Riesenmaschine

01.03.2010 | 14:14 | Alles wird schlechter | Essen und Essenzielles

Milky Mars


Foto: Junkfood-Betty
Nur ein Beispiel für die Bildungskatastrophe in Deutschland: Im Rahmen der Umstrukturierung zu Bachelorstudiengängen soll die Schokoriegelforschung neuerdings nur noch als Teilgebiet der Astronomie gelehrt werden, die wiederum nur als Teilgebiet der Physik gelehrt wird. Und alles nur, weil Frank C. Mars, der Schokoladenheld der Neuzeit aus Minnesota, im Jahr 1923 den Riegel Milky Way auf den Markt brachte, ein schlichtes Konglomerat aus Nougat, Karamel und Schokolade. Milky Way war angeblich eine Idee von Franks Sohn Forrest, der ein paar Jahre später nach England ging, um praktisch denselben Scheiss als "Mars" quer durch Europa zu werfen. In Europa wird stattdessen ein Milky Way ohne Karamel verkauft, eine Rezeptur, die in Amerika wiederum "3 Musketeers" heisst. Diese Ambiguitäten muss man aushalten, wenn man in der Astronomie was werden will.*

Aber es kommt noch schlimmer. Die ökologische Nische des Marsriegels war in Amerika eine Weile von einer Kreatur besetzt, die wir heute als Snickers Almond kennen, also das original Milky Way mit Mandeln. Das Proto-Erdnuss-Snickers, muss man wissen, ist ebenfalls eine Erfindung von Frank Mars. Und die Globalisierung versetzt dem bunten Treiben den Gnadenstoss, was technisch überhaupt nur als Metapher möglich ist, wenn überhaupt, indem sie das europäische Mars neuerdings auch auf dem amerikanischen Markt feilbietet. Astronomisch eine Sensation: In Amerika sind Mars und Milky Way identisch.

Schliesslich noch dieses: Irgendein Klugscheisser ist vor kurzem auf die Idee gekommen, in Amerika ein Milky Way ohne Nougat zu verkaufen, also wie das europäische Milky Way, nur mit Karamel. Kein Scherz, alles einwandfrei recherchiert. Das muss man sich mal vorstellen. Da dreht jemand an der Schokoriegelevolutionsschraube und erfindet ein inverses Anti-Mars. Schon bald wird das Universum kollabieren, so der gegenwärtige Konsens in der Literatur. Frank Mars jedenfalls ging später nach Tennessee und machte in Pferdezucht.

* Wikipedia: "In the Republic of Ireland the milky bar has always been white and Anne Mc Mahon is incorrect in saying that it was brown." Anne McMahon ist entweder vor kurzem gestorben oder aber Bibliothekarin in Limerick.


Kommentar #1 von irgendwem:

Ist das irgendwie von Relevanz? Doch ja: weil es den Zustand unserer Gesellschaft widerspiegelt.

01.03.2010 | 17:44

Kommentar #2 von irgendwem:

The show must go on! Das war schon bei den alten Römern nicht anders.

01.03.2010 | 18:12

Kommentar #3 von ani*ka:

jetzt hab ich hunger.
(hunger, hunger, hunger. ist das gehaltvoll genug, du garstige kommentarmaschine?)

01.03.2010 | 18:49

Kommentar #4 von NUTZ!:

Haben M&Ms also doch nichts mit Eminem zu tun? Lebt Eminem noch? Oder liegt da eine Verwechslung vor? Und Jimmy Carter und die machtvolle Erdnuss-Lobby sind sicher auch darin verstrickt.

02.03.2010 | 14:04

Kommentar #5 von Aleks:

M&M's wurden uebrigens auch von Forrest Mars erfunden. Genau wie Twix, das es jetzt in einer limitierten Auflage wieder als Raider gibt.

02.03.2010 | 17:16

Kommentar #6 von von Krusenstern:

Und ich dachte, Forrest Gump hätte all dieses erfunden.

02.03.2010 | 18:53

Kommentar #7 von M:

In Südamerika gibts auch ein Milky Way mit Mandeln. Wieso hab ich jetzt ein Dejavú? Gabs da vor kurzem schonmal einen Artikel zu? Oder hab ich das nur jemandem erzählt?
Egal.
Und #3: Garstig ist ein wirklich schönes Wort, Danke fürs Benutzen.

02.03.2010 | 23:00

Kommentar #8 von gnaddrig:

Und die unzähligen Paralleluniversen, will heissen: die Schokoriegelmarken der diversen Diskounter, werden natürlich nicht einmal erwähnt. Ist das fehlende Sachkenntnis und Recherchefaulheit seitens des Autors oder falsch verstandene Rücksichtnahme auf angehende Schokoriegelforscher?

03.03.2010 | 16:41

Kommentar #9 von hockeymachine:

Witzig sein wollen != witzig sein.

03.03.2010 | 19:38

Kommentar #10 von Aleks:

#8: Weder noch. Ich bot der Riesenmaschine eine achtbaendige Anthologie zum Thema an, aber man gab mir den Ratschlag, ich solle doch alles in winzigen kleinen Beitraegen publizieren. Das sei "besser" fuers "Geschaeft", ein raetselhaftes Argument. Natuerlich sind mir alle internationalen Varianten der beschriebenen Riegel wohlbekannt.

03.03.2010 | 22:45

Kommentar #11 von gnaddrig:

Das beruhigt mich. Hoffentlich wird die Anthologie noch veröffentlicht! Die Schokoriegelforschung darf nicht dem Gewinnmaximierungswahn der Riesenmaschine geopfert werden!

04.03.2010 | 10:47

Kommentar #12 von irgendwem:

Und welchen Riegel kann mir der geehrte Herr Experte in der Cadbury-Hölle jenseits des Ärmelkanals empfehlen?

04.03.2010 | 19:10

Kommentar #13 von Aleks:

Guter Punkt, denn das Geburtsland des Marsriegels ist schon lange eine Schokoriegeldiaspora. Der hier beschriebene Starbar ist allerdings immer noch erste Wahl.

05.03.2010 | 10:41

Kommentar #14 von J.W. Veschwörung:

Und warum steht da "JEW!" links oben auf der Verpackung des Riegels?

13.03.2010 | 13:46

Kommentar #15 von grEGOr:

#11: Gewinnmaximierungsmaxime waere noch besser gewesen

16.02.2011 | 21:30

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