Riesenmaschine

19.09.2008 | 03:54 | Anderswo | Alles wird besser | Essen und Essenzielles

Crowdsource the disco


Die neue längste Theke der Welt (Foto, Lizenz)
Provinz- und Grossraumdiskotheken waren immer schon Horte des besinnungslosen Fortschritts. Seit Jahren werden die Getränke dort vollkommen elektronisch mit ausgegebenen Chip- oder Magnetkarten bezahlt, und an den Kassen akzeptiert man auch EC-Karten. Die Verbannung des Kleingelds, ein uralter Traum der Menschheit, ist zwischen den Themenräumen Discostadl und Rittersaal längst Realität. Im Agostea Koblenz hat man beispielsweise den Gedanken der Automatisierung völlig verinnerlicht. Nicht nur, dass die Chipkarten hier beim Eintritt durch ein hochkompliziertes visuelles Aufnahmeverfahren mit einem Bild des Gastes versehen werden, um Missbrauch vorzubeugen. Es wurden auch, vorerst als Ergänzung zur Theke, Getränkeautomaten aufgestellt, die kalte Softdrinks und Bier zu vergünstigten Preisen bereithalten. Informanten berichten, dass sich Ähnliches anderswo schon viel länger beobachten lässt, aber das lässt es sich ja immer.

Die Einführung von Getränkeautomaten in Clubs steht dem Geschäftsmodell der Tanz-Gastronomie jedenfalls nur auf den ersten Blick diametral gegenüber. In Wirklichkeit ist damit der Grundstein gelegt, um endlich auch hier das Prinzip des Crowdsourcing durchsetzen zu können: In Zukunft werden Diskotheken alle Bars abschaffen und nur noch Getränkeautomaten aufstellen. Kostspielige DJs werden ersetzt durch die Möglichkeit für Gäste, eigene CDs mitzubringen, für die Lichteffekte hat einfach jeder eine bunte Taschenlampe dabei und den Strom macht man auch selbst. Morgens früh räumen dann alle zusammen auf und putzen die Klos. Das alles zu "vergünstigten Eintrittspreisen"! Wer würde da nicht gerne in der Provinz oder im Grossraum wohnen?


Kommentar #1 von nebenan:

die formulierung "diametral gegenüber" bitte nochmal überdenken und überarbeiten!

19.09.2008 | 13:12

Kommentar #2 von dem weissem albino-kanin:

Vielen Dank. Das ist ein schöner Hinweis.

19.09.2008 | 13:36

Kommentar #3 von der Zwergenmaschine:

Die Webseite dieser Koblenzer Einrichtung hätte niemals hier verlinkt werden dürfen. Niemals! Meine Augen tränen noch immer.

19.09.2008 | 15:48

Kommentar #4 von florian:

die letzten vier sätze waren das lustigste, was ich seit langem gelesen habe.

19.09.2008 | 16:58

Kommentar #5 von grossraumprovinzler:

der ganze text wurde allzu offensichtlich auf die schlusspointe zielend geschrieben. sorry, aber das kann ich gutheissen.

19.09.2008 | 18:03

Kommentar #6 von Lars:

Was stimmt denn mit "diametral gegenüber" nicht?

19.09.2008 | 19:48

Kommentar #7 von sral:

Ich denke durchmesserhaft konträr zu Lars.

19.09.2008 | 23:02

Kommentar #8 von westernworld:

#6 als absolvent der hattori hanzō school of applied haarspalterei ...
gegenüber impliziert ein sich aufeinander beziehen eine art zugewand sein, entgegengesetzt, die gebräuchliche floskel lautet "diametral entgegengesetzt" beschreibt ein maximales auseinanderstreben, aufsuchen der amweitesten voneinander entfernt liegenden punkte auf einer kreisbahn ...
ach das waren wieder zu viele wörter und zuwenig metaironie, ich lern es nie...

19.09.2008 | 23:53

Kommentar #9 von M:

Mir vollkommen unverständlich, warum ein Diskobereich mit HipHop und Black-Musik "Rittersaal" geheissen wird. Wegen Black Knight? Oder ist mit Black-Musik die Musik des finsteren Mittelalters gemeint? Passt der HipHop immer noch nicht. Da sollen die gefälligst Sachen spielen die dazu passen – Mit Dudelsack und so.

20.09.2008 | 02:02

Kommentar #10 von irgendwem:

der heisst bestimmt nicht rittersaal wegen der musik, sondern weil er so rittermässig aussieht. Rittermusik will doch keiner zu tanzen.

21.09.2008 | 11:10

Kommentar #11 von Outdoor Autor:

ach, wo wir schon dabei sind: was ist eigentlich die schöne Automatenbar in Berlin (Münzstrasse) passiert? Und wann gibt´s endlich FEBO in Deutschland?!

22.09.2008 | 00:14

Kommentar #12 von Outdoor Autor:

die erste Frage im vorherigen Kommentar bitte nur ganz schnell lesen, sonst versteht man die nicht so gut.

22.09.2008 | 00:26

Kommentar #13 von irgendwem:

Lars und sral liegen im metasprachlichen Raum quer.

22.09.2008 | 14:47

Kommentar #14 von Ratnehmer:

Warum ist denn ein Corsakorso etwas was So Nicht betitelt werden muss?
Dirk von Lotzow: Also dass man während der WM mal so ein Wimpel an sein Auto hängt, scheint mir okay. Habe ich ja auch gemacht und mit dann den halben Tag mit meinem Opel Corsa um den Block gefahren.

22.09.2008 | 19:09

Kommentar #15 von M:

Da bin ich aber anderer Meinung.

22.09.2008 | 20:05

Kommentar #16 von irgendwem:

Das kann doch so nicht stimmen.

24.09.2008 | 10:33

Kommentar #17 von irgendwem:

Es gibt in Berlin zur Zeit nur ein Thema: Thomas Dörflein. Man ist schockiert, berührt und traurig. Wir werden ihn so schnell nicht vergessen. Man sollte ihm im Zoo ein Denkmal setzen. Das wäre wenigstens einmal ein Mensch, der es wirklich verdient hätte!

24.09.2008 | 13:47

Kommentar #18 von der Dingens wieder:

Wieso? Der Mann war Tierpfleger. Er hat berufsgemäss Tiere gepflegt. Was macht das denkmalswürdig? Traurig, dass er gestorben ist, vor allem für seine Freunde und Verwandten, aber das tun täglich Tausende. Auch nichts Aussergewöhnliches also.

24.09.2008 | 15:57

*  IN DER RIESENMASCHINE


*  ORIENTIERUNG



Werbung
Werbung Ratgeber

*  SO GEHT'S:

- Riesen-Auswahl

- Buden-Hopping

- Die innere Zeitlupe annehmen

- Pa-leng

*  SO NICHT:

- Mit dem Sputumspatel den Salbeitee umrühren

- billiger Chrom

- Stechapfeltee

- Fast-Forward bei 95° Fahrenheit


*  AUTOMATISCHE KULTURKRITIK

"The Three Burials of Melquiades Estrada", Tommy Lee Jones (2005)

Plus: 1, 14, 15, 21, 36, 41, 45, 55
Minus: 19, 73
Gesamt: 6 Punkte


*  KATEGORIEN


*  ARCHIV