Riesenmaschine

23.05.2006 | 13:34 | Berlin | Alles wird besser

Im Land der goldenen Löschwassereinspeisungen


Midas lebt. (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Bei der beliebten Freizeitbeschäftigung Gesellschaftsanalyse lässt sich praktisch jeder von seinem direkten Umfeld beeinflussen und hält Dinge für normal und alltäglich, die es nur im eigenen Umkreis sind. Sollen sie halt Kuchen essen. Es fällt eben allzuschwer, die gefühlte Häufung von Einzelfällen nicht mit einem flächendeckend auftretenden Phänomen zu verwechseln. Die Flucht nach vorn des Einäugigen mit grauem Star heisst, den Einzelfall zu verklären und zum Symbol zu machen, gerade so ironisch, dass jeder Fehler als Scherz, jede Wahrheit als grossartige Entdeckung daherkommt. Etwa so, wie es eine grossartige Entdeckung ist, dass die Löschwassereinspeisungen am Berliner Sitz der Firma Jamba aus purem Gold sind. Der goldene Wasserhahn als Zeichen für Luxus im 20. Jahrhundert ist durch, im dritten Jahrtausend hingegen glänzt noch das letzte Regal im Keller mit fussgeschnitzten Ebenholzintarsien auf der Rückseite. Das Haus ist übrigens nicht irgendein Haus, sondern das CityQuartier DomAquarée, das nicht nur durch penetrante Verwendung von lachhaften BinnenMajuskeln auffällt, sondern auch durch ausgesuchte Hässlichkeit aussen und ein dämliches, massenmagnetisches Aquarium innen.

Und was bedeutet das bezogen auf die Gesamtsituation in Deutschland, wenn an einem kaum vermieteten, weil teuren und hässlichen Bürogebäude, das letztlich den Volks- und Raiffeisenbanken gehört und in dem sich der sinnloseste Wassertank Berlins ebenso aufhält wie die 500 Angestellten von Jamba und angrenzenden Unternehmen, die Löschwassereinspeisungen vergoldet sind? Vermutlich nichts. Es lässt sich aber eine ganze Menge hineininterpretieren.


Kommentar #1 von einem geneigten Leser:

Kann es sein, dass nicht alles Gold ist, was da so glänzt? Aber egal, es geht ja um den Steigbügel für eine Dekadenz-Debatte, wenn ich das recht verstanden habe. Es wird, um im Bild bleiben, eine "Steigleitung trocken" gelegt, in die hineinzuspritzen ist. Also marsch, aber ohne mich. Hätte nur noch gerne erklärt, warum es BinnenMajuskeln heisst und nicht BinnenVersalien. Ach vergesst das, hat sich erledigt.

23.05.2006 | 13:54

Kommentar #2 von Matthias:

Ich glaube ja, dass es Messing ist!

23.05.2006 | 14:12

Kommentar #3 von Wolf Ulf Wulfrolf:

ich glaube ja, dass es Platin ist, nur mit Gold kaschiert, sonst würde das ja jemand in der Nacht abschrauben, der grad knapp bei Kasse ist.

23.05.2006 | 14:36

Kommentar #4 von dem bösen Wolf:

Mal was Anderes: Selbst auf dem Löschwassereinspeisungsschild ein Deppen-Apostroph – unglaublich. Gibt es zu diesem Phänomen Zahlen, Statistiken?

23.05.2006 | 22:47

Kommentar #5 von id dixissem:

"[...] dass jeder Fehler als Scherz, jede Wahrheit als grossartige Entdeckung daherkommt" – das klingt nach einer Königsdisziplin.

23.05.2006 | 23:55

Kommentar #6 von Diki:

Schade, dass schon jemand die BinnenMajuskel erwähnt hat; ein ausgesprochen schönes Wort.

24.05.2006 | 00:50

Kommentar #7 von einem geneigten Leser:

Binnenversalien wären aber auch fein, oder?

24.05.2006 | 11:29

Kommentar #8 von eine, der es weiss:

BINNENVERSALIEN sind doch als solche gar nicht zu erkennen, ausser man stellte sie in aUSSENMINUSKELn.

24.05.2006 | 12:58

Kommentar #9 von Kriegsveteran Hilarius Pissmild:

Vorgesehen, junger Mann! Dies sind nun auch unschickliche Pauschalisierungen, die sie hier zum besten geben. Als ich heute morgen nach meinen beiden Glasaugen suchend unter meinem Bette nachsah, traten unerwartete Wahrheiten ans Augenlicht, wahrlich derbe Entdeckungen grösserer Art.

24.05.2006 | 13:30

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