Riesenmaschine

06.07.2009 | 10:15 | Berlin | Alles wird besser

Design für die anderen 90 Prozent


Pfandflaschen in Mülleimer: ziemlich daneben.
Was passiert, wenn Designer sich nicht länger nur um die Probleme des reichsten Zehntels der Weltbevölkerung bekümmern, sondern zur Abwechslung die vielleicht sogar schwerwiegenderen des grossen Restes in Angriff nehmen? Es entstehen unter anderem so schlichte und nützliche Dinge zur Verbesserung des einfachen Lebens wie die Q Drum oder der LifeStraw. Auch bei uns, im Herzen des zusammenbrechenden Kapitalismus, wären mit diesem Ansatz durchaus sinnvolle Anwendungen vorstellbar.

Leider blieb Holger Jahns Vorschlag, wie man die 30.000 Berliner Mülleimer aufrüsten könnte, damit Bedürftige nicht mehr unwürdig nach Pfandflaschen in ihnen herumstochern müssen, bislang unerhört. Dafür gibt es jetzt einen Workaround in Form nebenstehenden Aufklebers. Immerhin eine Art Anfang.

Schliesslich sind wir in Deutschland dank Dualem System etwa gleichweit entfernt von einer Reparierökonomie à la Uruguay, der Heinzelmännchenwirtschaft von US-Grossstädten, wo man den Hausmüll nach Wertstoffart in durchsichtige Plastiktüten steckt, damit sie sortenrein zur nächsten Sammelstelle gebracht werden können, und dem überragenden SERO-System der DDR. Wenn die Initiative auch kaum etwas gegen die schleichende Verwahrlosung von gefühlt etwa neun Zehnteln der Berliner Wohnbevölkerung auszurichten vermag, könnte sie doch wenigstens zur Bodenbildung bei der Mehrwegquote beitragen.


Kommentar #1 von irgendwem:

Eine gute Sache, die Aufkleber, neulich wurde bereits ein Freund von einem Flaschensammler zusammengefaltet, weil ersterer, ohne in diesem Moment weltumspannend gedacht zu haben, die Bierflasche in den BSR-Eimer werfen wollte.
Die Aufkleber sollte es zum Selbstausdrucken geben. Gibt es?

09.07.2009 | 08:25

Kommentar #2 von flibba:

Essensreste sollte man im Übrigen und auch normalerweise auf den Rand der Mülleimer legen. Da ersparen sich manche beinahe-Konsum-Verweigerer einen Haufen Arbeit.

09.07.2009 | 20:04

Kommentar #3 von Martin:

Dem stimme ich zu. Wer etwas anderes behauptet, möge es bitte beweisen.

10.07.2009 | 12:29

Kommentar #4 von saloon41:

Viel schöner wäre es, wenn unaufgeregt eine Kultur des Mitdenkens sich ausbreiten würde. Stattdessen fördern solche neunmalklugen Piktogramme, dass man das Gehirn morgens eigentlich nicht mehr wecken muss, weil es steht ja bald überall drauf, was zu tun und zu lassen ist. Und lesen muss man auch nicht mehr können. Aber interpretieren muss man können. Wetten, dass einige (Flaschen) jede Art von Flasche neben den Eimer stellen werden. Ihr werdet sehen ...

10.07.2009 | 18:49

Kommentar #5 von felix:

Nichts ist gewiss. Die Sicherheit des Wissens um die Existenz des eigenen Bewusstseins ist nämlich leider auch nicht hundertprozentig. Denn die Sicherheit des eigenen Denkens gilt nur für einen instantanen, völlig inhaltsleeren Jetzt-Punkt, denn alle Bewusstseinsinhalte dauern eine gewisse Zeitspanne, und was auch nur unmittelbare Vergangenheit ist, unterliegt möglicher Täuschung (auch wenn es noch so unwahrscheinlich ist, es ist möglich, sich über die vergangenen hundertstel Sekunde falsch zu erinnern, sich etwas einzubilden und damit zu irren). Auch das Wissen um das eigene Bewusstsein wird einem nur ausdrücklich bewusst, wenn es gedanklich formuliert ist, und auch hierfür gilt die Möglichkeit von Falschheit sprachlicher Formulierungen, von Angelerntem und Erinnerung. Worüber man sich absolut unmöglich täuschen kann, ist das nicht objektivierbare Subjekt möglicher Täuschung, ein fast nicht greifbarer, völlig augenblicklicher Existenzpunkt ohne jegliche zeitliche Ausdehnung, der einem aber sofort wieder entgleitet, sobald man ihn ausdrücklich ergreifen und objektivieren will: Das transzendentale Ich, von dem Immanuel Kant spricht. Es ist nicht, wie das empirische Ich (alle Bewusstseinsinhalte) ein Element der empirischen Welt – und somit auch nicht in Experimenten objektivierbar –, sondern ein rein formaler logischer Punkt, ein unbekanntes x. Es ist so gut wie nichts, aber dafür absolut gewiss: Nichts ist gewiss.

13.07.2009 | 21:50

Kommentar #6 von kptn:

...ach komm Felix!
Alles ist gewiss. Die Unsicherheit des Wissens um die Nicht-Existenz des eigenen Bewusstseins ist nämlich leider auch nicht hundertprozentig. Denn die Unsicherheit des eigenen Denkens gilt ebenso für einen pepertuelles, inhaltsvolles "Immer", denn alle Bewusstseinsinhalte überdauern im Unbewussten ...Rhabarber-Rhabarber-Rhabarber... Auch das Unwissen um das eigene Unbewusste wird einem nur ausdrücklich bewusst, wenn es gedanklich formuliert ist, und auch hierfür gilt die Möglichkeit von Richtigkeit sprachlicher Formulierungen des Erlebten. Worüber man sich absolut unmöglich täuschen kann, ist das Objektivität ein absurdes geistiges Konstrukt des Subjekts ist ...Rhabarber-Rhabarber-Rhabarber... Das transzendentale Du, von dem ich spreche. Es ist, wie das epistomologische Du (alle Un/Bewusstseinsinhalte) ein Element der epistomologischen Welt – und somit auch in Experimenten nicht objektivierbar –, ein rein inhaltlich logischer Punkt, ein bekanntes x. Es ist so gut wie alles, und absolut gewiss: Alles ist gewiss. – Und das an den Nächsten Denken Sinn macht sowieso An dieser Stelle habe ich einen überflüssigen Smiley hingemacht, wofür ich mich dereinst schämen werde.

14.07.2009 | 11:27

Kommentar #7 von kptn:

war gar kein Smiley... da muss man differenzieren... ; )

14.07.2009 | 11:29

Kommentar #8 von Stefan:

Die Idee finde ich super, aber die symbole auf dem Aufkleber sind recht undeutlich.
Da kann der Designer ruhig noch etwas designen damit man erkennt was gemeint ist.

14.07.2009 | 17:18

Kommentar #9 von 9001:

jagenau! das untere kann man ja garnicht erkennen. soviel ist gewiss.

14.07.2009 | 21:59

Kommentar #10 von irgendwem:

schon interessant was die jugend immer wieder hervorbringt und somit einen teil zur zeitgenöschischen und allgemein menschlichen kultur beiträgt...finde ich klasse

16.07.2009 | 10:54

Kommentar #11 von liberaler:

Mülleimer dienen dazu, Müll aufzubewahren. Wer müll daneben stellt, der handelt falsch. Wer aus falschem Mitgefühl mit dem Bodensatz der Gesellschaft falsch handelt, der handelt doppelt falsch.

16.07.2009 | 15:23

Kommentar #12 von irgendwem:

@liberaler Bodensatz der Gesellschaft: Mülleimer dienen dazu, pfandflaschen aufzubewahren, ne?

16.07.2009 | 19:59

Kommentar #13 von liberaler:

@irgenwen
Pfandflachen haben einen Wert irgendwo zwischen 8 und 25 Cent. Anderer "Müll" hat ebenfalls einen Wert – meist einen geringeren, aber immer noch einen Wert. Fragen Sie gegebenenfalls bei Altmetallhändler Ihres Vertrauens nach.
Möchten Sie jetzt, dass alles, was für irgendjemanden von irgendeinem Wert sein könnte, neben anstatt in den Müllbehälter getan wird?
Wissen Sie, es soll Menschen geben, die nehmen sich auch weggeworfene Pausenbrote aus dem Müllbehälter am Schulhof. Sollen die Schüler diese auch lieber neben den Müllbehälter legen?
Pfandsammler und vergleichbare Versager sind so schon eine enorme (stinkende, bettelnde...) Belastung meines Lebensgefühls. Muss man das noch durch spezielle Pfandsammler-Hilfen verschlimmern?

16.07.2009 | 20:29

Kommentar #14 von irgendwem anderes:

Vage Hoffnung, dass Kommentator #11/#13 ein Fake ist, zwecks Anregung einer Diskussion oder aus blosser Freude am Simulakrum, oder wenigstens ein Marxist, der die Klassengegensätze nicht durch Almosen beseitigen will, weil noch Hoffnung auf Revolution.

16.07.2009 | 22:55

Kommentar #15 von irgendwem:

@ 13: Ja, es gibt ja schon genug Müll auf der Welt der irgendwo rumliegt und kaputt geht. Dinge die noch einen Wert haben, also nicht in den Mülleimer. Ganz einfach. Nennt sich auch Recycling.

17.07.2009 | 09:33

Kommentar #16 von käptin:

@ liberaler: irgendwas zwischen 8 und 25 cent war auch der preis deiner Scheuklappen, was?! Pfandflaschen sind kein Müll und den Flaschensammlern den Griff zwischen vergammelte Pausenbrote ersparen ist eine erster Schritt über ein Ego, welches du zu relativieren nicht im Stande zu sein scheinst.

17.07.2009 | 09:59

Kommentar #17 von Doktor Mozz:

Ja, schon. Aber wer ist dieser Konter?

17.07.2009 | 10:48

Kommentar #18 von www.apfelmag.com:

Mülleimer dienen dazu, Müll aufzubewahren!
Fertig aus!

17.07.2009 | 13:07

Kommentar #19 von zappo:

yes weekend!

17.07.2009 | 15:48

Kommentar #20 von 9001:

kaputtgegangener Müll, #15, gehört aber dann wirklich in die Mülltonne.

19.07.2009 | 08:27

Kommentar #21 von Dr. Mülheimer:

Pfandflaschenhalterung? Unfug! Warum nicht einfach den Müllbehälter drehbar aufhängen? Damit wird nicht nur dem eifrigen Müllprüfer die Möglichkeit gegeben mittels einer simplen Bewegung aus dem Handgelenk den Inhalt des Behälters hinsichtlich wertvollen Pfandgutes zu kontrollieren. Obendrein wird das Depot dabei auch entleert und Finanzmittel für die teure Müllabfuhr können eingespart werden, die dringend für Stützkredite unglücklicher Kreditinstitute benötigt werden.

19.07.2009 | 23:36

Kommentar #22 von Harry Hirsch:

Ja also, dann wäre ich schon dafür, an den Strassenecken und ähnlichen müllbehälterträchtigen öffentlichen Orten die Multibehälter einzuführen, die von der behördlich gesteuerten und angeordneten Mülltrennerei jedem Privathaushalt aufgebürdet sind, sofern man sich nicht mit 17 separatzen Behältern behängen möchte. Und so kann man in dem Müll-Karussell auch eine Abteilung für Pfandflaschen vorsehen und steigert nebenher noch den Umsatz der Müllbehälterfabrikanten. Hoffentlich geht die Müllbehälterherstellung mit wenig Müll einher...

20.07.2009 | 12:33

Kommentar #23 von gnaddrig:

Hat eigentlich jemand auch nur einen Gedanken an das ganze virtuelle Wasser verschwendet, das dabei wieder draufgeht?

23.07.2009 | 20:15

Kommentar #24 von 1.0er will unterhalten werden:

Dass man jetzt schon kuckt, ob es neue Kommentare zu einem Beitrag gibt, obwohl die so oft so doof sind. Das ist mir viel zu 2.0 und sollte auch den Betreibern der Riesenmaschine zu denken geben.

25.07.2009 | 04:43

Kommentar #25 von M:

Vielleicht sollte man anfangen hier in den Kommentaren eigene selbst recherchierte Texte zu spannenden Themen einzustellen, damit die anderen Leser was zu lesen haben bis ein neuer RM-Beitrag kommt. Blog im Blog sozusagen.

25.07.2009 | 18:35

Kommentar #26 von 9001:

Ist das cms jetzt endgültig aus der Maschine ausgestiegen?"

26.07.2009 | 14:36

Kommentar #27 von irgendwem:

Hoffentlich ist nichts passiert!

27.07.2009 | 02:50

Kommentar #28 von sebabbel:

Sommerloch. Einfach selbst in den Urlaub fahren, dann braucht man auch keine Riesenmaschine. Und man kann sich darauf freuen, dass es viele bunte Riesenmaschine-Artikel gibt, wenn man zurückkehrt.

27.07.2009 | 12:17

Kommentar #29 von gnaddrig:

Ich war drei Wochen im Urlaub, und wo sind jetzt die vielen bunten Artikel?

28.07.2009 | 09:12

Kommentar #30 von Doktor Mozz:

Ich hätte jetzt auch grad Zeit.
*tapp tapp*

28.07.2009 | 20:22

Kommentar #31 von sebabbel:

Also ich nicht, aber Prokrastination ist ein so schöner Zeitvertreib...

29.07.2009 | 11:27

Kommentar #32 von RKS:

Ein ziemlich langes Leben lang war ich überzeugt, es gebe etwas wie Fortschritt und entsprechend progressive Intelligenz. Ein gutes halbes Jahr hier nicht mehr reingeschaut beweist einen sofort: Das war ein Riesenirrtum. Ich empfehle das Buch "Strategien der Verdummung", Infantilisierung in der Fun-Gesellschaft, von Jürgen Wertheimer und Peter V. Zima (Hrsg.); erschienen beim Verlag C.H. Beck, München 2001.

29.07.2009 | 20:26

Kommentar #33 von Alfred E. Neumann:

Na und?! Wie wäre es mit durchsichtigen Mülleimern?

05.08.2009 | 20:51

Kommentar #34 von lynk:

merh info über der project http://www.rebelart.net/diary/?p=1623#respond

13.08.2009 | 22:19

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