Riesenmaschine

21.05.2007 | 13:42 | Supertiere

Schleimaals Kinder


Manchmal wirkt das Bestreben Koreas, die Nr. 1 unter den Länder mit komischen Esskulturen zu sein, arg gewollt. Hier: Inger in Seoul. Foto: Martin Kliehm, Lizenz
Vom Schleimaal kann man viel lernen. Er ernährt sich ohne Kiefer, nimmt ohne Augen wahr, was ihn interessiert, und streift den beeindruckenden Schleim, den er zur Gefahrenabwehr erzeugt elegant ab, indem er sich verknotet; vier Herzen schlagen wacker in seiner Brust. Um einen öden Aal handelt es sich bei dem Tier, das auch als Inger bekannt ist, sicher nicht.

Menschen mögen den Schleimaal, haben ihm einen exzellenten Wikipedia-Artikel spendiert, und erforschen seine obskure Position im Stammbaum der Wirbeltiere. Der Schleimaal hat natürlich auch keine Wirbelsäule, es ist aber unklar, ob er sie nicht nur vor 300 Millionen Jahren irgendwo verlegt hat und sie seither sucht – das würde wiederum erklären, warum er sich in der Zeit nicht grundlegend verändert hat. Jedenfalls sollte man klären, ob die Inger nun Schwester- oder Schwippschwager-Taxon der Schädeltiere (Stichling, Biber, Sie wissen schon) sind.

Dementsprechend gemein war es, dass wir lange keine Möglichkeit hatten, die Entwicklung etwaiger Anlagen der Wirbelsäule am Nachwuchs des Fischdarstellers studieren zu können. Seit 1930 waren keine Nachzöglinge mehr in Menschenhand gelangt, aber japanische Forscher veröffentlichten kürzlich die Entdeckung und Untersuchung von Embryos, an denen sich zeigte, dass wesentliche Merkmale, darunter die Neuralleiste, von den gleichen Genen gesteuert werden, die man bei Wirbeltieren gefunden hat. Damit ist der Schleimaal seinen bewirbelten Verwandten ein Stück näher gerückt, vielleicht lohnt eine kurze Anfrage, wenngleich verbaselte Wirbel keinen guten Eindruck machen. Dann doch besser neue kaufen oder Schwamm drüber, die schaffen es ja auch ohne.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Einen Fisch mögen


Kommentar #1 von Rudi K. Sander; www.Differenztheorie.de:

Es freut mich ungemein, zu sehen, dass ich nicht der Einzige zu sein scheine, der sich vor so schleimigen Existenzen (Politiker) ekle.
Ich sehe hier keinen Kommentar, und das – horribile dictu – seit einer Reihe von Tagen. Und: Ich kommentiere so etwas auch nicht.
Basta sagt: Rudi Sander

24.05.2007 | 00:16

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