Riesenmaschine

14.03.2006 | 17:33 | Berlin | Alles wird schlechter | Fakten und Figuren

The DJ is dead

Als die fantastischen Pet Shop Boys im Oktober 1991 die Single "DJ Culture" veröffentlichten, fing offiziell die DJ-Dekade an, die 90er Jahre, in denen bootgeleggt und regemixt wurde, was einem unter die Nadel kam – nicht nur in der Musik. Der DJ wurde eine Ikone, ein Superstar, die Musiker hinter ihm zur Staffage. Er schaffte es sogar bis in die Fernsehwerbung von Persil und Sparkasse. Womit eindeutig sein Niedergang eingeleitet worden sein dürfte.

(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

Und heute eröffnet in einer ehemaligen Sparkassenfiliale am Berliner Hackeschen Markt Puma einen Flagship Store und stellt einen DJ ins Schaufenster. Das ist die Möbelhaus-Eröffnung des 21. Jahrhunderts, der DJ ist toter als tot, er kann sich ab sofort gemeinsam mit Wolfgang Lippert beim Zange klauen im Baumarkt erwischen lassen, er würde keinen Ansehensverlust erleiden.

Das war es also mit dem DJ, ein trauriger Tod, eingerahmt von einem Ampelmännchensymbol und einem abgestellten, aber nicht abgeschlossenen Damenrad, umringt von 60jährigen Zufallspassanten, die vor dem Schaufenster nicht einmal hören, was aufgelegt wird. Die coolen Kinder werden inzwischen VJ, das geht bestimmt noch drei Jahre, und dann kommt etwas Neues. Vielleicht Klingelton-Jockey oder gleich Tastenton-Jockey. Man weiss es nicht. Und will es irgendwie auch nicht wissen.


Kommentar #1 von Cor:

Nicht nur bei Shop-Eröffnungen, auch beim Ausverkauf steht ein DJ seinen Mann und sich die Beine in den Bauch: Beim Rausverkauf von Little Red Riding Hood beschallt ein einsamer DJ kundenfreie Räume und das Personal mit okayen electro-Beats. Wer eine gute Tat tun und ihn eine wenig aufheitern will, tanzt in der unterirdischen Passage zwischen Q206 und La Fayette in Friedrichstrasse vorbei.

14.03.2006 | 18:57

Kommentar #2 von der Sterblichen:

Andere verdienen ja auch ab und zu mal ihr Geld in der Werbung. Oder?

14.03.2006 | 19:59

Kommentar #3 von Dr. Theopolis:

Was so ein Jockey wohl anziehen darf, wenn er bei Puma im Fenster steht? Nur Puma? Guerillataktiken täten sich auf, wenn der DJ nur nicht eben toter wäre als tot.
Aber so gesehen ist es dann ja auch Antiwerbung, wenn er "in Puma" (hey, Wortwirtz!) auflegt. Also irgendwie redundant. Guerilla-Guerilla sozusagen.
Insgesamt ein verwirrendes Konzept. Die sch(m)erzhafte Frage bleibt leider: Kommt der DJ in CD?

14.03.2006 | 20:54

Kommentar #4 von Jochen Reinecke:

Dieses Foto ist so traurigmachend, das kann man gar nicht in Worte fassen.

16.03.2006 | 09:55

Kommentar #5 von Paul:

Ja. Das traurigste Foto seit Jahren. Wer hat das gemacht? Ist wirklich genial. Er zeigt das, was am Ende und am Anfang des DJ-tums war: eine traurige Type am Plattenspieler.
Drumherum das übliche...

20.03.2006 | 21:31

Kommentar #6 von Till:

Ich sage: Der DJ ist so begehrt, wie noch nie.
Glaube nicht, dass DJs jemahls so viel verdient haben, wie momentan. Guten DJs steht die Welt offen. Und der DJ wird einfach immer mehr ins Alltagsleben integriert, wie bei Puma. Der Typ der dort steht, ist bestimmt keine Hawtin, Hell oder Klee. Und er hätte vor 10 Jahren auch nicht in den fettesten Clubs die Menge zum toben gebracht, wie eben jene hier genannte.
Und hier noch etwas Eigenwerbung: www.datenvandalismus.org

03.04.2006 | 15:35

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