Riesenmaschine

24.07.2007 | 00:40 | Anderswo | Fakten und Figuren

Vögel ganz oben


Schnepfe (Gallinago gallinago), Quelle, Lizenz
2007 ist das Jahr der sinnlosen Unternehmungen, 2008 übrigens auch, und 2009 wird es schon 100 Jahre her sein, dass Bernhard Adolf Hantzsch nach Baffin Island aufbrach, zu einer für moderne Verhältnisse geradezu übertrieben sinnlosen Expedition. Hantzsch, renommierter Ornithologe mit reichlich Felderfahrung in Sachsen, Island und Labrador, plante nicht etwa die Eroberung des Nordpols oder so einen sinnvollen Quatsch, sondern eine gründliche Erfassung der arktischen Vogelwelt, ausgerechnet in einer Gegend, in der man täglich dreimal stirbt. Irgendeiner muss es ja machen. Es ging gleich gut los, denn sein Schiff sank samt Ausrüstung kurz vor Baffin Island. Nach einem miserablen Hungerwinter unter Wilden brach er unbeirrt auf und zog in monatelangen Qualen einen Schlitten mit einem darauf befestigen Walfangboot einmal quer durch Baffin Island, das ungefähr so gross ist wie Skandinavien. Und wenn er Brennstoff gehabt hätte, hätte er nicht die grossen Mengen Fleisch roh essen müssen, die er hätte jagen können, hätte er nur ausreichend Munition besessen. Im Winter 1910/11 schliesslich erlegte einer der beiden begleitenden Eskimos einen Eisbären, von dem Hantzsch, halt ein Vogelexperte, roh ass, und so im Frühjahr 1911 elendig an Trichinen starb, bevor er verhungern konnte. Die letzten Worte von Aggakdjuk: We made a nice grave of stones and it is in a good place.

Bernhard Hantzsch, an dem man sich echt ein Beispiel nehmen sollte, hinterliess seine leider nicht mehr verfügbaren Tagebücher sowie knapp 30 epische Publikationen. Besonders gern erinnert man sich an Über das Weichen der Vögel im Fleische (1906), Der Durchgang des Felsenschneehuhnes (1907) und Vergiftete Lachmöwen (1902).

(Quelle: The work of Bernhard Hantzsch in Arctic Ornithology (PDF), eine Laudatio von Rudolph Martin Anderson)


Kommentar #1 von Frau Ahorn:

Ein HOCH auf Bernhard Hantzsch. ER möge stilvoll und in Frieden ruhen.
Frau AHORN

24.07.2007 | 12:12

Kommentar #2 von Frau Ahorn:

Ach ja: wer war noch mal Ihr stilistischer Kommentar-Berater? Ich erwäge bei wiederholter Kommentierlaune eine vorherige Lektoratszusammenarbeit mit der betreffenden Person.
Höflich
Frau Ahorn

24.07.2007 | 12:16

Kommentar #3 von André Kaiser:

Vor zwei jahren war ich im Auftrag des Alouette-Verlages Hamburg auf den Spuren Hantzschs bei den Inuit in Baffinland. Es wird ein Film über ihn vorbereitet, für den es jedoch von den etablierten Sendern noch nicht die nötige Untertsützung gibt. Bis heute ist sein Andenken bei den Inuit lebendig – mehr als in seiner Heimat. Es gibt ein Buch in Kanada mit den Tagebuchaufzeichnungen seine letzte Expedition.
Wir haben unweit von Dresden, in Kurort Hartha, die Grundschule nach ihm benannt und dort eine Dauerausstellung zu seinem Leben und Werk als Vorbild für die Kinder. Jedes Jahr gibt es dort einen Bernhard-Hantzsch-Tag.
André Kaiser, Ortsvorsteher, Kurort Hartha
andr.kaiser@gmx.de

03.09.2007 | 12:28

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