Riesenmaschine

24.04.2009 | 22:26 | Berlin | Sachen anziehen

Genderwäsche

In der Ohlauer Strasse hat ein neuer Waschsalon aufgemacht, das Waschhaus 38 (Claim: "Hier geht es rund – von weiss bis bunt"). Es ist trotz seines Namens speziell geeignet für Zahlenanalphabeten, denn die Maschinen sind nicht durchnummeriert, sondern mit Namen versehen. Was an sich okay ist, aber es gehört dann doch eine gewisse Schmerzbefreitheit dazu, sämtlichen Waschmaschinen Frauennamen zu geben: Clara, Ida und Dora dürfen den Kreuzberger Junggesellen also die Socken säubern. Männliche Namen (Heiko, Bernd) sind hingegen nur für die Trockner vorgesehen, die entsprechend grösser und wuchtiger daherkommen, aber bei weitem nicht so viel zu tun haben.

Das erinnert doch sehr an das Geschlechterrollenbild von Ikea, wo Stühle, Schreibtische und Regalsysteme männliche Vornamen tragen, während Stoffe, Gardinen und Decken nach Frauen benannt sind. Wie sich das Waschhaus 38 in seiner ausgewählt genderbewussten Nachbarschaft etablieren will, könnte interessant werden. Aber vielleicht wird ja verfahren wie beim Institut für Meteorologie der FU, wo Hoch- und Tiefdruckgebiete jahresweise das Geschlecht wechseln dürfen. Bis dahin muss man sich damit begnügen, dass die Frauen (3,50 Euro) immerhin deutlich besser bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen (0,50 Euro).


Kommentar #1 von Mumps:

Mhm...
DER Trockner
DIE Waschmaschine

24.04.2009 | 22:59

Kommentar #2 von Paul:

Ich bin dafür dass die Riesenmaschine mit gutem Beispiel vorangeht und alle sexistischen Artikel durch ein neutrales Wort ersetzt. Am besten man denkt sich ein ganz neues aus, um Missverständnisse auszuschliessen.
Ich schlage 'da (bestimmter Artikel) und 'o (unbestimmter Artikel) vor.
Ich bin dafür dass 'da Riesenmaschine mit gutem Beispiel vorangeht und alle sexistischen Artikel durch 'o neutrales Wort ersetzt. Am besten man den sich 'o ganz neues aus, um Missverständnisse auszuschliessen.

25.04.2009 | 01:43

Kommentar #3 von saloon41:

Ich finde, wer nur heisse Luft produziert, hat nicht mehr als 50 Cent verdient. (HACH, das tat mal gut!) Andererseits sind Clara und Erna nah am Wasser gebaut, was ihre Wasch-Performance hoffentlich nicht beeinträchtigt. In jedem Fall gilt: Alles, was einen Namen hat, kriegt ein Gesicht. Samstagmorgens zu sagen " Ich habe noch ein Date mit Clara, Ida, Dora, Frieda, Erna, Heiko oder Bernd" hört sich in jedem Fall weniger profan an wie "Ich muss noch ins Waschcenter". In diesem Sinne einen schönen Samstag! PS: In meinem bevorzugten Copyshop heissen die Kopiergeräte Schiller, Goethe und Picasso.

25.04.2009 | 09:02

Kommentar #4 von Höpöti:

@Mumps: DER Waschvollautomat (hat einen Schlauch fürs Schmutzwasser).
@Paul: Wieso neu erfinden? Einfach auf Finnisch schreiben, da gibts kein grammatisches Geschlecht und lustiger klingts auch.
Und überhaupt: Wozu gibts ein Antidiskriminierungsgesetz, wenn jeder dahergelaufene Waschsalon den Maschinen und Maschininnen Namen statt Nummern geben darf? Als Zahlenmensch mit ausgeprägter Schwäche Namen zu behalten (und gar zuzuordnen) fühle ich mich ausgestossen und muss das anprangern, tut mir leid!

25.04.2009 | 09:05

Kommentar #5 von ding der unmöglichkeit:

wieso aber haben heiko und bernd weniger zu tun? will nicht alles, was nass aus erna und frieda kommt, trocken wieder mitgenommen werden?

25.04.2009 | 18:06

Kommentar #6 von irgendwem:

da sollten beide geschlechter doch zusammenhalten und gegen die diskriminierung durch ziffern ankämpfen. charakter statt binär.

25.04.2009 | 23:30

Kommentar #7 von irgendwem:

Kommentar #3 gehört ordentlich durchgeschleudert, bevor da irgendein Genderapparat randarf.
Ansonsten diesmal (b) (genau dafür die Riesenmaschine abonniert und auch in schlechten Zeiten etc.)

26.04.2009 | 05:19

Kommentar #8 von Harry Hirsch:

Eigentlich ist das ganze doch nur aus der Verquickung aus temporalen und Knigge-Aspekten entstanden – und die wollen wir doch wohl alle richtig beachten, gelle! Erst kommt die Frau, dann der Mann.

27.04.2009 | 09:27

Kommentar #9 von kptn:

Ich plädiere für Gegut statt Geschlecht und dass DAS Gegenständliche nicht ständig durch verweiblich/männlichung diskriminiert wird.

27.04.2009 | 09:28

Kommentar #10 von Derdie Flo:

Man sollte einfach die Trennung zwischen Männer- und Frauennamen abschaffen, dann gäbs das ganze gewese nicht.

27.04.2009 | 13:42

Kommentar #11 von Knitterfrei:

Einfach ein Schild auf die Maschinen "Gerätename ist Anagramm!", dann kann jeder sich seine eigene Anrede zusammenbasteln, also "Arne" oder "Erna", "Frieda" oder "Fredi A.*" usw. ganz wie's beliebt, Gender/die his oder her. Gleichzeitig gibt es etwas zu tun um die Wartezeit auf die Wäsche unterhaltsam zu überbrücken und den Maschinen ist es eh egal.
*ok, n bissken platt, aber ich hab keine Zeit mehr, Wäsche ist fertig

27.04.2009 | 17:20

Kommentar #12 von die Kenne:

Richtig heisst es (!): "die Wasche" und "die Trockne". Schliesslich heisst es ja auch "die Putze".

28.04.2009 | 19:46

Kommentar #13 von semidemiurg:

Empfehle allen die Lektüre von "Die Waschmaschine ist auch nur ein Mensch" (Ephraim Kishon).

29.04.2009 | 21:33

Kommentar #14 von meriat:

Empfehle, den alten Vorschlag Hermes Phettbergs aufzunehmen und den sachlichen Artikel + y-Endung für geschlechtergerechte Bezeichnungen einzuführen. Also: das Waschmaschiny, das Trockny bzw. das Putzy

29.04.2009 | 22:00

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