Riesenmaschine

18.05.2006 | 00:34 | Was fehlt | Listen

Tod überlistet (fast)


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Die Virtualisierung alles Menschlichen schreitet bekanntlich voran. Man kann sich beipielsweise virtuell die Frisur versauen oder einfach nur schauen, ob man vielleicht einen Freund findet. Schön für "Draussis", wird doch der Andrang in Schwimmbädern niemals mehr diese Dimensionen annehmen. Viel lieber basteln sich junge Menschen ein Augenschmerz verursachendes Myspace-Profil und erfreuen damit unbewusst das Herz von Rupert Murdoch.

Am Ende siegt doch die Natur -- schliesslich müssen auch diese Menschen irgendwann sterben, und da die Generation@ so furchtbar jung und dynamisch ist, sind die Todesursachen ebenfalls nicht von schlechten Eltern -- vom Mord durch Erziehungsberechtigte mal abgesehen. Eben solche Fälle von vorzeitigem Ableben von Internetusern werden auf der Todesursachenjonglierseite mydeathspace.com erschreckend nüchtern dokumentiert (mehr Hintergrund hier), und entgegen dem Gerücht vom Tod durch GERD sterben junge Amerikaner sehr oft beim Autofahren. Aber auch unbeabsichtigten Suizid, Herzfehler einhergehend mit Autounfall und Explosion eines Baums oder Helikopterunfall kann man den entsprechenden lebensfrohen Gesichtern zuordnen.

Im Netz wächst damit ein Friedhof heran, der gegenüber dem althergebrachten Acker enorme Möglichkeiten aufweist. Man kann den entsprechenden Polizeibericht durchlesen, krass pietätvolle Sprüche hinterlassen und man kommt mit einem Klick zum Internet-Poker. Ausserdem sind die Fotos meist freundlich. Das Potential jedoch ist ungleich grösser. Da man den betreffenden Freund oft ohnehin nur als zweidimensionales Profil kennt, könnte ein halbwegs gewitztes Computerprogramm auch nach dem Tod munter weiterbloggen und so ein völlig neu definiertes Jenseits erschaffen.

Jan-Christoph Deinert | Dauerhafter Link | Kommentare (3)


Kommentar #1 von dem Matze:

Ist der erste Absatz von Links fast ein wenig überfrachtet, macht dies das "schlechte Eltern"-Wortspiel glücklicherweise mehr als wett.
Schön schön.

18.05.2006 | 02:30

Kommentar #2 von irgendwem:

Ja, auch wenn man nicht alle Links anklickt, irritiert das schon beim Lesen.

18.05.2006 | 07:33

Kommentar #3 von Jan-Christoph:

Stimmt schon, anfangs ist das ganze sehr voll, muss aber mal alle Textpräsentationsformen mal ausprobieren und Linkzubombing hat jetzt nen Haken.
Ansonsten sollte man mal über unsichtbare Links nachdenken, die der Leser suchen darf, wenn er will...

18.05.2006 | 17:05

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