Riesenmaschine

16.10.2005 | 23:16 | Alles wird besser | Papierrascheln

No more trust the girls!


(Dieses Bild wurde vorsichtshalber entfernt und taucht wieder auf, sobald sich die Autorin oder der Autor um die Klärung der Bildrechte gekümmert hat.)
Gar nicht so selten passiert es, dass erst im Moment des Vergehens die Existenz von irgendetwas zur Kenntnis genommen wird. Vergleichbar mit dem Wecker, den man erst bemerkt, wenn er aufhört zu klingeln, verhält es sich mit dem Zentralorgan der Luxuslollimädchen ELLEgirl aus dem Burda Verlag. Laut Editorial der November-Print-Ausgabe hätten wir erfahren können, wie man hochklassig ist, ohne zugleich snobistisch zu sein, edel ohne elitär, sexy ohne ordinär und frech ohne flapsig, also eine Art Münze mit nur einer Seite. Man fragt sich, was schief gegangen sein mag, dass einen derartige Verheissungen über zwei Jahre nicht erreichten.

Führt es zwangläufig zum Scheitern eines Blattes, wenn es diesen Paradoxien eine weitere hinzufügt, indem es sich mit "Trust the girls!" bewirbt? Oder war der Titel der halbgrossen ELLEtochter zu sehr state of the art? Der Titel der November-Ausgabe bietet allen, die an der Frauenthemennadel hängen, sehr viele gute Kaufgründe, wie etwa die doppelte Erwähnung von looks und girls. Es reicht wohl nicht aus, den Standardteasern einige ausgelutschte seit Jahren bewährte Idiome ("Girls don't cry") hinzuzufügen, um die Abwesenheit intellektueller Komplikationen im Inhalt zu signalisieren. So löblich eine frohgemute Oberflächlichkeit sein mag, macht es jedenfalls keine Freude, sich im Mini-Format zu unterfordern. Und nur wenige unter uns leisten sich die rührende Verwirrung, Parfumflakons für 115 € und Lederhandschuhe mit Goldverschluss (jetzt Trend!) für 1.800 € mit der Lupe anzugucken, weil die Zeitung billiger als grossformatige ist.


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"Ihr ELLEgirl-Team" ringt im Editorial mit sich, warum es mit den girls und dem Vertrauen nicht lief: "Den Grund zu erklären ist schwierig. Denn er hat mit wirtschaftlichen Umständen zu tun, die leider nicht ELLEgirl-Pink sind. Sie sorgen für das Aus dieser Zeitschrift." Weitere Einzelheiten zu den Einstellungsgründen erspart uns das Team, vielleicht, weil Denkfalten unpink sind, waren, immer sein und die Inhaberin niemals pink machen werden. Wir werden es nie erfahren. Festzuhalten bleibt noch, dass es einen Verteiler weniger gibt für Kosmetikwerbung mit heilsversprechend gefüllten Eiswürfeln – ein Schritt in die richtige Richtung.

Antonia Rossdeut | Dauerhafter Link | Kommentare (6)


16.10.2005 | 20:30 | Alles wird besser | Vermutungen über die Welt

Der Feind im Kleinen


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Neue Entwicklungen in der Rüstungsindustrie: Bei Medgadget ist zu lesen, dass irgendwo in Amerika neuartige Kleinbomben entwickelt wurden, die extrem kleine Feinde, z.B. Krebszellen, in gründlicher Manier ausrotten sollen, später mal, wenn sie erwachsen sind. Das prinzipielle Konzept der Nanobombe ist nicht neu, geriet aber wohl in den letzten Jahren in Vergessenheit, weil man sich einbildete, die gefährlichsten Feinde wären diese sogenannten Humanoiden und damit zu gross für solche Miniaturgeräte. Ein fundamentaler Fehler, denn es ist völlig klar, dass schon bald keine Zeit mehr für echte Menschenkriege ist, weil man ständig damit beschäftigt sein wird, Kleinstlebewesen zu bekämpfen. Und obwohl ein (offenbar verwirrter) Riesenmaschinenautor noch vor wenigen Wochen die Nanotechnologie verdammte, sind wir darum restlos überzeugt, dass der Nanokriegsführung die Zukunft gehört: Wir brauchen viel mehr Nanobomben, gegen alle möglichen Bakterien, Viren und Vogelgrippen, Nanopanzer gegen Kakerlaken und Chihuahuas, Nanoflugzeugträger, von denen aus Nanokampfflugzeuge in den Krieg gegen Schimmel- und Fusspilze ziehen, ja, ganze Nanoarmeen gegen Karies, Staubflusen und diese kleinen Obstkerne, die immer zwischen den Zähnen hängenbleiben. Irgendein Kobold muss dann Nanoverteidigungsminister werden, aber das kann man ja wohl hinkriegen.


16.10.2005 | 18:22 | Sachen kaufen | Essen und Essenzielles

Kaltes klares Wasser


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Die Vorzüge des Wassers dürften allgemein bekannt sein, man mag es, es ist nicht teuer, ist leicht verdaulich, jeder schätzt es, sei es zum Gurgeln oder Autowaschen, und der Fisch liebt es, sich in ihm aufzuhalten. Wem jetzt das sprichwörtliche Wasser im Munde zusammenläuft, gehe schnell zum kleinen Kolonialwarenladen und bestelle noch heute ein Glas davon. Beim Stöbern im breitgefächerten Produktsortiment des freundlichen Warenhauses stösst man dann auch noch auf weitere nützliche Sachen, wie Mörtel, Komplementärsocken und gebrauchte Unterhosen, frisch gewaschen und weichgespült.
Dass kaltes klares Wasser warmem trübem vorzuziehen ist, dürfte auch jedem klar sein, wurde es ja bereits besungen. Auch wenn es aus dem Text nicht klar hervorgeht, ist es doch eine im Subtext verborgene Ode auf den Schlankmacher kaltes Wasser, denn für die Erwärmung des Wassers auf Körpertemperatur wird Energie benötigt, Energie, die nicht aus der Steckdose kommt, sondern aus den Speckreserven. Wer tüchtig kaltes Wasser trinkt, wird schlank wie ein Zahnstocher.
Wer hingegen noch einen Schritt weitergeht, und im Winter ins Wasser geht, den belohnen nicht nur zufällig an der Badestelle defilierende Passanten mit der schmeichelhaften Äusserung, man habe einen Dachschaden, sondern auch ein eigentümliches Geräusch, das entsteht, wenn die Bugwelle, die man vor sich herschiebt, die hauchdünne Eisschicht in Millionen kleiner Scherben zerbricht, und so ein geheimnisvolles Singen des springenden Eises entsteht. Ist das Eis dann bereits etwas stärker, zieht man sich zusätzlich noch ein paar interessante Schnittwunden zu. Und wenn man dann noch einen Hang zum "Schregen" (diese Schweizer!) hat, kann man sich ja als Eunuch einer Bademonarchie anschliessen.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (8)


15.10.2005 | 18:26 | Alles wird besser | Zeichen und Wunder

Loca Cola


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Wir leben in einer Zeit, die auch Menschen Chancen einräumt, die noch vor 5000 Jahren verhungert wären, weil sie etwa bunte, flatternde Schmetterlinge interessanter finden als Ackerbau. Inzwischen sind diese Menschen weiter vom Verhungern entfernt als jemals zuvor, im Gegenteil, sie gründen Agenturen überall auf der Welt und verkaufen der internationalen Ackerbauernschaft teure, wirre Konzepte. Ein besonders internationales, besonders wirres und wahrscheinlich auch besonders teures Konzept liegt einer Aktion von Coca Cola zu Grunde, das auch nebenstehende Flasche hervorgebracht hat. Sie heisst M5 und hat mit der Evolution, den fünf Kontinenten, Musik und Optimismus zu tun. Etwas, aber nicht viel präziser gesagt: Fünf Designergruppen aus fünf Kontinenten wurden gebeten, jeweils eine Flasche zu gestalten und ein Musikstück mit einem Videoclip zu illustrieren, dabei sollten sie stets den Optimismus an sich im Auge behalten und auch nicht vergessen, dass die Evolution ganz vorne im Konzept mitmischt. Obwohl seit Jahren der absolute In-Kontinent, hat Australien dabei seinen Platz an Südamerika abtreten müssen. Was ich vor allem deshalb begrüsse, weil die südamerikanische Designagentur Lobo heisst. Als grosse Schmetterlingsfans weit abseits jeden Ackerbaus können wir es natürlich nur gutheissen, wenn möglichst wirre Konzepte marktfähig werden. Vielmehr noch, wir möchten hiermit alle nach subjektiver Einschätzung dazu Befähigten aufrufen, wirre Werke in die Welt zu werfen! Kreiert kryptische Konzepte! Entwickelt erratische Events! Initiiert irrwitzige Initiativen! Verkauft verquaste Visionen! Hip Hip Hurra.


15.10.2005 | 15:46 | Alles wird besser | Fakten und Figuren

Innenansichten


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Vor kurzem noch behaupteten wir, dass man das menschliche Gehirn nicht sehen könne und es deshalb keinen direkten Beweis für seine Existenz gäbe. Das ist natürlich völlig falsch formuliert: Während es in Einzelfällen immer noch schwer ist, das artgerechte Funktionieren des Hirns nachzuweisen, kann man es in anderen Einzelfällen durchaus einwandfrei sehen, und zwar in Farbe, 3D und im Web: Irgendwo in der Abteilung für Dunkles und Grossartiges der Uni Harvard entstand der Whole Brain Atlas, eben gerade von Scientific American mit dem Science and Technology Web Award 2005 ausgezeichnet. Mit Hilfe dieses praktischen Spielzeuges kann man irgendwelche Köpfe durchschneiden und einfärben, und alles, wirklich alles ist frei konfigurierbar. Die nebenstehende Abbildung z.B. zeigt das Innenleben eines Menschen mit rosa Kleinhirn und Froschaugen, und wem das zu unspektakulär ist, der kann auch gern im Kopf von Alzheimer-Patienten oder in Hirntumoren herumstöbern. Als Bonus erfährt man, dass sich in diesem Hirn da drin offenbar so rätselhafte Dinge wie das "Aquädukt von Sylvius" und das "Loch von Monro" befinden, Dinge also, die wir bisher eher im schottischen Hochland oder im antiken Rom vermuteten. Was allerdings noch fehlt, ist ein Interface, das die Stimmen im Kopf in Echtzeit im Web überträgt. Oder halt umgekehrt.


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