Riesenmaschine

06.04.2008 | 10:16 | Nachtleuchtendes | Fakten und Figuren

Telescoputechture

Nicht vollends geklärt ist, wer zum ersten Mal ein Fernrohr zusammenschraubte und wann er das tat (und warum). Bekannt damit wurde jedenfalls im Jahr 1608 ein gewisser Hans Lipperhey, who claims to have a certain device by means of which all things at a very great distance can be seen as if they were nearby. Kaum wird jemand daran zweifeln, dass die Welt, wie wir sie kennen, anders aussähe, hätten wir sie nicht 400 Jahre lang mit grossen Rohren angestarrt. Die Sonne hat Flecken? Lachhaft. Saturn gar kein Lichtpunkt, sondern ein Gasriese? Albern. Und der Andromedanebel gar kein Nebel, sondern 100 Milliarden Sterne? 100 Milliarden! Holy shit. Das Teleskop hat das Universum verändert und uns in den Staub gestossen. (Ähnliches leistete nur der Dudelsack.)


Foto, Lizenz
Niemand verwundert es daher, dass Teleskope zu Wallfahrtsstätten wurden und ihre Erbauer dem Universum Demut entgegenbringen. Im Gegensatz zu den restlichen Gebäuden der Welt, die mit ihren Ecken und Kanten scharf in den Äther schneiden, sind Teleskopkuppeln kugelrund – genau wie Planeten, Sterne, Sternhaufen. Die energetisch günstigste Form, nach der jeder gasförmige Körper im Vakuum strebt, als Kuppel steht sie in hundertfacher Ausführung auf den heiligen Bergen.

Bis wir irgendwann lange genug in das Universum gestarrt hatten, um es verachten zu lernen. In ein paar Milliarden Jahren von der Sonne verschluckt. Noch etwas später mit dem Andromedanebel kollidiert. Und bereits in zehn hoch hundert Jahren sind alle Protonen zerfallen, alle Schwarzen Löcher verdampft, nichts bleibt übrig. Hell, schon in zehn Minuten könnte Eta Carinae explodieren und tausende Zivilisationen in den Tod reissen. Das Universum ist geistlos und voll mit jugendlichem Zerstörungswahn.

Deshalb geschieht es dem All nur recht, wenn wir ihm neuerdings zum Trotz eckige Kuppeln aufs Dach stellen. Sie nach japanischen Autos benennen. Und von James Bond veralbern lassen. Ecken, mach uns das erstmal nach.


Kommentar #1 von Tilli Eulenspiegelin:

schön, dass Sie heute meinen persönlich okkupierten Stern erwähnen – sehr löblich!
http://tillieulenspiegelin.wordpress.com/2008/03/13/hello-world/

06.04.2008 | 14:02

Kommentar #2 von irgendwem:

Das Leben schreibt einfach die schönsten Geschichten.

06.04.2008 | 15:05

Kommentar #3 von irgendwem:

Immer mehr blaue Artikel hier ... schade, war früher irgendwie lesenswerter.

06.04.2008 | 18:33

Kommentar #4 von Frau Grasdackel:

Heaven, funkeln Daniel Craigs blaue Augen mittlerweile so stark, dass in einer Sternwarte gedreht werden muss? Herr Dr. Scholz, müssen Sie nicht bald mal wieder nach Chile reisen? Ich komme mit. Stelle Ihnen auch ganz selbstlos meine smaragdgrünen Augen zu Teleskopexperimenten zur Verfügung.

07.04.2008 | 04:34

Kommentar #5 von christoph @ Lg:

Sehr nett geschrieben, bin mir jedoch noch nicht ganz sicher ob the schnelle Change zwischen German und English dem Article gut does. An dieser Stelle habe ich einen überflüssigen Smiley hingemacht, wofür ich mich dereinst schämen werde.

07.04.2008 | 17:00

Kommentar #6 von irgendwem:

Gut, das noch einmal zusammengefasst zu bekommen – jetzt, wo uns Joachim Bublath das nicht mehr turnusgemäss an den Adventssonntagen im Teleprompterstakkato nahebringen kann!

07.04.2008 | 20:13

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