Riesenmaschine

14.05.2007 | 13:42 | Anderswo | Alles wird besser

Ersatzsaft


Man kann Blut auch aus kleinen Fotos zusammensetzen. Aber kommt die Forschung auf sowas? Sie kommt nicht.
(Foto: genista) (Lizenz)
Mancher wissenschaftliche Durchbruch basiert auf so grossem Unfug, dass man als normaler Mensch niemals draufgekommen wäre. Verbogene Raumzeit? Wellenteilchen? Doppelhelixförmige Säurestrickleitern? Get outta here, gimme a break, what the fuck! Andere Neuheiten sind so unmittelbar einleuchtend und gleichzeitig so nützlich, dass man ihre Autoren beim besten Willen (und wer hat den schon) nicht ernst nehmen kann. Blutersatz aus Plastik, mit einem Eisenkern zum Sauerstofftransport? Sowas kann mein Dreijähriger auch, dazu muss man doch nicht an der Universität studieren. Und das alles von unseren deutschen Steuergeldern! Obwohl, wo ist dieses Sheffield noch mal?


Kommentar #1 von Rudi K. Sander; www.textsteller.de:

Lieber Kai Schreiber,
also – ohne die geringste Gehässigkeit – der angeklickte Artikel aus Sheffield ist weitaus interessanter und prägnanter als Ihr (zugegeben witziges) Drumherumschreiben.
Angeregt durch die Preisverleihung an die RIESENMASCHINE vor einer Woche in Mainz schaue ich nun jeden Tag mindestens einmal hier hinein. Ich räume auch ein: Es ist anregend. Schliesslich habe ich als Kommentarschreiber schon wie ein Irrer mitgemacht.
Dennoch frage ich mich jetzt: Was macht Ihr hier eigentlich? Wovon und womit verdient Ihr Geld? Von Luft allein könnte Ihr schliesslich nicht leben.
Gut, Ihr bietet zahlreiche Dienst an. Euer Terminkalender zeigt: Jeder ist jede Menge auf Achse. Werbung macht ihr aber (gottseidank) nicht viel. Also: Reicht das dann alles zum Leben (blöde Frage, sonst wäret Ihr ja tot).
In SPIEGEL-Online lese ich eben, so doll sei das mit den Einnahmen nicht (deshalb Lobos Neugründung).
Bleibt für mich nur der Schluss: Ihr jongliert mit der knappen Ressource AUFMERKSAMKEIT. Da Eure Artikel selber aber keineswegs immer das Gelbe vom Ei sind (ich beanstande durchaus ZU VIEL Blödelei und Ironie), drängt sich mir auf (jetzt aber gehässig formuliert): Die Kommentarschreiber sind für Euch DIE NÜTZLICHEN IDIOTEN der Riesenmaschine.
Nichts für ungut: Rudi Sander

14.05.2007 | 17:57

Kommentar #2 von Sascha Lobo:

Lieber Herr Sander, "nützliche Idioten", dem kann ich nur zum Teil zustimmen. In der Wahrheit über die Riesenmaschine steht neben anderen Wahrheiten aber auch, dass wir alle hier auch andere Jobs haben.
Wenn man internationale Vergleiche anstellt, sind auf der Riesenmaschine im Vergleich zu den Leserzahlen (100 Milliarden je 100 Millenien) ausnehmend wenig Kommentare zu finden.
Und, das ist kein Scherz und keine Ironie, und ich weiss, dass ich hier für alle Autoren spreche, wir liegen täglich ihren wunderbaren Kommentaren zu Füssen.

14.05.2007 | 18:05

Kommentar #3 von einem der rund 70 Autoren:

Naja, für fast alle Autoren.

14.05.2007 | 18:12

Kommentar #4 von einem anderen der in Wirklichkeit eher 50 Autoren:

Übrigens wird das demnächst erscheinende Riesenmaschine-Buch ein Zitat von Rudi K. Sander enthalten (Kaufargument).

14.05.2007 | 18:15

Kommentar #5 von Rudi K. Sander; wwwtextsteller.de:

Ihr Lieben,
ich war wieder mal zu schnell, zu impulsiv und viel zu emotional. Gebt mir die Chance, cooler zu werden, bin ja erst 78.
Ich wollte ja niemandem zu nahe treten, wollte nur Euch richtig verstehen, was Ihr so tut, und was ich eigentlich tue, wenn ich mich hier ungebremst auslasse.
Im übrigen: Danke für's streicheln (wie ironisch auch immer) und danke für die milden Backpfeifen, denn so etwas macht munter (ich vertrage schon einen Buff).
Respektvoll: Rudi Sander

14.05.2007 | 20:34

Kommentar #6 von Kai Schreiber:

Lieber Herr Sander,
schönen Dank für den Kommentar und die milde Schelte, die ich zur Hälfte hinnehme und zur andern Hälfte aber gar nicht. Recht haben Sie, wo Sie mehr Gehalt anmahnen. Seit sieben Jahren im englischsprachigen Ausland exiliert, ist mir tatsächlich nicht aufgefallen, dass der verlinkte BBC-Artikel fremdsprachlich ist. Eine Dopplung der Fakten in meinem eigenen Text schien mir darum frivol und unnötig. Mea culpa.
Ironie hingegen gibt es zu wenig, nicht zu viel auf der Welt, und "Blödelei" ist ein ganz fürchterliches Wort, dem Robert Gernhardt sehr zu recht die "Ernstelei" entgegengestellt hat, um die Infamie des implizierten Vorwurfs fühlbar zu machen. Wer ernstelt, lügt. Sine risu, omnium falsum.

14.05.2007 | 22:36

Kommentar #7 von Rudi K. Sander; www.textsteller.de:

Lieber Kai Schreiber,
Sie haben ja so recht. Einmal zwei Jahre in England, und man versteht diesen Laden hier nicht mehr. Ist mir von 1960-1962 auch so gegangen. Jedesmal, wenn ich für ein paar Tage nach Hause kam (einmal im Monat), wollte ich alle Leute umerziehen. Meist haben sie bloss gesagt: Hau bloss wieder ab nach England.
Ach, der liebe Robert Gernhardt, um den habe ich wahrhaftig auch geweint. Vier Wochen vor seinem Tode hat er uns alle noch zum Lachen und zu dem damit bei ihm meist verbundenen Nachdenken gebracht, drüben in Mainz, bei "Literatur im Foyer" vom verehrten Martin Lüdke (der seinen Professortitel mit der grösstmöglichen Lässigkeit trägt). "Ernsteln" ist wirklich ein grossartiges Wort. Hat er tatsächlich gesagt, ohne Lachen sei alles falsch? Er war eben ein Weiser.
Gar kein Weiser ist Rudi Sander (er ist ein Bemühter, aber das ist ja wohl auch etwas Bemerkenswertes, oder?)

14.05.2007 | 23:13

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