Riesenmaschine

08.05.2007 | 10:07 | Berlin | Zeichen und Wunder

Streuverlustangstfrei


Kryptosponsoring (Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Sponsoring ist ein beliebtes Marketinginstrument, weil es allen Beteiligten famose Vorteile bietet. Sponsoren und Gesponserte tauschen Geld gegen Image und können so dem begeisterten Zuschauer Qualitätsgetöse zeigen. Der Wert für den Sponsor besteht in Bekanntheit und Sympathiesteigerung für sein Produkt. Einer der zentralen Vorteile des Sponsoring ist der geringere Streuverlust durch interessenspezifische Ansprache. Streuverlust ist, wenn man mit jemandem kommuniziert, den das überhaupt nicht interessiert. Man hat inzwischen wissenschaftlich herausgefunden, dass Menschen, die auf Damentennisturniere gehen, sich überproportional häufig für Damentennis interessieren – im Marketing ist es sehr wichtig, seine Zielgruppe so gut wie möglich zu kennen.

Und man könnte hier noch hundert Seiten Marketingfachliteratur paraphrasieren, es würde kaum den Sinnschock mildern, dass ein katarisches Telekommunikationsunternehmen ein Berliner Damentennisturnier sponsert und dafür die ganze Stadt mit teuren Plakaten vollhängt. Wen möchte Qatar Telecom damit erreichen und warum? Es gibt nicht mal eine deutschsprachige Website. Haben wir hier einen seltenen Fall von pathologischem Übersprungssponsoring? Nein, die Lösung ist sicher eine politische: Qatar Telecom möchte den Imageschaden durch die halbherzigen Zensurbemühungen ausgleichen. Die Zielgruppe soll denken "Gut, den Chat haben sie damals gesperrt, aber jetzt dieses superbunt plakatierte Damentennisding – inzwischen hab' ich sie richtig liebgewonnen und würde ihre Produkte kaufen! Wenn es sie hier gäbe." Potenzielle Kunden waren gestern; willkommen im Zeitalter der hypothetischen Kunden.


Kommentar #1 von Daniel:

So, wie die Damen da auf dem Court rumspringen, dürften die sich in Qatar gar nicht zeigen. Also: Going Deutschland.

08.05.2007 | 14:28

Kommentar #2 von michael:

hmmm, dann könnte man ja einfach gleich die hypothetischen kunden und die hypothetische firma komplett selberausdenken, inklusive erdrutschartigem hypothetischem erfolg, gefolgt von hypothetischer steuernachzahlung, wegen des realismus. und um die hypothek abzuzahlen, haha. spart jedenfalls druckkosten

08.05.2007 | 16:50

Kommentar #3 von Hannes:

Nun ja, ist es denn ein Sandplatzturnier ? Da könnte man schon einen Bogen spannen, ums nicht ganz so hypotetisch erscheinen lassen zu müssen...
Und vielleicht bietet ja der Tennisplatz die Möglichkeit Werbung so zu plazieren, dass trotz Streuverlust doch die eine oder andere Parzelle auf "The Pearl" veräussert werden kann. Bevor der Meeresspiegel ansteigt sollte man den hypothetischen Gewinn schliesslich eingespielt haben. Telekommunikationsunternehmen mischen ja immer Gross mit beim Bau von Luftschlössern.

08.05.2007 | 17:28

Kommentar #4 von frank:

Der Deutsche nimmt sich wieder zu wichtig und glaubt er wäre Zielgruppe nur weil das Turnier zufälligerweise in Deutschland spielt. Dabei käme niemand auf den Gedanken die Ralley nach Dakar würde für den gemeinen Wüstenkameltreiber organisiert. Ergo solls den Scheich in der Wüste erfreuen, der nachdem er nach seinem harten Tag voller Petrodollar zählen, sich noch etwas entspannen will. Und da ist so ein Damensandplatzturnier doch gut geeignet, bietet es doch kurzberocktes Dauerstöhnen. Vielleicht bietet Katar Telekom auch eine audio-only Variante über eine 0190-Vorwahl an? Leute, für mich macht das Sinn.

08.05.2007 | 20:47

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