Riesenmaschine

08.04.2006 | 17:11 | Anderswo | Supertiere | Alles wird besser

Tiere und Testikel im Wahlkampf

Der seit einem Jahr in Rom lebende Steven Patrick Morrissey meinte kürzlich in einem Interview, lieber würde er seine Hoden essen, als bei einer Smiths Reunion mitzutun, und das will was heissen, ist doch der ehemalige Smithssänger, wie man weiss, Vegetarier. Überhaupt sind Hoden in Italien gerade in aller Munde, überall sieht man Leute herumlaufen, Männer wie Frauen, mit Schildern auf denen IO SONO UN COGLIONE (Ich bin ein Hoden) steht, nachdem ihr Präsident im Wahlkampf gemeint hat, er schätze die Intelligenz der Italiener zu sehr, um zu glauben, dass es so viele Hoden gäbe, die ihn nicht wählen. Und weil der Wahlkampf so schrill und schmutzig wie noch nie ist, hat der kleine Mann mit dem transversalen Grinsen und der monomanischen Aggressionslaune jetzt einen Gang zurückgeschaltet und zaubert dressierte Elstern aus dem Hut, als letztes Aufgebot für die Schlacht um den Endsieg. Das ist schade, sind doch seine NLP-geschulten Attacken immer ein Quell des Kopfschüttelns und des Frohsinns gewesen, dass z.B. Finnland das Land mit der schlechtesten Küche der Welt sei (womit er ja nicht ganz unrecht hat, und was dazu führte, dass dort plötzlich massenhaft Pizzerias "Berlusconi" aus dem Boden schossen) und in China Kinder gar gekocht und auf Äckern als Dünger ausgebracht werden. Auf die Frage, ob er sich den neuen berlusconikritischen Nanni Moretti Film "Der Kaiman" anzusehen gedenke, antwortete Don Coglione nur irr keckernd: "Ich bin der Kaiman, ich werde euch alle fressen".

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (6)


Kommentar #1 von Riesendank:

Dank an den unbekannten Verlinker für das schöne Foto.

09.04.2006 | 02:31

Kommentar #2 von von repubblica leserin:

Interessant auch, dass die deutsche Presse zunächst nur den übertragenen Sinn von coglione kolportiert hat. Die Repubblica hat den Schuldigen für diese Unterlassung journalistischer Sorgfaltspflicht in Gestalt einer Journalistin der DPA gefunden und zitiert sie wiefolgt: "Wir haben sehr viele Schimpfwörter, die dem Wort des Premiers entsprechen dürften, aber ich werde sie in meinem Text nicht verwenden. Ich optiere für das banale "Idioten". Der Sinn ist klar, auch im Italienischen und wie es scheint, lohnt es sich für die deutsche Presse nicht auf dem Sprachgebrauch des Premiers herumzureiten, dem die Deutschen ja schon das Ihre entgegnet haben, als sie die Ironie des "Kapo" nicht lustig fanden."

09.04.2006 | 20:57

Kommentar #3 von irgendwem:

ok, dann kommt jetzt das müde Teiggesicht:

09.04.2006 | 23:50

Kommentar #4 von irgendwem:

Moment, lohnt es sich nun, oder lohnt es sich nicht, nicht – oder etwa doch – darauf herumzureiten? Ohweh, diese neuen Kommaregeln!
Erbitte Aufklärung...

10.04.2006 | 01:05

Kommentar #5 von Nils:

Worauf? Auf Prodi? Auf Eiern? Oder auf diesen neuen Kommaregeln?

10.04.2006 | 09:56

Kommentar #6 von Ausitalienheimgekehrte:

Hallo Verfasser, in Italien kursiert ein anderer Mythos über den Ursprung der coglione-Plakate. Unser heute fast sicher als abgewählt zu geltender Freund Silvio habe nämlich auf die wütend hervorgebrachten Vorwürfe eines jungen Demonstranten diesem arrogant ins Gesicht gebrüllt: "Io sono un uomo di honore – ma tu sei solo un coglione." (Ich bin ein Ehrenmann, aber du bist nur ein Idiot.)
Lerne: Auch Italiener verstehen sich in Zeiten, in denen Protest und Popkultur verschwimmen, auf die Ironie als stilistisches Mittel der Meinungsäusserung.

11.04.2006 | 18:02

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