

Kommentar #6 von Pazl.ch:

Aufgrund der – zugegeben etwas verspäteten – Lesung dieses völkerrechtlich sicher erheblichen und bisher zu wenig berücksichtigten Berichtes hat meine Frau Heidi (geb. D) das Rauchen in der Schweiz aufgegeben.

09.12.2006 | 15:35

Kommentar #7 von irgendwem:

Aje, ich finde es ja rein kulturell schon schade, die rätoromanische Warnung wegzulassen.
Aber dieser Artikel ist nun wirklich lächerlich.

11.06.2007 | 20:20

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