Riesenmaschine

29.10.2009 | 14:01 | Papierrascheln

Der neue Sprachmüll ist da


Eine bewegliche Sache wird herrenlos, wenn der Eigentümer ...
Man kann die Sprache nicht reglementieren und in ein Korsett zwingen, heisst es immer, ebenso wenig wie man den Wind einsperren oder einen Fluss begradigen kann. Aber spätestens beim Fluss zeigt sich, dass es eventuell doch gehen könnte, schliesslich wurde es schon gemacht, auch wenn der Fluss anschliessend häufiger über die Ufer tritt. Und es wäre ja nicht das erste Mal, dass Verwaltungsakte im politischen Überbau einen Wandel der Sprache an der gesellschaftlichen Basis nach sich ziehen. Verwiesen sei an dieser Stelle nur auf die Neuköllner Kopftuchmädels und -jungs, die als Berufsziel Hartz IV angeben (wobei es sich bei Licht besehen dabei doch wohl eher um ein hartnäckiges Hirngespinst gutbürgerlicher Journalisten handelt). Von daher ist es keineswegs ausgeschlossen, dass der Vorschlag, den uns der Frankfurter Flughafen jetzt als sexy aufgepimpte Alternative für das profane "wegwerfen" (ugs. "in die Tonne kloppen") unterbreitet, seinen Weg in die Alltagssprache nimmt: "Ey, das Ding ist im Arsch, das kannst du voll Eigentumsaufgabe nach § 959 BGB!" Dochdoch, das hat was. Das hat Potenzial.


Kommentar #1 von irgendwem:

Dann kommt auch bald das Schild, auf das wir alle warten:
Sie nähern sich einer Kreuzung nach § 37 StVO mit Wechsellichtzeichen, Dauerlichtzeichen und Grünpfeil

29.10.2009 | 17:58

Kommentar #2 von drbierkrug:

Eine hervorragende Sache, finde ich: So müssen wir Juristen uns nicht darüber streiten, ob derjenige, der seinen Müll in die Tonne schmeisst, sein Eigentum daran aufgeben oder auf das Recycling-Unternehmen übertragen wollte. Denn wenn es auf der Tonne steht, ist wohl eindeutig eine Eigentumsaufgabe gewollt. Das ist wichtig zum Beispiel für die weltbewegende Frage, ob sich jemand, der später etwas aus der Tonne nimmt, eines Diebstahls schuldig macht. [An dieser Stelle schlief der Autor ob seiner eigenen Ausführungen ein...]

29.10.2009 | 22:11

Kommentar #3 von Frau Grasdackel:

Das hat wirklich Potenzial, denn das Fehlen dieser Aufschrift hat neulich einem Mann aus meinem Dorf den Führerschein gekostet. Er fand Gefallen an einem Gegenstand, der zum Sperrmüll gegeben wurde. In vollem Bewusstsein der Eigentumsaufgabe nach § 959 BGB griff er beherzt zu, wurde jedoch von einem missgünstigen Beobachter angezeigt. Die Polizei forderte ihn schriftlich auf, dazu Stellung zu nehmen. Das Recht auf seiner Seite wissend, trank er 3 Schnäpse und fuhr direkt zur Polizei um alles klarzustellen. Man zwang ihn sogleich zur Eigentumsaufgabe seines Führerscheins. Das wäre alles nicht passiert.

30.10.2009 | 03:02

Kommentar #4 von Wolfgang:

Und wo steht die Tonne jetzt?
Wenn niemand etwas dagegen hat, würde ich das Eigentum gerne erwerben im Sinne von §958 BGB http://dejure.org/gesetze/BGB/958.html Die sind teuer solche gelben Tonnen.

05.11.2009 | 14:17

Kommentar #5 von gnaddrig:

1. Wer weiss, welche leidvollen Erfahrungen den Betreiber der Eigentumsaufgabe-nach-§959BGB-Stelle zum Anbringen dieses Hinweises getrieben haben? Wahrscheinlich hatte er grad einen Stapel Hunderter aus der Tonne gefischt, als einfieser Russenmafioso kam und ihm die Sore wieder abgenommen hat. Jetzt lässt er den Eimer von einer Webcam beobachten, um die Eigentumsaufgabe auch belegen zu können.
2. Wie ist das aber, wenn einer kein Deutsch kann? Ich meine jetzt nicht mal Kreuzberger HartzIV-Aspiranten, sondern harmlose Reisende, die den Eimer mit was anderem verwechseln? Das ganze ist bestimmt eine danebengeganene Werbemassnahme eines Rechtsanwalts.

08.11.2009 | 21:02

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