Riesenmaschine

04.07.2007 | 11:58 | Nachtleuchtendes | Supertiere

Erneuerbare Niedlichkeiten

Der Innovationsdruck lastet stark auf den zoologischen Gärten: Nach wenigen Monaten verlieren Tiere ihre kindlichen Züge und irgendwoher muss ein neues Viech kommen, mit dem man die wirklich interessanten, vom Publikum aber verschmähten Spezies querfinanzieren kann. Es ist an der Zeit, die bisher nur im Internet zusammengestückelten Bakterienzoos in die Tat umzusetzen. Dank kurzer Generationszeiten sind die kleinen Racker fortwährend niedlich und süss.


Halobakteriensafari (Foto: ackook) (Lizenz)
Wie in jedem modernen Zoo sollten die Exponate in einem möglichst natürlichen Lebensraum dargestellt werden. Für den von Pelagibacter ubique bedarf es nur eines etwas grösseren Glasbehälters, etwa einen Kreuzer der Ticonderoga-Klasse lang, zwei Hockeyfelder breit und 2000 aufrechte Murmeltiere tief, der mit stark verdünnter Hühnerbrühe zu befüllen wäre. Der Aufwand ist in jeder Hinsicht gerechtfertigt, handelt es sich bei dem hocheffizienten Bakterium um einen der häufigsten Organismen auf unserem Planeten. Zusammen wiegen seine 10e28 Vertreter mehr als alle Fische zusammen, selbst wenn man die Wale hinzurechnet.

Die Zeit dazu wäre reif, denn die grossen Fortschritte bei der Züchtung von Bakterien in kontrollierten Nährmedien machen nicht nur die Zurschaustellung von Pelagibacter nach anfänglichen überraschenden Schwierigkeiten möglich, sondern auch von echten Exoten wie den quadratische Bakterien, die Walbsy einst so schön beschrieb. Diese Halobakterien und ihre Verwandten bereiten einem nicht nur im Mikroskop Freude, auch in grossen Arealen sind sie kreativ und machen mal was anderes mit der Landschaft als das blöde Grün. Die unvermeidbare Streichelwiese lässt sich durch eine Sammlung von bakteriellem Biofilm auffrischen – niemand, der je einen Bakterienflaum berührte, wird sich wieder um die Krabben kümmern, die man beispielsweise im Monterey Bay Aquarium streicheln kann.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Unsere ganz kleine Farm


Kommentar #1 von evolutionsverweigerer:

'There are no duplicate gene copies, no viral genes, and no junk DNA.'
Und wir schleppen jeden Tag diesen ganzen unnützen Genmüll mit uns herum. Als wenn das Leben nicht auch so schon anstrengend genug wäre.
Herzlichen Dank, Evolution.
Back to the basics!

04.07.2007 | 12:18

Kommentar #2 von Rita Felicia Batez:

Wenn alle Pelagibacter ubique-Bakterien zusammen mehr als alle Fisch und Meersäuger wiegen, müssen sie theoretisch auch mehr Masse haben. Wenn man also sehr viele davon einfinge und sie in ein Glas täte, so müsste man doch irgendwann die Bakterien mit blossem Augen erkennen..vielleicht als spröder, vielleicht als Sirupartiger Inhalt. Vielleicht wären sie sogar schön gefärbt!
Warum hat das noch nie jemand gemacht!?

06.07.2007 | 08:57

Kommentar #3 von bakterienklugscheisser:

frau felicia batez, schon bei "normalgrossen" bakterien (1-10 µm) bräuchten sie ca. 10 hoch 7 zellen pro ml wasser, damit sich eine starke trübung mit dem von ihnen herbeigesehnten farbeffekt einstellt. pelagibacter ubique ist aber noch kleiner (0,12 bis 0,20 µm), um wieviel mehr zellen sie da bräuchten überlasse ich anderer leute rechenkunst.

06.07.2007 | 10:17

Kommentar #4 von irgendwem:

naja, nach der roten suppe oben im bild zu urteilen sollte es schon möglich sein, die trübung im einmachglas zu erkennen. viel schöner wären zu dekorativen zwecken aber sicherlich irgendwelche leuchtbakterien.

07.07.2007 | 13:10

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