Riesenmaschine

19.07.2006 | 03:58 | Anderswo | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Die schwarze Null


Null & Schwarz (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Eines der grossen Probleme der Menschheit bleibt nach wie vor die massive Ungeficktheit und deren Folgen Gewalt und Zynismus. Zynismusverurteilung ist eine leichte Trockenübung, Zynismusvermeidung im Fluss des Alltags eine schwierige Sache. Denn weil der Kern des Zynismus Menschenverachtung ist, kann man auch beim Konsum durch Gedankenlosigkeit zynisch sein, zum Beispiel, indem man ohne gross nachzudenken drei, vier ukrainische Prostituierte ins Hotel bestellt. Trotzdem ist vollkommen unmöglich, über jedes Produkt so weitreichend informiert zu sein, dass man als Verbraucher stets auf der sicheren, unzynischen Seite steht. Zum Beispiel ahnt niemand, dass man mit dem Kauf von Schuhen der Marke Kialo eine Firma unterstützt, deren Mutterkonzern vermutlich auch vom Opiumanbau in Angola profitiert.

Die Wahrheit ist selten pur und immer kompliziert, insofern ist es nicht leicht, vorbehaltlos zwei neue Coke-Produkte vorzustellen, angesichts der vielschichtigen, verwirrenden Debatte um Coca Cola in Kolumbien, wo Gewalttätigkeit total en vogue ist und laut UN-Untersuchung in den letzten fünf Jahren anderthalb Millionen Menschen vor Gewalt im Zusammenhang mit Coca-Anbau geflohen sind. Wenn man von der inzwischen geächteten Chemiewaffe Cherry Coke absieht, kann man aber feststellen, dass Koksen wesentlich mehr Menschen der Gewalt aussetzt als Cola trinken. Erst recht, wenn es sich um zwei neue, hier kennengelernte Produkte handelt. Das neue Lightprodukt Coke Zero schmeckt, wie man sich Coke Light immer gewünscht hat, also minus Seife plus die kristalline Sämigkeit von Zucker, aber ohne Zucker. Coke Blak dagegen schmeckt ärgerlicherweise hervorragend. Wie hat man gehofft, dass der als allerletzter auf den dämlichen Kaffeetrend aufspringende Grosskonzern einen Bauchklatscher im Haifischbecken der Softdrinks hinlegt. Aber schade, Coke Blak ist leider das beste Kaffeegesöff seit Kaffee. Nur mit dem Namen hat man sich vollkommen vertan, blak heisst auf altisländisch "schlagen", das muss in diesen Tagen als klares Bekenntnis pro Gewalt gelten. Wie Coke aus diesem PR-Debakel wohl wieder rückwärts rausgeschlängelt kommt?


Kommentar #1 von sopran:

Coke Blak schmeckt wie Nescafé in Cola und ist wahrscheinlich Nescafé in Cola. Irgendwie ehrlich und eklik. Gibt es das denn inzwischen auch anderswo als in französischen Autobahntanken? Und wann anders als bei langen Nachtfahrten zur Ritalinunterstützung soll man sowas trinken?

19.07.2006 | 07:56

Kommentar #2 von derwolf:

cola blak ist französisch und heisst übersetzt
cola night und wurde eingefuehrt, seitdem man auf
französischen autobahnen nachts nur mit
randstreifensensor unterwegs sein kann und sich quasi fahren laesst – wie der koelner sagt.

19.07.2006 | 11:34

Kommentar #3 von spiritus:

will ja nicht ablenken aber: ich dachte immer das mit dem randstreifensensor ist ein witz / gag und wird nur empfohlen

19.07.2006 | 12:11

Kommentar #4 von hans:

hach sascha,
es ist immer so eine freude dich zu lesen.
danke.
hans

19.07.2006 | 13:54

Kommentar #5 von mamaspaten:

ich will ja nicht pingelig sein, aber dass "blak" auf altisländisch "schlagen" heisst, das ist leider totaler quatsch. blak an sich gibts nämlich gar nicht. ähnlich ist nur "blaka í móti fénu" was soviel heisst wie "das vieh durch armwedeln verscheuchen" auch "blekkja" bedeutet lediglich "betrügen, täuschen, verführen", was ja schon besser zu einer cola passen würde als schlagen. so fertig mit klugscheissen.
hier für alle noch grösseren klugscheisser eine quelle:
baetke, walter: wörterbuch zur altnordischen prosaliteratur. berlin: akad. verlag, 1987. s. 56.

19.07.2006 | 13:59

Kommentar #6 von mir:

Man muss ihn wieder und wieder lesen, laut am besten und deutlich. Man muss ihn aufschreiben und ausmalen, abtippen und ausdrucken so gross es nur geht. Man muss ihn in die Welt hinaus schreien, den Satz der Sätze, den hervorragendsten Satz seit Boris Bumm Bumms erstem Wimbledon Sieg. Drei, zwei, eins – jetzt alle auf einmal:
"Eines der grossen Probleme der Menschheit bleibt nach wie vor die massive Ungeficktheit und deren Folgen Gewalt und Zynismus."
Mein Gott, wie konnte ich vor diesem Satz überhaupt anständig leben? Danke, Sascha. Danke!

19.07.2006 | 14:35

Kommentar #7 von 500beine:

glücklicherweise finde ich opiumanbau sowieso nicht weiter schlimm.

19.07.2006 | 14:44

Kommentar #8 von derwolf:

schade – spiritus mit zero degree.

19.07.2006 | 16:17

Kommentar #9 von CFB:

Ich spreche leider kein Fussball, daher muss die Veri- oder Falsifikation der den Geschmack dieser sonderbaren Getränke beschreibenden Aussagen von anderen erbracht werden.
Gustatorisch Verheerendes ist allerdings das einzige, was mir bei der Vorstellung, Kaffeecola zu trinken, in den Sinn kommt. Das liegt dann vor allem an der vorgestellen Unvereinbarkeit von Kaffeearomen mit Kohlensäure.
Wiedersinnig scheint sowieso das kombinieren zweier Koffeingetränke. Man isst zu Mittag ja auch nicht Kartoffeln mit Reis und Nudeln.
Über etwaige Synergie-Effekte lasse ich mich natürlich gerne belehren.
Aber zum Glück bin ich ja kein Synaesthetiker (www.synaesthesieforum.de). Denn wie das Wort blak schmeckt, möchte ich weder hören noch riechen.

19.07.2006 | 19:14

Kommentar #10 von weltherrscher:

ich frage mich schon länger, ca. ab der geburt, warum menschen diese schwarze zuckerwasauchimmer limonade trinken?
die antwort habe ich bis heute nicht gefunden. und das ist echt traurig...
ein gar scheussliches zeug ist das.

19.07.2006 | 20:22

Kommentar #11 von plastefuchs:

eine sehr schöne Illustration zur 0 hatte übrigens vor ein paar Tagen auch beetlebum:
hier mal der zu lange und zu reparierende Link
http://blog.beetlebum.de/2006/07/14/coke-zero/
(sofern das erlaubt ist)

19.07.2006 | 23:32

Kommentar #12 von jo:

Weltherrscher: Evtl. weil die intravenöse Zufuhr von Zucker nicht nur umständlich, sondern auch gesellschaftlich wenig akzeptiert ist?
Dabei ist Zucker ein durchaus interessanter Katalysator, wie die Wikipedia weiss: "Der Körper wird also für den Verzehr süsser Nahrung doppelt belohnt: durch einen "Energieschub" und "gute Laune"."
Ok, es gibt auch paar Nachteile, aber wir wollen doch nun wirklich nicht kleinlich werden, oder?

19.07.2006 | 23:44

Kommentar #13 von MC Winkel:

Die Blak-Plörre schmeckt aber auch wirklich nur eiskalt, die andere hab´ ich noch nicht probiert, weil die entweder gar nicht erst da oder bereits weggelutscht war, als ich Anfang Juli in diesem Puff nächtigte. Und der Oscar hätte das auch nicht gemocht.
Und tatsächlich wieder einmal sehr parsprototonös hier, heute.

20.07.2006 | 10:09

Kommentar #14 von einem der seinen namen nicht nennen will.:

ist es ein zufall, das der titel dieses artikels eine verwandschaft mit der "grossen schwarzen null" aus der (ehemaligen) galaxis der kelosker hat?
http://www.perrypedia.proc.org/Grosse_Schwarze_Null
oder sollte ich hier einen (silberband-/heft-)leser der in der wunderbaren wunderwelt des perry rhodan eingetaucht ist, gefunden haben?

20.07.2006 | 22:48

Kommentar #15 von plastefuchs:

is doch eigentlich nur ne Floskel um auszudrücken, dass man zwar keinen Gewinn macht, aber zumindest (mit seinem heiklen Unterfangen) auch nicht draufzahlt, oder nich? Wenn man dann noch die Entlassungsproduktivität erhöht und das Humankapital outsourced , hat man sogar operativen Gewinn.
oder so
die BWLer hier wissen das bestimmt besser

21.07.2006 | 00:54

Kommentar #16 von 500beine:

im hintergrund lief "kulturzeit" auf 3sat und die gräfin murmelte was von diesem gutaussehenden typ da oder interessant aussehend oder was weiss ich, und als ich zum fernseher guckte, wurde gerade "sascha lobo" eingeblendet, von der "riesenmashine". ich werde schon dafür sorgen, dass ihr euch niemals kennenlernt, bürschchen.

21.07.2006 | 13:56

Kommentar #17 von ix:

ix habe mir heute am bahnsteig so ne flasche "zero" gekauft. kalt war sie, aber der cola-light seifengeschmack war immer noch drin. positiv festgestellt habe ich, dass mir der genuss des flascheninhalts den apppetit auf mein feierabendbier versaut hat. nach so einer flasche ist es für etwas 2-3 stunden unmöglich bier zu trinken. das haben sie vergessen zu erwähnen, herr lobo, und ich bin deshalb ein bisschen entäuscht von ihnen.

21.07.2006 | 21:52

Kommentar #18 von weltherrscher:

@jo
gegen intravenöse zuckerzufuhr spricht aber nicht wirklich etwas? man könnte es ja auch rezeptpflichtig in zäpfchen (nicht uvula!) darreichungsform auf den markt bringen?
das wort mastdarm bekommt dann endlich auch die richtige zuweisung.
zucker an sich sollte brennen, mehr nicht.
cozuckerca würde ich meine brause nennen, wenn ich denn eine herstellen, verkaufen, vermarkten und saufen würde. mach ich aber nicht.
und kleinlich? wer nicht kleinlich ist, ist dann grösslich? mein energieschub und die gute laune kann ich mir auch hier beim lesen abholen. spart zwar keine zeit, aber dafür diätisch.

22.07.2006 | 10:41

Kommentar #19 von eze - football-crazy.de:

An alle Ungefickten und für den Weltfrieden:
"Ficken ist gar nicht so toll, wie man sich das beim Wichsen immer vorstellt" (alte Binsenweisheit aus dem Ruhrgebiet).

25.07.2006 | 21:40

Kommentar #20 von elgrande:

Vielleicht sind die Frauen aus dem Ruhrgebiet auch nicht so toll, wie man sich das immer vorstellt.

11.01.2008 | 20:39

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