Riesenmaschine

12.05.2006 | 16:07 | Anderswo | Vermutungen über die Welt

Cargokult reloaded

Der Glaube an die Cargo-Wahrheit selbst wurde durch Misserfolge nie wesentlich geschwächt. Es lag ohnehin alles auf der Ebene von Experimenten. Die Umwelt war immer unheimlich, gefährlich und unberechenbar. Aber man konnte verschiedene Möglichkeiten ausprobieren. Irgendein Weg würde schon zum Ziel führen. Cargo war dieses Ziel. Dazu war im Grunde jedes Mittel, das sich bot, recht.

Daraufhin weihten sich sämtliche Burschen und Mädchen den neuen Göttern, hörten auf zu arbeiten und zogen in ein gemeinsames Haus. Tagsüber ging man zum Baden. Nachts wurde getanzt. Der Montag galt ihnen als Ruhetag.



Ein Schiff wird kommen. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Diese beiden hübschen Zitate finden sich im Band "Melanesische Cargo-Kulte – Neureligiöse Heilsbewegungen in der Südsee" von Dr. Dr. Friedrich Steinbauer, der über hundert dieser mehr oder weniger ins Raster des Cargo-Kultes passenden, sympathischen Eigenbaureligionen versammelt und vorstellt. Zum Abschluss des Studiengangs Anthropologie findet jetzt an der Wissenschaftsakademie Berlin ein Seminar zum Thema statt. Dazu muss man vielleicht wissen, dass die Wissenschaftsakademie eine vom Universalgenie Rafael Horzon gegründete akademische Einrichtung ist, die ihrerseits nach den Regeln des Cargokultes funktioniert, und den Abschluss eines "Studium generale" mit nur vier Scheinen ermöglicht, die man durch Ausfüllen eines Multiple-Choice-Tests am Ende jedes Seminares erwirbt. Am morgigen Samstag, den 13. Mai um 19 Uhr c.t. also werden die Schriftsteller Christian Kracht und Ingo Niermann ein Seminar zum Thema abhalten: "Der Geist von Amerika, Fleisch als Metapher und die Wiederkehr des John Frum: Die Entstehung der Cargo-Religion auf Tanna Island, Vanuatu (Neue Hebriden)" Zu Forschungszwecken hatten sich Kracht und Niermann bereits 2003 auf die Spuren des Kultstifters John Frum begeben und dabei im Selbstversuch auch den Sud der Wurzel Kava getestet, die in Frums Heilsreligion eine gewichtige Rolle spielt. Veröffentlicht wurden die dadurch leicht wahrnehmungsverzerrten Ergebnisse bereits in der Zeitschrift Monopol (1/2004).


Kommentar #1 von kosmar:

endlich mal etwas, dass ich noch nicht wusste. brilliant. ist das die bildungsauftragsoffensive, um das grimmepublikum rumzukriegen? weiter so!

13.05.2006 | 21:12

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