Riesenmaschine

29.12.2006 | 13:43 | Berlin | Alles wird schlechter

Vorsicht Stufe


Dank an André C. Hercher für Hinweis und Foto (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
2006 war wohl so etwas wie ein durchwachsenes Jahr für den Architekt Meinhard von Gerkan. Nachdem er sich mit seinem seitlich zusammengestutzten und mittels Kassettendecke verstümmelten Berliner Hauptbahnhof nichts als Ärger eingehandelt hatte, sollte wenigstens bei der Umgestaltung des Alexanderplatzes durch sein Büro Gerkan, Marg & Partner alles reibungslos gehen. Um sicher zu gehen, dass diesmal auch ja nichts anbrennen würde, befleissigte sich der Entwurf eines maximalen Minimalismus, der vielerorts sogar als Einfallslosigkeit missverstanden wurde. Einziges unverwechselbares Detail, das auf die Handschrift des Architekten hindeutet, ist eine umlaufende Stufe. Eine einfache Stufe – was soll damit schon gross schiefgehen? Das bekommt selbst Berlin nicht hin, eine einfache Stufe zu verhunzen, mag sich der Architekt gedacht haben. Doch da hatte er die Rechnung ohne Berlin gemacht.


Kommentar #1 von sid:

hmmm...bei einem zweistufigen Verfahren waere er sicherlich durchgefallen.

29.12.2006 | 15:19

Kommentar #2 von wanderer:

Ohne Scheiss: Ich bin vorletzte Woche nach dem Weihnachtseinkauf über genau diese Stufe gestolpert. Und dachte für einen verantwortungslos verantwortungsvollen Augenblick: Warum ham se das eigentlich nicht abgesperrt. Jetzt schäme ich nicht. Und freu mich insgeheim über mehr Sicherheit im begehbaren Strassenverkehr.

29.12.2006 | 15:25

Kommentar #3 von Bronzo:

Falltüren fände ich irgendwie spektakulärer.

29.12.2006 | 16:03

Kommentar #4 von rem koolhaas:

gmp haben das problem einiger architekten: sie machen schöne dinge, die im modell prima aussehen und vergessen leider, dass der kunde (mehdorn) oder der nutzer (opis aufm alex) davon überhaupt keine ahnung haben und nur ans geld (abgehängte decke) oder einfach auch an gar nichts (über die treppenstufe fallen) denken.

29.12.2006 | 16:34

Kommentar #5 von Daniel:

Das Problem ist immer der Kunde/Nutzer/Leser/Kommentator. Was ja halbironisch gerne postuliert wird, ist aber tatsächlich wahr. Was aber auch nur zu Banalem führt: Wäre der Mensch klüger, wäre die Welt besser.
In diesem Falle ist jedoch der Weihnachtsmarkt, diese Petri-beschallte, überzuckerte Obersalzbergvariation, das Problem. Jeder Weihnachtsmarkt ist ein Problem. Jeder Mensch auch.

29.12.2006 | 18:04

Kommentar #6 von lückenbeißer:

"Maximaler Minimalismus"? Seine Umgestaltung des Alexanderplatzes erinnert mich an meinen ersten eigenen, mühsam dahingestoppelten DOOM-Level...

29.12.2006 | 20:24

Kommentar #7 von weltdeswissens:

wer gerkan mal lauschen durfte/musste, ist manchmal ganz froh, dass dieser seine visionen der "idealen stadt" hier nicht so brachial umsetzen kann wie in china. man mag über die deutsche bürokratie schimnpfen, aber retortenstädte für millionen, für die gewachsene strukturen platt gemacht werden, wollen wir doch auch nicht.
persönlich leidet gerkan m.e. an selbstüberschätzung. gebt dem mann handlungsfreiheit und alles wird bald so laufen wie in den siebzigern.. mit den bekannten folgen.

30.12.2006 | 02:04

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