Riesenmaschine

02.08.2006 | 10:27 | Anderswo | Alles wird besser

Neues aus Lüdenscheid


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)

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Neues aus Lüdenscheid: Nach langem Hin und Her wurde im Zuge der Neugestaltung des Rathauses auch der Rathausplatz renoviert und passend zur iPod-weissen Rathausfassade mit hellem chinesischen Granit ausgekleidet, der sich allerdings als überaus empfindlich erweist. Insbesondere nach Markttagen wie heute häufen sich Obst- und Gemüseflecken, die bleibende Spuren hinterlassen: "Kirsch- oder Aprikosenkerne, achtlos fallen gelassen von Kunden, die an den Ständen probiert haben. Heruntergefallenes Obst, unabsichtlich zertreten. Abgeknickte Blüten und Blätter. Oder auch Blumenerde: An Markttagen ist das einfach so, liegt all das auf dem Boden herum – nicht nur in Lüdenscheid", fassen die Lüdenscheider Nachrichten gestern das Ärgernis ebenso atemlos-dramatisch wie ratlos-lakonisch zusammen. Schon wird diskutiert, ob die Lüdenscheider künftig wenigstens die Schuhe ausziehen sollen, wenn sie die "gute Stube" der Kreisstadt betreten.

Derweil schreitet unter der Erde die Verhübschung mit Siebenmeilenstiefeln voran. Das Forum-Parkhaus unter dem ehemaligen Wellenbad, das zunächst eine Grossraumdisko werden sollte, nun jedoch einen Kinderspielplatz beherbergen wird, wurde von Künstlerhand umgestaltet. Jede Säule trägt eine eigene künstlerische Handschrift, die einen grübeln macht, was an anonymen und kargen Parkhäusern so schlimm war.

Die eigentliche Basisinnovation stammt jedoch vom Lüdenscheider ÖPNV. Die örtliche Verkehrsgesellschaft MVG hat kurzerhand eine zusätzliche Einnahmequelle erschlossen, indem sie die Namen der Bushaltestellen an örtliche Gewerbetreibende verkloppte, und das deutlich günstiger als zum Beispiel anderswo in NRW – für eine Einrichtungsgebühr von 99 Euro und eine Monatsmiete von 59 Euro pro Haltestellenpaar heissen die Stopps nun nach Autohäusern, Steuerberater-Praxen, Optikern und Heilpraktikern, oder nach dem einzigen McDonald's am Ort. Der Bürgerprotest angesichts der Vermarktung des öffentlichen Raumes hielt sich bislang im Rahmen. Anders als Lenin hat die Reclaim the Streets-Bewegung es bislang anscheinend nicht bis Lüdenscheid geschafft.


Kommentar #1 von einem geneigten Leser:

"Anders als ..." geht nicht. "Im Unterschied zu ..." ginge. Aber sehr schön ist, wie offensichtlich der Besuch bei den Eltern mit kleinen Recherchen verbunden wird. Mehr davon, bitte.

02.08.2006 | 12:45

Kommentar #2 von Frank:

Wäre nicht eine Haltestelle "Eltern von Riesenmaschinebetreiber" überfällig? Lüdenscheid ist jedenfalls noch ElementofCrimeMässiger als Delmenhorst. Die meteorologische Rache an der Privatisierung ist aber eingerechnet: nirgendwo regnet es mehr als in Lüdenscheid; das wissen alle Oberberger. Vielleicht ist die Druckfarbe durch sauerländisch-sauren Regen abwaschbar. Diese Strategie hätte schon Unterwanderungsformat.

02.08.2006 | 13:54

Kommentar #3 von irgendwem:

Die Parkhausbetonsäulenzier, das sieht man doch, sind die Obstreste vom Markt, Leute!

03.08.2006 | 08:57

Kommentar #4 von textexter:

ach ja. mit dem kinesischen granit, da hamses, die ratsmitglieder. auch im eigentlich nicht existenten bielefeld liegt son zeugs in der altstadt. mit ebendenselbigen problemen wie in lüdenscheid. ob bei der steinfindungsprozedur niemand mal den obsttest macht? den macht doch schon jeder halbwegs begabte garageneinfahrtsteineselbstleger....

04.08.2006 | 13:39

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