Riesenmaschine

28.07.2006 | 09:52 | Vermutungen über die Welt

Achsel des Guten


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Zum Schönheitsideal jeder Epoche gehört eine besonders fetischisierte Region des weiblichen Körpers, die – entblösst oder auch nicht – entsprechende Beachtung erfährt. Im Rokoko war es das korsettgefasste Dekolleté, also der Busen im ursprünglichen Wortsinne. Im keuschen Kaiserreich dagegen nackte Fesseln und Handgelenke. Die Wade und das sukzessive freigelegte Knie beherrschten auch die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, während die zweite über weite Strecken von den klassischen Pin-up-Attributen Brust und Po dominiert wurde. Erst zur Jahrtausendwende geriet mit sinkender Taillenlinie der Bauch, respektive der Bauchnabel, in den Fokus und wurde zum neuen Sexsymbol, wobei je nach Schichtzugehörigkeit auch sein natürliches Gegenstück, der freigelegte Steiss mit Tattoo- und Tangalinienverzierung in Betracht kam.

Diese Zeiten sind nun, da spätestens ab dieser Wintersaison die Jeans wieder auf Hüfte getragen werden, endgültig vorbei, und es darf spekuliert werden, welches vernachlässigte Körperteil wohl als nächstes das migrierende Begehren und die verstärkte Aufmerksamkeit der Schönheitsindustrie auf sich ziehen wird. Die Füsse schienen aussichtsreiche Kandidaten; nicht nur erfreuen sie sich einer grossen männlichen Fangemeinde, in den USA wird ihnen bereits verstärkt mit Schönheits-OPs zu Leibe gerückt. Verwegene Zeitgenossen wetteten, unter der Massgabe, dass nach 30 Jahren sexueller Befreiung doch einmal Nägel mit Köpfen gemacht werden müssen, auf Vagina oder gar Anus, wofür es mit dem anal bleaching bereits erste Anzeichen gab, die sich jedoch alsbald als Hoax rausstellten. Mit der Achsel könnte jetzt – ginge es nach Nivea – eine Aussenseiterkandidatin das Rennen machen, die bei Licht besehen gar nicht so abwegig und längst schon an der Reihe gewesen wäre. Natürlich dürfen es nicht die unrasierten Achselhöhlen sein, mit denen Patti Smith bereits 1978 auf dem Cover von Easter tout USA choquierte und die allenfalls Furry-Fetischisten anlocken, sondern die rasierten und Perldeo-behandelten "unwiderstehlich schönen Achseln". Gut möglich, dass sich damit nicht nur ein neuer Markt für Kosmetikprodukte und Schönheitschirurgie auftut, sondern ebenso ganz neue Sexpraktiken popularisiert werden.


Kommentar #1 von irgendwem:

Seltsamerweise sind die jahrhundertelangen Bemühungen aller Mütter und Grossmütter bislang nicht von Erfolg gekrönt, dem Ellenbogen einen Anstrich von Verbotenheit zu geben und ihn so begehrenswert zu machen. (Ellenbogen, Ellenbogen, du bist wirklich ungezogen....)

28.07.2006 | 10:26

Kommentar #2 von CFB:

Die Vagina rückt sich dabei mehr denn je ins Auge des aufmerksamen Menschen. Noch bleibt sie zaghaft angedeutet, ihre Form, aber nicht ihre Textur preisgebend; noch ist die Zeit nicht reif, aber bald, bald... bald laufen Frauen unten-ohne durch die Gegend, ich bin mir sicher.
Ach ja, der Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Cameltoe
Übrigens kann man die beiläufig erwähnten Tatoos über dem Steiss mittlerweile auch auf der vorderen Körperseite in gleicher Höhe, also suprapubisch, beobachten. Der Arsch ist heutzutage halt nicht immer hinten.

28.07.2006 | 11:08

Kommentar #3 von Floyd:

Statt perlmutterndem Schimmerns würde ich mir bei Deos wünschen, dass sie die Zunge nicht betäuben.

28.07.2006 | 11:42

Kommentar #4 von rächer:

in meiner heimat hiessen die "cameltoes" schon immer "wunschlippen". ich schätze, dass dieses zarte assecoir auch mit den karottenjeans wieder gehen werden. da die aber gerade kommen, dürfen die herren der dinge harren.

28.07.2006 | 17:06

Kommentar #5 von ü.j.:

In diesem Zusammenhang möchte ich nur einmal ganz diskret auf die indizierte Webseite goatse hinweisen, von der sich ganz bestimmt noch irgendwo eine Kopie rumtreibt. Ich bezweifle auch weiterhin die Medientauglichkeit einiger Körperregionen, besonders das innendrin möchte ich gerade in der Werbung nur ungern sehen.

28.07.2006 | 17:32

Kommentar #6 von rüdiger jones:

Ist das nicht alles sehr langweilig und dumm?

28.07.2006 | 21:01

Kommentar #7 von Hilfscheckerbunnyvertretung:

Die einen sagen so, die anderen sagen so!

28.07.2006 | 22:10

Kommentar #8 von k.i.l.:

ich finde, dass die kleine hautregion rechts und links oberhalb der mundwinkel mehr beachtung erfahren sollte. während sie in ihrer attraktivsten form bei männern leicht rundlich erhöht ist und sich deswegen hervorragend zum küssen eignet, weil sie sich wunderbar zwischen die lippen schmiegt, ist sie bei frauen zwar meist nicht rundlich erhöht, dafür aber oft besonders zart und mimikgeprägt. ich habe leider noch keinen namen für diese region gefunden und empfehle ein näheres hinsehen. sie geht ja im gesicht recht leicht unter. und ich würde mich über einen tipp bei der namensfindung freuen.

03.08.2006 | 16:31

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