Riesenmaschine

05.05.2007 | 02:50 | Anderswo | In eigener Sache

In Preisgewittern

Wie man unter Preise bereits nachlesen kann, bekommt die Riesenmaschine heute den Erik-Reger-Förderpreis der Zukunftsinitiative des Landes Rheinland-Pfalz verliehen, und zwar, weil sie "die Lebens- und Arbeitswelt junger Menschen realistisch abbildet". Schön und löblich an diesem Preis ist, dass er mit Geld dotiert ist und von Ministerpräsident Kurt Beck verliehen wird. Weniger schön ist, dass Sascha Lobo, Holm Friebe und Kathrin Passig (derzeit Braunschweig) um 5:30 aufstehen müssen, um ihn um 10:30 in Mainz entgegennehmen zu können, wodurch sie einen unfreiwilligen Einblick in die Lebens- und Arbeitswelt ganz anderer Menschen erhalten. Fünf Uhr dreissig! Wird die Welt um diese Tageszeit überhaupt schon gerendert, oder sind draussen nur ein paar schlampige Polygone zu sehen, eine Art Screensaver? Man darf gespannt sein.

Der Namensgeber des Preises Erik Reger, aka Hermann Dannenberger, hat übrigens 1931 den bedeutendsten Industrieroman des 20. Jahrhunderts verfasst, in dem schon auf den ersten Seiten das lustlose Treiben der Insekten im falben Kohl als Symbol des Niedergangs einer ganzen Bergmannssiedlung erscheint (danach kam uns das Exemplar leider abhanden). Bereits der Titel: "Union der festen Hand" ist so derart riesenmaschinesk, dass wir dem Autor dafür posthum und im Gegenzug gern den Riesenmaschine-Preis für coole Buchtitel verleihen würden (auch wenn der Nachfolgetitel "Das wachsame Hähnchen" dagegen etwas abschmiert, und danach dann auch nicht mehr viel kam). Danke, Erik Reger. Danke, Rheinland-Pfalz.

Kathrin Passig / Holm Friebe | Dauerhafter Link | Kommentare (9)


Kommentar #1 von Frau Grasdackel:

Na dann mal herzlichen Glückwunsch zu diesem noblen Preis! Ihr habt mein volles Mitleid zum frühen Aufstehen, hab gerade draussen die Zeitungsausträgerin getroffen (sie war eigentlich nicht schlampig). So, ich schmeiss mich jetzt erst mal in die Falle und stehe erst wieder zu einer Zeit auf, die die Schlafenswelt von jungen, intelligenten Menschen, denen es auch ohne Festanstellung möglich ist, zu leben, realistisch darstellt.

05.05.2007 | 04:36

Kommentar #2 von Janine:

Ich gehe jetzt in die Schule. An dieser Stelle habe ich einen überflüssigen Smiley hingemacht, wofür ich mich dereinst schämen werde. ... Unterricht am Samtsag ist doch echt etwas Feines.

05.05.2007 | 08:17

Kommentar #3 von Uwe:

Wo wir schon mal bei Beck sind: Wollt Ihr Euch bei den ganzen Preisen, die Ihr in letzter Zeit immer häufiger einfahrt, nicht mal einen Subunternehmer gönnen, der sie für Euch in Empfang nimmt? Ich fahre gern mal durch die Gegend (gerne auch bezahlt), wirke auf Aussenstehende (Beck etc.) glaubwürdig intellektuell und Ihr könntet liegenbleiben. Wie wär´s?

05.05.2007 | 12:22

Kommentar #4 von roxomatic:

Schlimmer als 5 Uhr 30 ist Kurt Beck. Für ein Treffen mit dem würde ich auch um 8 nicht aufstehen.

05.05.2007 | 18:14

Kommentar #5 von Rudi K. Sander; www.textsteller.de:

Liebe Kommentatoren,
also: Ich habe als Feinmechaniker(Meister) 15 Jahre lang für die Arbeit in Industriebertrieben im damaligen Berlin (1943-1951) und dann in Wiesbaden (bis 1957) regelmässig gegen 5 Uhr aufstehen müssen und fand (entsprechend sozialisiert: Meinem Grossvater ging es viel schlechte) nicht allzuviel Negatives dabei (Früher Vogel ... sagen die Engländer).
Und was den SPD-König Beck betrifft: Ich war bei der genannten Preisverleihung dabei. Es ging sehr gesittet zu, alle Anwesenden (ich traue meinen Beobachtungen) hatten viel Freude und Genugtuung. Der Rheinland-Pfälzische Ministerpräsident Beck hatte einen starken Auftritt. So gut hatte ich ihn zuvor nie reden hören.
Man soll ja niemandem raten, weil man die Verantwortung für das Handeln eines Anderen nicht tragen könnte. Dennoch rate ich dem Ministerpräsidenten Beck: Er möge in Rheinland-Pfalz bleiben und dort unangegriffen unendlich lange zum Wohle des Ländchens regieren. Das undankbare Geschäft, gegen Frau Merkel 2008 zu kandidieren und (falls er überhaupt Erfolg hätte) als Bundeskanzler dann Aussenpolitik betreiben und verkaufen zu müssen, dass sollte er tunlichst vermeiden. Wäre ich Mainzer (ich bin eher Wiesbadener), würde ich ihn als Landesministerpräsident wiederwählen. Falls er in Berlin kandidieren würde, käme ich mit meiner basically-Präferenz für die SPD in Vollzugsprobleme beim Wählen.
Meine persönliche Gratulation an die Preisträger hier in aller Form und mit allem Nachdruck (gemeint sind ALLE Preisträger).

05.05.2007 | 18:35

Kommentar #6 von Peter:

Wenn Du es einmal nach oben geschafft hast.... ist das überall so armselig und undurchdacht mit den Preisen oder nur in Deutschland? Wer weiss mehr?

05.05.2007 | 20:37

Kommentar #7 von westenworld:

@peter es gibt da ein sprichwort über den zusammenhang von preisen und hämorriden.

06.05.2007 | 08:44

Kommentar #8 von Jakov Katz:

Von Kurt Beck be Z.I.R.P.pt? Was ist das chon gegen ein Jodeldiplom. Da hat man was Eigenes.

07.05.2007 | 15:51

Kommentar #9 von Einem, der mal was weiß:

Die "Union der festen Hand" lief vor ca. 4 Jahren als freie Theaterproduktion in Berlin. Es ging dort um Industrielle, die das Land in den Krieg treiben, um mit Rüstungsgütern reich zu werden, um einen willenlosen Kaiser, um Arbeiterkämpfe, Intrigen und vieles mehr. Das Buch soll angeblich sowas wie Upton Sinclairs "Dschungel" sein – nur unbekannter, deutscher und stahlwerkiger.

07.05.2007 | 17:31

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