Riesenmaschine

15.10.2005 | 15:30 | Alles wird schlechter | Was fehlt

Abschied von der Beintasche

Bei der Betrachtung der Geschichte menschlicher Kulturtechniken fällt auf, dass Erfindungen häufig in höchst unpraktischer Reihenfolge getätigt werden, so etwa das Speiseeis mehrere Jahrhunderte vor dem Dreisternefach und die Operation einige tausend Jahre vor der Anästhesie. Die Entwicklungslücke, in der wir uns derzeit befinden, ist nicht weniger schmerzlich: Einerseits möchten wir eine grosse Anzahl von Gadgets mit uns herumtragen (Handy, iPod, Digitalkamera, Notizbuch, GPS-Gerät, Wikipedia-PDA), andererseits sind weder diese Gadgets hinreichend ineinander integriert noch unsere Taschen zahlreich genug. Das Verhältnis der serienmässig angebotenen Hosentaschen zu den erhältlichen Gadgets hat sich seit Anfang der nuller Jahre in beide Richtungen ungünstig entwickelt und kulminiert heute in dem, was die Nachwelt unter dem Namen "Grosse Hosentaschenlücke von 2005" kennen und in einem Atemzug mit der Grossen Hungersnot in Irland, den deutschen Ladenschlussgesetzen und dem Dreissigjährigen Krieg nennen wird.
Ausnahmsweise wissen wir auch nicht, wie es weitergehen soll. Steht uns ein Comeback der schlimmen Hüfttasche bevor? Ziehen wir demnächst in der Öffentlichkeit mit Leiterwagen voller Gadgets herum (was irgendwie ja auch seinen eigenen Reiz hätte, ausserdem wäre dann endlich Platz für alle Ladegeräte und Dockingstationen, ein Solarladegerät, einen Kasten Bier und einen Biwaksack)? Oder geht der Trend vielmehr weg vom Nomadischen und hin zu verstärktem Zuhausebleibing, jedenfalls im Sommer? Für den Winter gibt es ja zum Glück Jacken mit 52 Taschen.


14.10.2005 | 23:41 | Alles wird besser

"Ich konnte dich nicht anrufen, ich hatte mir den Fuss verstaucht"

Ein weiterer Schritt in eine hier schon vielfach eingeforderte Zukunft, in der Handys und andere Gegenstände selbstständig darauf achten, nicht gestohlen zu werden, wird in Finnland gerade vorbereitet: Bei textually.org steht von einem bereits patentierten Dings zu lesen, das, in ein Handy eingebaut, dessen Herrchen an der Gangart erkennt. Ändert sich diese Gangart, muss der Besitzer erst mal ein Passwort eingeben. Zwar wird das Dings entweder nie oder erst 2008 in Handys eingebaut werden, was letztlich dasselbe ist, aber grundsätzlich sind Erfindungen zu loben, die den Geräten auch nur ein Minimum an eigenem Mitdenken einflössen. Dieser Beitrag endet hier. Vorhersehbare Scherze über die kurzen Beine der Lüge, Pferdefüsse sowie hinkende Vergleiche sind separat erhältlich.

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Kling, Glöckchen


14.10.2005 | 13:29 | Alles wird besser | Sachen kaufen | Sachen anziehen

Über Unterwäsche

Das Folgende mag einem gewissen Teil der insbesondere weiblichen Leser nicht neu sein, ich vermerke es hier aber für denjenigen Teil der Riesenmaschinenzielgruppe, der sich wie ich selbst bestenfalls alle fünf Jahre zum Kauf neuer Anziehsachen aufraffen kann: Eins der drittlästigsten Probleme der zivilisierten Welt, das Frauenunterwäscheproblem, darf seit irgendwann in den letzten fünf Jahren als gelöst gelten.
Ich rekapituliere kurz den früheren Zustand: Es gab Unterwäsche für debile Dreizehnjährige (H&M) und Unterwäsche für Frauen, denen eh schon alles egal ist (überall woanders) bzw. dann natürlich noch Unterwäsche für Frauen, die ihr dysfunktionales Liebesleben mit Hilfe absurder Methoden wieder zu beleben trachten, aber davon ein andermal.
Dieser unhaltbare und unwürdige Zustand hat jetzt ein Ende, und zwar dank American Apparel, einer bisher vor allem wegen ihrer sweatshopfreien T-Shirt-Herstellung gelobten Kette, die nebenbei aber auch Frauenunterwäsche in mehreren (!) Formen (Tanga, Jungsunterhose mit Eingriff, dreieckige Form, Balkenform) und allen (!) Farben (also nicht nur in den herkömmlichen Darreichungsformen Schwarz, Weiss, Pink und Grossmutters Rosentapete) vertreibt. Auf der Website (und daher auch in unserer Abbildung) finden sich, wohl um die Konsumentin nicht gleich zu überfordern, leider nur die klassischen Farbvarianten; den Rest (orange! nato-oliv! hellgrün!) muss man sich eben dazudenken.
American Apparel gibt es in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Köln, Sylt, Zürich und im Internet. Und wenn jetzt noch ein paar andere Bekleidungshersteller einsehen würden, dass Menschen, die etwas kaufen wollen, manchmal ganz gern die Auswahl zwischen unterschiedlichen Sachen hätten, dann, ach, dann.


14.10.2005 | 04:19 | Was fehlt

Ankündigung

Hier entsteht bald ein Beitrag über die sich verstärkende Wechselwirkung von Prokrastination und Provisorien.


13.10.2005 | 20:07 | Anderswo

Excuse me, have you seen my schnitzel?

Bayern könnte so ein schönes Land sein, wenn es nicht von den Bayern bewohnt wäre, von Menschen also, die CSU-Wahlergebnisse um die 75% für normal und Homosexualität für ein Zeichen von Schwachsinn halten. Das macht es um so angenehmer, dass man an vielen Orten der Welt die bayerische und sonstwie alpenländische Kultur in Abwesenheit ihrer Erfinder feiern kann, so z.B. in Kitchener/Waterloo, Ontario (Abbildung oben). Zwar gibt es dort nur "Brick"-Bier und der Besucher wird alle drei Minuten aufgefordert, dieses Bier "responsibly" zu trinken, aber ansonsten ist alles vom "tapping the keg" über die "Bavarian Fun Hats" bis hin zur musikalischen Untermalung (Rosamunde, Kufsteinlied) genau wie im Herz der Finsternis und zum Teil sogar besser. Nur eben ohne Bayern und dafür mit Kanadiern, denen man manches ein bisschen genauer erklären muss: "In every Festhallen you will find a Schnapps bar, where a Fraulein will show you the Schnapps list."
Vor dem Oktoberfest findet das Kitchener-Waterloo Trachtenfest statt, unter anderem mit den Weiss-Blau Bayern Juniors Brampton, dem Senior Concordia Enzian Schuhplattler Verein und dem Schwaben Dancers Schwaben Club, allesamt Mitglieder im Gauverband Nordamerika. Gleich darauf folgt das Kitchener-Waterloo Braü (sic) and Winzer Fest, und der Rest des Jahres ist mit anderen schönen und traditionellen Festivitäten ("Alpenland Hamilton Fahnenweihe") ausgefüllt. Pfiati God, Bayernland! Spirit of Gemuetlichkeit! Ein, Swei, Sufa!


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