Riesenmaschine

20.02.2006 | 01:32 | Alles wird besser | Was fehlt | Essen und Essenzielles

Heute: Pilztag in der Riesenmaschine!


Foto: cfwee / Lizenz

Der Biologe weiss: Neben den recht bekannten Tieren und Pflanzen gliedert sich die Welt des Lebenden auch noch in die Reiche der Pilze und Protisten. Doch während wir Nicht-Biologen durchaus Begeisterung für Tiere ("Oh, wie schön flauschig!") und Pflanzen ("Oh, wie schön grün!") aufbringen, werden die Pilze – selbst die flauschigen und grünen – zumeist sträflicherweise vernachlässigt. Bloss warum? Nur weil sie keine Augen haben, keinen Sauerstoff produzieren und zum grössten Teil unter der Erde leben?

Auch die Riesenmaschine gab in dieser Frage bisher ein klägliches Bild ab: Für Tiere führen wir sogar eine eigene Kategorie, die Pilzartikel lassen sich hingegen an einer Hand abzählen: Ein bisschen was zu Biowaffen, ein bisschen was über den Missbrauch körpereigener Hefepilze, ein psychedelischer Spielplatz und der Pilz des Jahres 2006 – das ist zu wenig. Pilze sind immerhin die grössten Lebewesen der Welt. Ohne sie gäbe es weniger Käse, viel weniger Alkohol und überhaupt gar keine Hefeklösse auf der Welt. Ausserdem sind sie mitunter wunderschön, wie die Bilder oben (aus dieser Galerie) zeigen. Deshalb ist heute Pilztag in der Riesenmaschine. Das ist das Mindeste, was wir tun können.

Irgendwann bald machen wir dann auch einen Protistentag. Versprochen! Die sind bisher nämlich auch ziemlich unterrepräsentiert (gerade mal eine Erwähnung).


19.02.2006 | 18:01 | Essen und Essenzielles | Vermutungen über die Welt

Die Schnellkartoffel


Die Dummen leben von ihrer Arbeit,
die Klugen leben von den Dummen
Sie werden gewettet haben. Sie werden sich bei einem Single Malt getroffen haben und gesagt haben "Sieh sie dir doch an! Sie sind dumm wie Brot! Sie kaufen alles für jeden Preis, wenn man es nur richtig verkauft!" Und obwohl keiner dagegen gewettet haben wird, haben sie es trotzdem nachprüfen wollen. Lange werden sie nicht nachgedacht haben, sondern gleich die zweitdämlichste Idee verwirklicht haben. "Wir verkaufen einzelne Kartoffeln für den fünffachen Kilopreis, indem wir sie einzeln in Folie einwickeln!" – "Und der Mehrwert?" wird einer gefragt haben, eher symbolisch, um den anderen sein teures St.-Gallen-Studium in Erinnerung zu rufen. "Scheiss auf den Mehrwert, den soll die Agentur erfinden."

"Pommfix, die leckere Mikrowellen-Kartoffel – einfach und schnell! Einfach in der Folie garen! Bei 600 Watt in der Mikrowelle fertig in: 1 Pommfix = 7-8 Min. 2 Pommfix = 10-11 Min." (0,99 Euro, gesehen bei MiniMal Berlin Ostbahnhof)


19.02.2006 | 05:24 | Berlin | Anderswo | Fakten und Figuren

Dönerkriege


Nash-Gleichgewicht im Cournot-Duopol
Spiegel und BZ berichten in dieser Woche einhellig über einen Preiskrieg unter Dönerbuden, der dadurch zustande komme, dass immer mehr arbeitslose Türken auf den Markt drängten. In Düsseldorf sei der Preis für einen Döner laut Spiegel zwischenzeitlich auf 1,79 Euro gefallen, in Berlin-Neukölln laut BZ gar auf 79 Cent, was nicht nur etwas über die mutmasslichen Grenzkosten verrät, sondern auch über die ökonomische Realität beider Städte. Berliner werden sich vielleicht an den grossen Pizza-Krieg Anfang der 90er Jahre erinnert fühlen, der zum Shake out mit galoppierendem Qualitätsverlust unter den italienischen Restaurants dieser Stadt führte. Wettbewerbstheoretisch dürfte es sich hierbei, da es den Anbietern nicht gelingt, sich über die Produkteignschaften signifikant zu differenzieren, um einen lupenreinen Fall des Cournot-Spiels handeln, bei der sich alle Wettbewerber so lange über den Preis herunterkonkurrieren, bis die Preise Grenzkostenniveau erreichen und niemand mehr einen Gewinn erzielt. Bei asymmetrischen Kosten scheiden diejenigen Marktteilnehmer mit der schlechtesten Kostenstruktur aus dem Markt aus, was von den anderen nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern über temporäres Dumping sogar noch forciert wird, daher auch die Bezeichnung Cutthroat Competition.

Hotellings Theorem in kompliziert
In diesem speziellen Fall scheint auch noch das Allmende-Dilemma, im Englischen Tragedy of the commons hinzuzukommen, wonach der Markt der Dönerkäufer mangels Zutrittsbarrieren ähnlich überfischt wird wie die Weltmeere, während allen längst das Zeug zum Hals raushängt. Auch Harold Hotellings Theorem, wonach zwei Eisverkäufer, die sich an einem langen Strand positionieren müssen, Rücken an Rücken in der Mitte landen werden (das sich im Übrigen auch auf die Politik übertragen lässt) mag mit hereinspielen und erklären, warum sich alle Dönerbuden in Neukölln massieren und nicht etwa auch mal eine in Charlottenburg aufmacht. Genau haben wir das aber noch nicht ausgearbeitet, verweisen an die zuständigen Lehrstühle und verzichten einstweilen in toto auf den Dönerkonsum, um die Marktbereinigung möglichst zu beschleunigen.


18.02.2006 | 20:54 | Anderswo | Essen und Essenzielles

Käserolle

Man muss heutzutage schon sehr viel Mut haben, um erstens auf einem diesbezüglich mehr als gesättigten Markt einen neuen Schokoriegel zu lancieren und dann auch noch einen auf einer ungarischen Rezeptur basierenden. Aber am meisten Mut braucht es wohl, dieses Produkt auch noch mit einem der alleronkelhaftesten Namen auszustatten. Wie die Kollegen der ungarischen Riesenmaschine mit einer Mischung aus Stolz und Häme bemerken, exportiert man momentan im grossen Stil in die Nachbarländer wie Rumänien und Polen ihren geliebten Túró Rudi (Quark Rudi), der, weil er so dermassen beliebt ist, gleich von zwei konkurrierenden Firmen produziert wird.

Nun wagt der österreichische Molkereimittelbetrieb Landfrisch, das Konzept zu übernehmen, noch gibts ihn aber nicht zu kaufen, zuerst wird massiv plakatiert und an Kinder verteilt, die ihn aber pauschal ablehnen, wie es bei einer Frischkäseschokorolle nicht anders zu erwarten war, auch wenn das stigmatisierende Wort Käse in diesem Zusammenhang verschämt verschwiegen wird.

Tex Rubinowitz | Dauerhafter Link | Kommentare (6)


18.02.2006 | 14:33 | Fakten und Figuren

Mittwoch: Denkpause


Sieht keinem Massenmörder ähnlich
Heute ist der 18. Februar. Es sind also noch volle vier Tage bis zum "World Thinking Day", aber weil man den "World Thinking Day" natürlich ignoriert (ungefähr so wie den "Internationalen Frauentag" am 8. März), sollte man das Ereignis besser jetzt schon kommentieren. Dieses Jahr geht es unter anderem darum, über die "Gefahren von Drogen", die "Entdeckung des eigenen Potentials", "Rauchverbote überall" und "gesunde Ernährung" nachzudenken, an diesem Weltdenktag. Das ist sicherlich eine extrem spannende Beschäftigung, aber es bleiben ja noch vier Tage, es wieder zu vergessen.

Wie sicherlich jeder weiss, wäre am 22. Februar Sir Robert Stephenson Smyth Baron Baden-Powell von Gilwell 149 Jahre alt geworden. Baden-Powell, ein Mann, der aus verschiedenen Gründen hätte berühmt sein können, zum Beispiel wegen seines schillernden Namens oder wegen seiner Frau Lady Olave, die seltsamerweise genau am selben Tag Geburtstag hat, zog es vor, sein Leben im englischen Militär mit Buren und Afghanen zu verbringen, nachdem sich herausgestellt hatte, dass er zu dumm für die Universität war. Mit 44 hatte er auch keine Lust mehr auf Kriegsspiele, und nur sechs Jahre Pensionierung reichten ihm, um auf die tolle Idee zu kommen, die erste Pfadfindergruppe der Welt zu gründen. Baron Baden-Powell verdanken wir das Prinzip "Learning by doing" und so wichtige Kalenderweisheiten wie "Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als Ihr sie vorgefunden habt."

Ein Lehrsatz, gegen den er selbst allerdings irgendwie verstossen hat, denn hätte er sich einfach im Burenkrieg erschossen, dann gäbe es weniger Kalenderweisheiten, weniger gute Menschen und gar keine Pfadfinder. Alte Frauen wären noch in der Lage, alleine über die Strasse zu gehen, und die Hutmode wäre deutlich weniger zurückgeblieben. Niemand kann beziffern, wieviel Leid und Missbehagen die Pfadfinderbewegung über die Menschheit gebracht hat, und zwar weil es so unermesslich viel ist. Darüber könnte man nächsten Mittwoch vielleicht wirklich mal nachdenken.


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